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Patenschaft oder Waisenhilfe?

Soufian El Khayari über zwei Hilfsmodelle

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Foto: muslimehelfen e.V.

Bei komplexen Problemen gibt es in der Regel verschiedene Lösungswege. So heißt es sprichwörtlich: „Viele Wege führen nach Rom.” Jeder Weg hat dabei seine eigenen Vor- und Nachteile. Diese wollen wir hier gegenüber- und auch einige Grundsatzfragen in den Raum stellen. Vorab eine kurze Zusammenfassung der zwei verbreitetsten Methoden, um Waisen zu helfen.

Bei einer Patenschaft verschafft sich eine Hilfsorganisation zunächst einen Überblick über Waisenkinder in einem bestimmten Gebiet. Daraufhin wird jedes Kind in einem Vermittlungsprozess jeweils einem bestimmten Spender zugeordnet. Dieser begleicht über einen festgelegten Zeitraum mit einem monatlichen Pauschalbetrag die Kosten für genau dieses Waisenkind und wird über dessen Entwicklung informiert.

Ein anderer Ansatz ist es zum Beispiel mittels Spenden den Bau von Waisenzentren und Schulen für Waisen oder andere Hilfsprojekte zu ermöglichen. Der Vorteil ist, dass diese mehr als nur einem Waisenkind zu Gute kommen. Denn die eingehenden Spenden werden nicht speziell einzelnen Waisen zugeordnet, sondern zunächst gemeinsam in einem Topf gesammelt, um auf alle verfügbaren Waisenprojekte verteilt zu werden. Dieses fondsbasierte Prinzip nennt sich bei uns Waisenhilfe.

Auswahl des Waisenkindes – Damit es zu einer Vermittlung von einzelnen Waisen kommen kann, müssen die Kinder zuvor erfasst werden. Meistens kann der Spender auswählen, ob er einen Jungen oder ein Mädchen fördern möchte und aus welchem Land das Kind sein soll. Faktoren wie das Aussehen oder die Sympathie, die einem Waisenkind gegenüber empfunden wird, beeinflussen die Auswahl. Die Auswahlkriterien betrachten wir bei muslimehelfen kritisch.
Was macht ein Kind aus Syrien wertvoller als ein Kind aus Sri Lanka? Ist ein Junge aus Burundi etwa weniger wert als ein Mädchen aus Indonesien? – Nein! Emotionale und psychologische Auslöser bei der Spendenbereitschaft sind zwar Realität, müssen aber durch Sachlichkeit und Kenntnis über die Gesamtsituation überwunden werden, um die Hilfe möglichst gerecht zu verteilen.

Waisen ohne Paten – natürlich ist es gut, wenn ein Kind einen Paten hat, aber wir müssen uns im Hinblick auf die Gerechtigkeit auch die Frage stellen, was mit den Kindern ist, die aus welchen Gründen auch immer keinen Paten haben. Darf ihnen etwa jegliche Hilfe verwehrt werden? Was geschieht nach Ende der Laufzeit der Patenschaft? Das sind Fragen, die oftmals vergessen werden. Ein weiterer Faktor ist die Zuverlässigkeit.

Manch einer kann es sich womöglich kaum vorstellen, aber erfahrungsgemäß gibt es durchaus auch Spender, die aus verschiedensten Gründen ihre versprochene monatliche Spende nicht tätigen. Dafür gibt es durchaus auch legitime Gründe. Mal sind Bankkonten nicht gedeckt oder jemand hat einfach einen finanziellen Engpass. Was wird in solch einer Situation aus dem zugeteilten Patenkind? Das Kind kann schlecht ein bis zwei Monate unversorgt bleiben. So ist die fondsbasierte Waisenhilfe flexibler und weniger risikobehaftet, da die Hilfe für ein Kind nicht von einer einzelnen Person abhängt, sondern von allen Unterstützern gemeinsam getragen wird.

Informationen über die Waisen? Eine besondere Stärke der Patenschaften ist die persönliche Bindung zwischen einem Spender und dem Waisenkind. Der Spender kennt das Kind mit Namen und hat ein Bild im Kopf. Zusätzlich erhält er Einblicke in dessen Leben. In regelmäßigen Abständen bekommt der Spender sogar Briefe und Zeichnungen der Kinder und wird über deren persönliche Entwicklung auf dem Laufenden gehalten. Teils werden sogar Skype-Videoanrufe zwischen Spendern und den Waisen arrangiert. Wie sich die Kinder dabei fühlen, ist ungewiss.

Ohnehin ist es immer ein schmaler Grat zwischen der Würde und Privatsphäre der Bedürftigen und dem Informationsrecht der Spender. Auch bei der fondsbasierten Waisenhilfe werden Informationen über die Kinder gesammelt, werden jedoch selten veröffentlicht.

Vielmehr geht es bei der Berichterstattung um den Fortschritt und die Situation aller Waisenkinder in dem jeweiligen Projekt. Als Nachweis der Projektdurchführung werden Bilder von den Waisen im Unterricht, beim Essen oder der Verteilung von neuen Schulsachen gemacht. Dabei verzichten wir bewusst darauf, die Identität der einzelnen Kinder zur Schau zu stellen. Gemäß unserer bescheidenen Meinung haben wir darauf nur bedingt Anspruch.

Kosteneffizienz – Was ist das eigentliche Ziel der Spende? Allahs Wohlgefallen zu erlangen, indem wir von unserem Vermögen abgeben, um den Schwächsten in bester Weise zu helfen. Dazu gehört für muslimehelfen, dass wir mit den Spenden so effizient wie möglich umgehen. Wir sehen es als Pflicht gegenüber Allah an, verantwortungsbewusst mit den verfügbaren Spenden umzugehen, auf dass so vielen Waisen wie möglich geholfen wird und unnötige Kosten, Zeit und Verwaltungsaufgaben eingespart werden. Kurz: Alle zusätzlichen Schritte wie die Vermittlung oder länderübergreifender Briefverkehr zwischen Spendern und den Waisen birgt zusätzliche Kosten.

Fazit – Letztlich helfen beide Wege den Waisen und konkurrieren im Guten miteinander. Vom islamischen Standpunkt aus ist es sehr wichtig den Waisen zu helfen, wo es möglich ist. Wir bei muslimehelfen setzen vor allem aus Gründen der Kosteneffizienz und um die Würde und Privatsphäre der Begünstigten zu wahren auf die Waisenhilfe. Gemäß unserer langjährigen Erfahrung können wir so mehr erreichen.

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