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Pogrome in Osch: Hat die Welt nicht genug Interesse an Kirgistan? Von Sulaiman Wilms

Das blutige Ferghana-Tal

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(IZ/Agenturen). Während die Weltöffentlichkeit gebannt auf den Hilfskonvoi nach Gaza und die verschärften Sanktionen gegen den Iran blickte, entfaltete sich im zentralasiatischen Kirgistan eine humanitäre Katastrophe. Das von zwei „farb-kodierten Revolutionen“ beinahe vollkommen destabilisierte Land, das früher als „die Schweiz Zentralasiens“ galt, erlebte im Juni gewaltsame Übergriffe gegen die usbekische Minderheit. Die Unruhen und Pogrome hatten ihren Anfang in den südlichen Städten Osch und dem angrenzenden Bezirken. Danach breiteten sich die Unruhen auf die benachbarte Provinz Dschalalabad aus. Neben privaten Häusern wurden auch viele Gebäude in Osch bei den Attacken in Brand gesetzt.

Die Angaben für die Ermordeten schwankten erheblich. Offizielle kirgisische Zahlen sprachen von 170 Menschen, während andere wie die GfbV von mindestens 2.000 Toten ausgingen. 300.000 Menschen sind nach Angaben der Hilfsorganisation UNICEF zu internen Flüchtlingen geworden. Andere Berichte schätzten, dass bis zu eine Million Menschen von Zerstörung, Vertreibung oder Flucht betroffen oder bedroht sind.

„Das Erschreckende ist, dass in den Massenmedien nicht einmal ein Zehntel dessen wiedergegeben wird, was hier vor sich geht. Eine ‘Ethnische Säuberung’, wenn man so will. Ganze Stadtteile mit von Usbeken bewohnten Häusern sind bis aufs Letzte abgebrannt, Menschen werden in ganzen Familien inklusive Frauen und Kinder niedergemetzelt“, hieß es in einem von der GfbV veröffentlichten Augenzeugenbericht.

Nach Angaben von Rosa Otunbajewa, Nachfolgerin des gestürzten Präsidenten Bakijew, seien die meisten Gewaltausbrüche mittlerweile unter Kontrolle. Das größte Problem bestehe augenblicklich in der Versorgung der betroffenen Menschen. „Die Tragödie war gut organisiert und finanziert“, erklärte Innenminister Almazbek Atambajew. Ähnliche Vorgänge seien auch im Norden und in der Hauptstadt des Landes zu erwarten. Kirgisische Politiker und ausländische Beobachter machten den gestürzten Kurmanbek und seine Clique für die Massaker verantwortlich; er wolle das jetzige Regime destabilisieren. „Bakijew bezahlte Killer, die Kirgisen beschossen. Entweder wollte er Rache nehmen oder zeigen, dass es ohne ihn keine Ordnung im Land gibt“, sagt Nasyr, ein Usbeke. „Für eine Rückkehr an die Fleischtöpfe der Macht ist jedes Mittel recht. Wer die enthusiastischen Volksmassen zum Pogrom mobilisieren kann, hat eine fürchterliche Waffe in der Hand“, schrieb Erhart Stölting in der „tageszeitung“.

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