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Paris: Keine Burka in Sicht

Vernunft und Kleidung: In Frankreich geht die absurde Debatte weiter. Von Alecia D. McKenzie

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(IPS). Es war überhaupt keine Burka zu sehen. Auf den geschäftigen Straßen in der Nähe des Boulevard de Belleville – in einer der buntesten Nachbarschaften von Paris – tragen die Frauen eine Vielzahl von Kleidungsstücken – Sommerkleider, Jeans, Tschadors, Kopftücher und traditionelle afrikanische Kleider, aber keine Burkas. Ein Händler lachte als er gefragt wurde, ob er die Burkas verkauf. „Ja, ich habe einige auf Lager, aber noch niemals eine verkauft. Ich schwöre, ich habe in vier Jahren keine einzige verkauft. Wo sind also die Burkas, die sie alle verbieten wollen?“

Frankreichs Präsident Sarkozy erklärte im vorletzten Monat, dass die Burka keine Platz in Frankreich habe und dass ihre Ausbreitung unterbunden werden müsste. Einige Abgeordnete haben ihrer Sorge Ausdruck verliehen, dass angeblich eine steigende Anzahl von Frauen dieses Kleidungsstück tragen könnte – nicht aus freier Wahl, sondern wegen Drucks seitens „religiöser Fundamentalisten“. Sie forderten das Parlament auf, endlich zu handeln.

„In den vergangenen achten Jahren habe ich vielleicht eine einzige Frau mit einer Burka gesehen. Und ich arbeite in einem Einwandererbezirk“, sagte ein französischer Sozialarbeiter, der ungenannt bleiben wollte. „Ich glaube, dass die Regierung ein Problem schaffen will, wo keines besteht. Sie wollen, dass wir die Finanzkrise vergessen, also sagen sie uns: ‘Lasst uns über die Burka reden.’“ „Jedes Verbot seitens des Staates ist kontraproduktiv. Dies bringt Frauen in eine noch schlechtere Position als jene, in der sie sich bereits befinden, wenn sie gezwungen sind, die Burka oder den Niqab zu tragen“, meint Jean-Marie Fardeau, Direktor der französischen Sektion von Human Rights Watch. Auch in der Regierung sind die Ansichten gespalten.

Währenddessen sind Journalisten in die gemischten Wohnviertel ausgezogen, um zu entdecken, was Muslime über die Burka denken – sehr zur Unterhaltung und auch zur gelegentlichen Verärgerung der Anwohner. „Das ist nur politische Propaganda“, sagt Hafnaoui, der einen Laden mit muslimischen Filmen, Büchern und Kleidung führt. „Frankreich hat ein Problem mit dem Islam, solange die Religion sichtbar wird. Die Politiker wollen die Aufmerksamkeit der Menschen von natio­nalen Problemen ablenken, damit sie einen gemeinsamen Feind haben.“

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