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Ramadan: Stellungnahme des Islamrats veröffentlicht

Fasten in der Schule

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(igmg.de) Kurz vor dem Beginn des Ramadans veröffentlicht der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland (IRD) eine Stellungnahme, in der es um das Fasten in der Schule geht. Neben theologischen Hintergrundinformationen und einer Darstellung der Bedeutung des Fastenmonats beschäftigt sich das Papier mit der Frage, „inwieweit das Fasten auch für Schüler, insbesondere für Schüler der Abschlussklassen während der Prüfungsphase, verbindlich ist und ob es Ausnahmen von dieser Pflicht geben kann.“

Hintergrund der Ausarbeitung sei, dass der Ramadan in den kommenden Jahren zunehmend in die Sommerzeit fällt. Dadurch werde zunehmend auch das Fasten in der Schule problematisiert. Zudem sei entscheidend, dass die „religiöse Praxis erst in diesem Jahrzehnt vermehrt die Aufmerksamkeit der öffentlichen Debatten erhalten“ hat. Auch die „vermeintliche Verantwortung“ hinsichtlich der Integration, welche „gepaart mit einem oft anzutreffenden kulturalistischen Verständnis von Integration“ dazu führe, „dass der kulturelle und religiöse Hintergrund der Schüler als Problem und Hindernis für den Schulalltag angesehen wird.“, so die Islamrat-Stellungnahme.

Bezüglich der Religionspraxis spreche das Grundgesetz eine deutliche Sprache. Das Bundesverfassungsgericht stelle fest, dass zur Religionsfreiheit auch „das Recht des Einzelnen (gehört), sein gesamtes Verhalten an den Lehren seines Glaubens auszurichten und seiner inneren Glaubensüberzeugung gemäß zu handeln. Dies betrifft nicht nur imperative Glaubenssätze, sondern auch solche religiösen Überzeugungen, die ein Verhalten als das zur Bewältigung einer Lebenslage richtige bestimmen.“

Fasten als Problem im Schulalltag?

Nach ausführlichen Erläuterungen zum religiösen Hintergrund des Fastens und der Bedeutung des Ramadans für das Individuum und die Gesellschaft, widmet sich das Papier der Frage, ob das Fasten in der Schule überhaupt ein Problem darstelle oder ein Hindernis für den Schulalltag sei. Es wird aufgezeigt, in welchen Breichen der fastende Schüler mit welcher Art von Schwierigkeiten konfrontiert werden könne und welche Erleichterungen gegeben sind. Denn „Gottesdienste wie das fünfmalige Gebet (Salâh), dessen erstes schon im Morgengrauen verrichtet wird, oder die Hadsch, von der der Gesandte Gottes sagte „Die Hadsch ist Anstrengung.“, sind nicht immer leicht. Jedoch betrachtet sie der Glaubende als Selbsterziehung und (Reife-) Prüfung zur positiven Persönlichkeitsentwicklung. Der Gedanke, dass er mit diesen Gottesdiensten dem von Gott beschriebenen Pfad folgt, macht diese leichter.”

Des Weiteren wird in der Islamrat-Stellungnahme darauf hingewiesen, „dass in den kommenden Jahren in einigen Bundesländern der Fastenmonat ganz oder teilweise in die Sommerferien fällt“. Eine Übersicht, aus der hervorgeht, wie viele Schultage in welchem Bundesland in den kommenden fünf Jahren in die Fastenzeit fallen., ist der Erklärung angehängt.

Können muslimische Schüler das Fasten verschieben?

Abschließend stellt der Islamrat fest: „Vor dem Hintergrund dieser Ausführungen kann eine allgemeine Befreiung vom Fasten für Schüler nicht ausgesprochen werden – es kommt jedes Mal auf den Einzelfall an. Nicht jeder Mensch hat die gleiche körperliche Verfassung. Das Fasten ist nach theologischen Grundsätzen kein Frohn, sondern das Gegenteil, eine Entlastung. Im Einzelfall liegt die Entscheidung im Ermessen des Betroffenen selbst. Die Grundlagen – der Koran und die Sunna – weisen dazu den Weg.“

So wie alle andere Gottesdienste hänge es auch bei dem Fasten von der individuellen Entscheidung ab. Das bedeute aber, „dass diese Entscheidung dem mündigen Fastenden von niemandem abgenommen werden kann. Eltern und islamische Religionsgemeinschaften einerseits und die Schule andererseits können Empfehlungen abgeben, Zwang ist von beiden Seiten, rechtlich wie auch religiös ausgeschlossen.

Wenn ein Schüler etwa im Zuge des schulischen Lerndrucks oder der Witterungsverhältnisse oder der allgemeinen Kondition sich nicht in der Lage sieht zu fasten oder befürchtet, in diese Lage zu kommen, sich jedoch unsicher ist, kann er daran erinnert werden, dass es in seiner eigenen Verantwortung und individuellen Entscheidung liegt. Wird ein Schaden für den Schüler befürchtet, sollte die Empfehlung zum unterbrechen tendieren, da der Fastentag nachgeholt werden kann. Grundsätzlich ist aber die Fortsetzung des Fastens vorzuziehen.

Der verantwortliche junge Mensch, der durch sein Elternhaus entsprechend geprägt ist, wird das Fasten sicherlich nicht leichtfertig aufgrund einfacher Widrigkeiten aussetzen. Hier gilt der Hadith „Auch wenn die Muftis dir eine Fatwa geben, solltest du die Fatwa deines Herzens befolgen.“ (Ahmad bin Hanbal). Die Verantwortung vor Gott und der eigenen Würde ist der Leitpfad: „An diesem Tage werden die Menschen einzeln hervorkommen, um ihre Werke zu sehen. Und wer Gutes (auch nur) im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen. Und wer Böses (auch nur) im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen.“ (Sure Az-Zilzal [99),6-8])

(Anm. d. Red.: Die vollständige Stellungnahme des Islamrats im Original findet sich auf der Webseite des Dachverbands,
www.islamrat.de)

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