IZ News Ticker

Praxis der inneren Heilung

Die Wissenschaft der spirituellen Vollkommenheit hilft gegen die Krankheiten des Herzens

Werbung

Foto: Shutterstock

(iz). In einer der berühmtesten Überlieferungen des Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, findet eine Befragung des Propheten in Gegenwart seiner Gefährten durch einen Unbekannten statt. Dieser befragt den Propheten unter anderem über Islam, Iman und Ihsan. In seinem berühmten Kommentar zu dieser Überlieferung sieht Imam An-­Nawawi darin den Beweis, das der Din auch aus Ihsan, dem Zustand der Vorzüglichkeit, dem Guten sowie der bewussten Bezeugung und Wahrnehmung der Gegenwart Allahs, des Erhabenen besteht.

Die Wissenschaft des Ihsan ist die Wissenschaft über die inneren Zustände des menschlichen Selbst, der Sufismus. Eine vollständige Betrachtung des Menschen innerhalb der ganzheitlichen islamischen Lebensweise beinhaltet daher Islam, Iman und Ihsan. Im Rahmen der Lebenspraxis möchte ich den medizinischen Bereich betrachten. Im Bereich des Iman liegt zum Beispiel die Anerkennung, dass sämtliche Heilung durch Allah geschieht. Das bedeutet für den Muslim, dass dem Medikament an sich nicht die Macht zur Heilung innewohnt.

Das Element des Ihsan wird an jedem Punkt wirksam, an welchem einem Arzt die Wissenschaft von den Zuständen durch einen lebendigen Lehrer vermittelt wurde. Dieser Lehrer, oder Schaikh, muss in einer lebendigen Übermittlerkette stehen, die direkt zum Propheten Muhammad reicht. Diese Form der Heilkunst geht von einer notwendigen Umwandlung des menschlichen Selbst aus, um Ungleichgewichte beziehungsweise Krankheiten der menschlichen Existenz zu behandeln.

Bei Schaikh Hakim Abu Abdullah Moinuddin, einem indischen Arzt und Mitglied der Chishtiya-Sufi-Tariqa, findet sich in dessen Buch zum Thema: „Viele Menschen werden erwachsen, ja, sie werden sogar alt, ohne die Anfangsstufe des Egotismus, den Maqam An-Nafs, überhaupt zu verlassen. Solche Menschen gehen stets blind ihren Weg und hören nie auf, nur der körperlichen Befriedigung zu leben. Im Extremfall beruht die ganze Reihe der so genannten chronischen und degenerativen, affektiven und körperlichen Krankheiten auf einem zu langen Verweilen auf dieser Stufe. Furcht, Angst, Selbstzweifel, Eigensucht, Wahnsinn, grundloses Weinen, Depressionen, Paranoia, sexuelle Perversionen, Selbstmord.“

Die physischen Krankheiten, die mit diesem Maqam verknüpft sind, können manchmal zugleich mit emotionellen oder zum Bereich der Psychologie gehörenden Krankheiten auftreten. Für den Körper kann das Verweilen im Zustand des Egotismus schließlich u.a. zu Drogenmissbrauch, Alkoholismus, Fettleibigkeit, erhöhtem Blutzuckerspiegel, Herzanfällen, Krebs usw. führen. Diese Krankheiten kommen daher, dass es dem Menschen nicht gelingt, die richtige Herrschaft über eine oder mehrere der Gelüste des Körpers auszuüben.

Der Weg, dem Zustand des Egotismus zu entkommen, aus ihm hinauszu­schreiten, besteht in der Ausbildung und Disziplinierung des Selbst und seiner Triebe. Das bedeutet, das Entwickeln von Willenskraft, Verantwortlichkeit, Entgegenkommen, Mitleid, Höflichkeit und anderer Eigenschaften.

Wenn es einem gelingt, in gewissem Ausmaß die Herrschaft über sein Selbst zu erlangen, um dadurch aus dieser ­Entwicklungsstufe heraus zu kommen, erreicht man den Maqam Al-Qalb, Station des Herzens. Das arabische Wort für Herz, Qalb, hat eine große Zahl an Bedeutungen. Sie umfassen: Herz, menschlicher Geist, Seele, Verständnis, Intellekt, Kern, Mark, Mittelpunkt, der beste Teil, das Innerste, das Echte, das Reine. Bedeutsam ist, dass Qalb auch die Bedeutungen „verändernd“, „umwandelnd“ oder „drehend“ hat. Für den Sufi ist das Herz das Mittel, durch das alle Umwandlung geschieht.

