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Ramadan: Der Monat des Islams. Von Mohammad Gharaibeh, Bonn

Eine kurze Zusammenfassung über die Regelungen und Besonderheiten des gesegneten Fastenmonats -

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(iz). Der Fastenmonat Ramadan ist fast da, und das heißt für die Muslime, dass sie sich einen Monat lang von Beginn des Sonnenaufgangs bis zum Sonnenuntergang des Essens und des Trinkens enthalten. Jedoch wird die eigentliche Bedeutung dieses Monats und des damit verbundenen Fastens oft verkannt, birgt aber eine Reihe von bemerkenswerten Besonderheiten. Der Monat Ramadan zeichnet sich dadurch vor den anderen Monaten aus, dass in ihm der Qur’an als ganzes in den untersten Himmel herabgesandt wurde und in ihm der Engel Dschibril dem Propheten das erste Mal erschien und ihm die ersten Worte der Offenbarung lehrte. Es ist auch der Monat der Entscheidung, in dem sich die erste und wohl bedeutendste Auseinandersetzung zwischen den Muslimen und dem Stamm Quraisch bei Badr ereignete, bei der Allah den Muslimen mit fünftausend Engeln zur Seite stand und sie siegreich den Platz des Geschehens verließen.

Ramadan, das ist auch der Monat der Eroberung und Vollendung, da der Prophet in ihm, einundzwanzig Jahre nach seiner Entsendung, friedlich nach Mekka zurückkehrte. Das Fasten wurde den Muslimen im zweiten Jahr nach der Hidschra als Pflicht auferlegt und löste jegliches Fasten ab, welches der Prophet und seine Gefährten zu begehen pflegten. Von Beginn des Fadschr bis zu Maghrib müssen sich die Muslime jeglicher Nahrungsaufnahme enthalten. Kranke, die regelmäßig Medizin einnehmen müssen oder bei denen ein verlangsamter Heilungsprozess zu befürchten ist, sind vom Fasten ausgenommen und müssen die versäumten Tage nachfasten. Ebenfalls ausgenommen sind Reisende, die eine Entfernung zurücklegen wollen, die das Kürzen des Gebetes erlaubt, und solche, die, wollen sie am Tag des Reisebeginns bereits essen, die Reise vor dem Fadschr antreten. Dem Leser ist dringend geraten, sich bei seinem Imam, Hodscha oder Schaikh über weitere Regeln, Ausnahmen und Pflichten zu informieren, da ein von ihm verschuldetes Versäumnis keine Entschuldigung darstellt.

Geheimnis des Fastens
Ein weiterer oft übersehener, aber genauso wichtiger Aspekt des Fastens ist der der Läuterung des Nafs während des Fastens. Denn Allah der Erhabene macht eine geläuterte Seele zur Voraussetzung für das richtige Verständnis von Qur’an und Sunna. Gemäß des Verses: „Allah hat den Gläubigen wirklich eine Wohltat erwiesen, als Er unter ihnen einen Gesandten von ihnen selbst geschickt hat, der ihnen Seine Zeichen verliest, und sie läutert und sie das Buch und die Weisheit lehrt, obgleich sie sich zuvor wahrlich in deutlichem Irrtum befanden“, sind wir sogar aufgerufen, uns zu läutern, noch bevor wir uns den Regeln und Richtlinien Allahs zuwenden, um diese überhaupt richtig verstehen zu können. Da unsere Taten ansonsten den Mantel einer islamischen Handlungsweise tragen, sie aber in Wirklichkeit auf den niederen Beweggründen unseres Nafs fußen und das Licht der Offenbarung von den Schatten der Triebseele, wie Neid, Arroganz und Selbstsucht, abgeschirmt wird.

In diesem Rahmen erlangt das Fasten seine eigentliche Bedeutung. Denn Allah teilt uns im Qur’an mit, welchen Zweck das Fasten zu erfüllen hat: „O die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, so wie es denjenigen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werden möget.“

Und der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, äußerte sich verdeutlichend: „Der Schaitan nimmt seinen Weg im menschlichen Körper in den Bahnen des Blutes, so verengt sie ihm durch den Hunger.“ Sowohl für das Erlangen der Gottesfurcht, als auch für die Läuterung des Nafs spielt das Fasten eine wesentliche Rolle. Die körperlichen Triebe, denen sich der Schaitan bedient und mittels derer er sein Unwesen treibt, werden durch das Fasten um ein wesentliches geschwächt, so das der Mensch seinen Einflüsterungen nicht mehr in einem so großen Maße ausgesetzt ist. Dass die Schaijatin im Monat Ramadan in Ketten liegen, sollte es uns noch leichter machen, unser Nafs in diesem Monat zu läutern. Imam Al-Ghazali macht in seinem Werk „Ihya ‘Ulum Ad-Din“ auf einige Dinge aufmerksam, die der Fastende berücksichtigen sollte, um die Früchte des Fastens in vollem Maße ernten und genießen zu können.

