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Oxfam-Umfrage: Armut als wichtigste Konfliktursache am Hindukusch

Afghanen wollen Sicherheit

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(IZ/Oxfam). Rund 70 Prozent von Befragten in Afghanistan nennen Armut und Arbeitslosigkeit als Hauptursache für den andauernden Konflikt in ihrem Land. Die Infrastruktur des Landes am Hindukusch ist zerstört und das soziale Gefüge ­Afghanistans zersplittert. Das zeigt eine neue Umfrage von Oxfam und mehreren afghanischen Partnerorganisationen. An zweiter Stelle nennen die Befragten die schwache Regierung sowie Korruption. Die Taliban und die Einmischung von Nachbarstaaten werden als die dritt- und viertwichtigsten Ursachen angesehen.

Bisher ist viel über die Kriege in Afgha­nistan geschrieben worden. Die grundlegende Sichtweise ist in unzähligen Büchern, Artikeln und Reportagen dargelegt wurden. Aber die Stimmen einfacher Afghanen bleiben zumeist abwesend von diesen Berichten. Dabei ist doch das afghanische Volk am stärkten von den Kriegen auf seinem Gebiet betroffen. „Die Menschen in Afghanistan wollen endlich Frieden. Sie erwarten zu Recht, dass die wahren Ursachen des Krieges beseitigt werden“, sagt Oxfam-Geschäftsführer Paul Bendix. „Das heißt in erster Linie, die Armut zu bekämpfen, unter der fast die Hälfte der Bevölkerung leidet.“ Die internationale Gemeinschaft müsse dem zivilen Aufbau klaren Vorrang vor militärischen ­Lösungen einräumen. Die Befragung von Afghanen ist Teil des Berichts „The Cost of War“, der ein düsteres Bild des seit 30 Jahren von Kriegen heimgesuchten Landes zeichnet. Es wurden 704 Personen aus verschiedenen Regionen Afghanistans befragt. ­Viele beklagen, dass die internationale Hilfe nicht diejenigen erreiche, die sie am dringendsten benötigen. „Drei Jahrzehnte Krieg haben viele Probleme für uns bereitet. Wir wanderten nach Pakistan aus, unsere Häuser wurde zerstört, unser Land und unser Besitz von Warlords gestohlen, die Wirtschaft negativ beeinflusst, unseren Söhnen und Töchtern wurde Bildung vorenthalten, unsere Frauen ­beleidigt … Schulen, Krankenhäuser, Straßen und Fabriken wurden zerstört und die Furcht vor Krieg hat viele ­­Geisteskrankheiten verursacht“, erklärte ein Befragter in dem Oxfam-Bericht.

„Die Menschen brauchen vor allem Arbeit“, erklärt Bendix. „Die afghanische Landwirtschaft muss stärker gefördert und die Infrastruktur verbessert werden.“ Die Befragten wünschen sich außerdem, dass das Bildungs- und ­Gesundheitswesen ausgebaut wird. Damit der Aufbau in Afghanistan gelingt, muss der Schutz der Zivilbevölkerung absolute Priorität haben“, fordert Bendix. Luftangriffe und nächtliche Durchsuchungen durch die alliierten Streitkräfte müssten deshalb weitestmöglich beschränkt werden. Allein bis Oktober seien in diesem Jahr 2.021 Zivilisten ums Leben gekommen.

Nach der Entmachtung der Taliban Ende 2001 hofften viele Afghanen auf eine Ende der Gewalt und auf eine ­Verbesserung ihrer Lebensbedingungen. Aber im Jahre 2006 verschlechterte sich die Sicherheitslage drastisch und die ­Gewalt ist auf ihrem höchstem Stand seit 2001. Beinahe die Hälfte der Bevöl­kerung lebt unterhalb der Armuts­linie und mehr als drei Millionen Menschen leben als Flüchtlinge in Pakistan und Iran.

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