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Organisatierter Islam: Die Jugend rebelliert

Im Umgang mit der zukünftigen Generation liegt bei den Strukturen einiges im Argen

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Foto: BDMJ | Facebook

(iz). Die Diskussionen um die DITIB reißen nicht ab. Nach den wochenlangen Diskussionen um die Spitzelvorwürfe gegen einige Imame in den Gemeinden sorgte die Nachricht vom Rücktritt des Bundesjugendvorstands erneut für Schlagzeilen. Überraschend kommt diese Nachricht nicht. Schon seit Längerem gab es Unruhen ­innerhalb der Verbandsjugend. Die aktuelle Entwicklung innerhalb der DITIB und die Ignoranz ihrer Führung gegenüber den eigenen strukturellen Defiziten hat den engagierten ­Jugendvorstand schon länger gestört.

Auch die Entfernung des beliebten Vorstands der Berlin Sehitlik-Gemeinde sorgte für Aufruhr. Interne Kritik wurde immer wieder ignoriert, totgeschwiegen und unterbunden. Manche sind schnell dabei, dem Jugendvorstand vorzuwerfen, er würde sich nur profilieren. Diese üblichen Reflexe erlebt man oft von jenen, die nicht informiert sind. Der Rücktritt ist das Ergebnis vergeblicher Mühen, auf eine gefährliche Entwicklung für die DITIB selbst hinzuweisen.

Die Führung hat Warnsignale aber konsequent ignoriert. Stattdessen wurden kritische Stimmen als „Unruhestifter“ unter Druck gesetzt. Das mag in der Vergangenheit funktioniert haben, aber die Führung muss verstehen, dass das heute so nicht mehr geht. DITIB ist mit ihren zahlreichen Gemeinden ein wichtiger Faktor für die deutschen Muslime. Um ihre Arbeit voranzutreiben, ist sie auf engagierte Jugendliche angewiesen, denen man auch Verantwortung überträgt. Man muss diese Stimmen ernst nehmen und kann nicht erwarten, dass sie zu allem Ja und Amen sagen. Es mag vielleicht eine populäre Haltung in der türkischstämmigen Community sein, sich unterzuordnen, nicht anzuecken und jeden fatalen Fehler zu bejubeln. Für die muslimische Community ist das keine gute Entwicklung, wenn eben die engagierte Jugend aus den Strukturen der Muslime vertrieben wird.

In den letzten Jahren ist ein gewisser Braindrain in muslimischen Strukturen zu beobachten. Das ist in erster Linie ein großer Verlust für die Organisationen. Denn er birgt eine gewisse Gefahr, dass diese jungen Köpfe von externer Seite rekrutiert werden, eigene Projekte realisieren, aber immer mehr abgekoppelt von der Basis agieren. Es ist bezeichnend für den ­Zustand mancher Verbände, dass sie nicht in der Lage sind, der positiven, jugendlichen Energie Raum und die nötigen Chancen zu geben. Jugend lässt sich nicht kadermäßig kontrol­lieren, sondern man muss sie machen lassen. Dieser drohende bleibende Braindrain wird keine guten Auswirkungen auf unsere Entwicklung in Deutschland haben. Hoffentlich ist das den Verantwortlichen Funktionären in den Verbandszentralen bewusst.

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Eren Güvercin

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