Den Blick vor allem Verwerflichem und allem, was vom Gedenken an Allah abhält und ablenkt, zu senken, ist eine der wichtigsten Verhaltensregeln, die der Fastende befolgen sollte. Der Prophet sagte: „Der Blick ist ein vergifteter Pfeil der Pfeile Iblis’, möge Allah ihn verfluchen. Wer ihn senkt aus Furcht vor Allah, dem wird Allah einen Iman schenken, dessen Süße er im Herz spüren wird.“ So lenken den Fastenden in unserer Zeit viele visuelle Eindrücke vom Gedenken Allahs ab, und machen es ihm schwer, sich seines Zustandes zu vergegenwärtigen. Das führt dazu, dass er nicht mehr darauf achtet, mit welchen Worten er seine Zunge sprechen lässt. Überflüssiges Gerede, Lügen, üble Nachrede, Verleumdung, unzüchtige Rede, Beschimpfungen und Streitgespräche ziemen sich nicht im Munde eines Fastenden. Vielmehr soll er sich im Schweigen üben, Allahs des Erhabenen gedenken und den Qur’an rezitieren. So sagt der Gesandte Allahs, Sein Segen und Frieden auf ihm: „Wer Falschaussagen und üble Nachrede nicht unterlässt, so hat Allah kein Interesse daran, das dieser für Allah sein Essen und Trinken unterlässt.“ Es genügt aber nicht allein, seine Zunge zu hüten, vielmehr ist das Bewahren der Ohren vor dem, was die Zunge nicht aussprechen soll, logische Konsequenz, mit der das erstere erst vervollkommnet wird, da der Zuhörer gleich demjenigen ist, der üble Nachrede verübt.

Um nicht ein Schloss zu bauen und dafür eine ganze Wohnsiedlung abzureißen, ist der Fastende angehalten, unbedingt darauf zu achten, dass die übrigen Körperteile sich Verbotenem enthalten. Dazu gehört auch das Meiden verbotener Speisen und der gemäßigte Konsum erlaubter. Wie eingangs erwähnt, hat das Fasten den Sinn, die Triebe zu schwächen, um sich den Gottesdiensten zuzuwenden und sein Nafs zu läutern. Äße man abends übermäßig von dem, dessen man sich des Tages enthält, würde man sich die Früchte seiner Anstrengungen zunichte machen. Dem Fastendem muss weiterhin klar sein, dass die Verhaltensregeln keine optionalen sind. Zwar sprechen die Fuqaha’ [Rechtsgelehrten] über ein gültiges Fasten, sofern man sich des Essens und des Trinkens enthält, doch aus der Sunna geht deutlich hervor, dass der Fastende, der die andere Seite des Fastens vernachlässigt, keinen Lohn für seine Enthaltung zu erwarten hat.

Salat At-Tarawih
„Wer Ramadan aus festem Glauben und mit reiner Absicht im Gebet verbringt, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben.“

Sowohl der Prophet als auch seine Gefährten beteten im Monat Ramadan nach dem Ischa’-Gebet [Nachtgebet] ein zusätzliches Gebet, das unter den Namen Tarawih bekannt ist. In den ersten beiden Nächten betete der Prophet in der Moschee, wo sich seine Gefährten ihm anschlossen. In der dritten Nacht jedoch verrichtete der Prophet das Gebet nicht mehr in der Moschee und sagte am darauf folgenden Morgen zu seinen Gefährten: „Es hielt mich lediglich die Furcht ab, es könnte euch zur Pflicht gemacht werden“. So beteten sie einzeln und in kleinen Gruppen, bis sich die Moschee nach dem Tod des Propheten mit den Gefährten und den Tabi’un füllte und der Khalif ‘Umar es vorteilhafter für die Demut im Gebet empfand, das Gebet von einem Imam leiten zu lassen. Die Gefährten, die begriffen, dass nicht das Zusammen beten, sondern die Furcht des Propheten, es könnte zur Pflicht werden, den Propheten abhielten, mit ihnen in der Gemeinschaft zu beten, widersprachen ‘Umar nicht in seiner Entscheidung, sondern bekräftigten ihn durch ihren Zustimmung. ‘Umar legte damit gleichzeitig die Anzahl der Gebetseinheiten auf 20 Raka’, ohne die drei Raka’ für das Witr-Gebet, fest. Jedoch ist zu bemerken, dass es örtliche Differenzen in der Anzahl der Raka’at gab. So wird von Zaid bin Wahb, Dawud bin Qais, Nafi’, Al-Hafiz bin Hadschar, Ishaq bin Mansur und anderen überliefert, dass man in Mekka 20 Raka’t, in Medina 36 und in Basra 34 betete.Da zu Zeiten ‘Umars, ‘Uthmans und ‘Alis das Tarawih-Gebet mit zwanzig Raka’t begangen wurde, übernahmen die vier Rechtsschulen mehrheitlich diese Zahl, Meinungsverschiedenheiten und davon abweichende Meinungen innerhalb der einzelnen Rechtsschulen vorbehalten. Daraus ergibt sich, dass der Prophet die Anzahl zwar nicht festgelegt, sie aber auch nicht beschränkt hat. Ibn Taimija sagte diesbezüglich: „Es wird überliefert, dass Abu Ubaij b. Ka’b (unter Anweisung ‘Umars) das Gebet im Ramadan mit zwanzig Raka’t leitete und drei Raka’at Witr anschloss, so dass viele der Sahaba dies als die Sunna ansahen und keiner von ihnen widersprach. Sodass dies ein Konsens der Sahaba ist“.

Quellen:
Nur Ad-Din Itr: ‘Ulum Al-Qur’an
Ali ‘Imran, Vers 164.
Al-Bukhari und Muslim.
Al-Hakim, mit Isnad Sahih.
Sunan At-Tirmidhi.
Al-Bukhari und Muslim.
Ibn Taimijja: Al-Fatawa

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Mohammad Gharaibeh

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