Hierzu ist eine Aussage des Propheten Muhammad sehr wichtig, die in der Sammlung von Imam Al-Bukhari verzeichnet ist, und ein Kernelement des Sufismus darstellt: „Wahrlich, es gibt im Menschenkörper ein Stück Fleisch, wenn dieses gut ist, so ist der ganze Körper gut, ist es aber verdorben, so ist der ganze Körper verdorben. Wahrlich, das ist das Herz!“

Das Mittel, das für den Muslim das Herz reinigt, heißt auf arabisch Dhikrullah. Dhikr bedeutet Erinnerung und diese Erinnerung an Allah wird im Qur’an den Gläubigen immer wieder nahe gelegt. Diese bringt unzählige ­Segnungen und auch Auswirkungen auf Inneres und Äußeres des Menschen. Hierzu schreibt Schaikh Dr. Abdalqadir As-Sufi in seinem Werk „Der Weg Muhammads“ folgendes: „Dhikr entfernt überflüssige Stoffe aus dem Körper, die Ergebnis von zu vielem Essen und des Genusses von Haram-Speisen (unerlaubten Speisen) sind, während es Stoffe, die aus Halal-Nahrung (erlaubte Speisen) gewonnen sind, unberührt lässt; daher verbrennt es die schädlichen Stoffe, und die guten bleiben erhalten.“

Die Erinnerung an Allah und die ­Reinigung des Herzens und der damit verbundene Erwerb guter Eigenschaften sind die Grundlage des Sufismus. ­Gemäß ‘Uthman Dan Fodio hat jede Person genug von der Wissenschaft zu erlernen, um in der Lage zu sein, lobenswerte Qualitäten zu erwerben und niedrige Charakterqualitäten fernzuhalten. Zu den verwerflichen Charaktereigenschaften zählt er unter anderem: Nachgiebigkeit gegenüber den Einflüsterungen des Schaitan, Angeben vor Anderen, Stolz, falsche Hoffnungen, ungerechtfertigter Zorn, Neid, sich mit spirituellen Handlungen vor anderen wichtig machen, Auflehnung gegen Allah und seine Befehle, weltlichen Dingen verfallen zu sein, Materialismus sowie Achtlosigkeit.

Durch authentische Lehrer geschult, erreicht der Mensch eine Gewissheit, die von dem spanischen Arzt Dr. Muhammad Dalmau so formuliert wird: „Krankheiten, die eindeutig außerhalb der Grenzen (Allahs) liegen, sind eine Warnung, in den Bereich dieser Grenzen zurückzukehren. Krankheiten der auf Allah vertrauenden, der Muminun, die die Grenzen Allahs beachten, sind eine Barmherzigkeit.“

In diesem Zusammenhang wird von Al-Bukhari folgende Aussage überliefert: ‘Abdullah berichtete: „Ich besuchte den Propheten, als er krank war. Er hatte sehr hohes Fieber. Ich sagte zu ihm: ‘Oh Gesandter Allahs, du hast sehr hohes Fieber!’ Darauf fragte ich: ‘Wirst du für dein Leiden doppelt belohnt werden?’ Er erwiderte: ‘Ja, gewiss! Kein Muslim wird von einem Leiden geplagt, dem ­Allah dadurch nicht eine Sühne für seine Verfehlungen auferlegt. Und Allah nimmt die Verfehlungen von ihm, wie die Blätter eines Baumes abfallen.’„ Und ‘Aischa, die Ehefrau des Propheten, ­berichtete: „Niemals sah ich jemanden, der größere Schmerzen ertragen musste, als der Gesandte Allahs.“

Abu Huraira berichtete, der Prophet habe gesagt: „Allah hat keine Krankheit auf die Erde herab gesandt, ohne zugleich für das entsprechende Heilmittel zu sorgen.“

Aisha überlieferte uns: „Der Gesandte Allahs pflegte, wenn er einen Kranken besuchte oder dieser zu ihm gebracht wurde, zu sagen: ‘Nimm die Schmerzen, Oh Herr der Menschen! Heile, denn Du bist Der, der wirklich heilt. Es gibt kein Heilen, außer Deinem Heilen, denn da kann nichts vom Leid bleiben.’“

Abschließend passt hierzu dieses Zitat aus einem Brief des marokkanischen Schaikh Ad-Darqawi: „Die hohe Form des Islam ist der Islam des Ibrahim, den die Sufis haben. Sie, möge Allah Wohlgefallen an ihnen haben, sind solcher Art, dass ihre Herzen den Moment der Härte genauso empfinden, wie den ­Moment der Erleichterung. Sie em­pfinden den Moment der Krankheit genauso wie den Moment der Gesundheit. Sie empfinden den Moment der Erschwernis genauso wie den Moment des Wohlergehens.“

The following two tabs change content below.
Avatar

Safia Bouchari

Avatar

Neueste Artikel von Safia Bouchari (alle ansehen)

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen