IZ News Ticker

Triumph des Pragmatismus

Ramadananfang: Koordinationsrat der Muslime in Deutschland verkündet „einheitliche Festlegung der islamischen Feste bis 2015

Werbung

(iz). Für die Muslime beginnt bald die segensreichste und intensivste Zeit des Jahres. Wie schon in der Vergangenheit wird allerdings auch der korrekte Beginn des ­Ramadans diskutiert beziehungsweise auf der Entscheidungsebene aus pragmatischen Gründen angepasst.

Hierzu ist zweifellos die entsprechende Sichtung des Mondes und die Ausrufung des Ramadans durch eine islamische Autorität nötig. In seiner jüngsten Pressemitteilung über den Anfang des Ramadans verkündete der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) den Anfang und das Ende des diesjährigen Fastenmonats: „Der gesegnete Monat Ramadan im Jahre 1432 nach islamischer Zeitrechnung geht demnach vom 1. August und endet am 29. August 2011.

Der KRM erklärte, dass die in ihm vertretenen Religionsgemeinschaften der von der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) bereits im Jahre 1978 erarbeiteten Grundlage folgen, wonach „der neue Monat nach der Geburt des Neumonds mit der berechneten möglichen frühesten Sichtung an jedem Ort der Welt beginnt“.

Folgt man dem Prinzip der globalen Sichtung des Mondes nicht, ergibt sich nach Darstellung der Webseite mondsichtung.de eine andere Schlussfolgerung:

„Am 1. August kann die junge Mondsichel dann fast überall auf der ganzen Welt gesehen werden, wenn das Wetter es zulässt, auch erstmals in Europa. Unter Anwendung des Prinzips der ‘lokalen Sichtung’ (Ikhtilafu’l-Matali’) und unter Betrachtung von Europa als einen zusammenhängenden Sichtungshorizont (Matali’) ergibt sich folgende Stellungnahme: Der Monat Ramadan 1432 n.H. beginnt in Europa mit Sonnenuntergang des Montag, 1. August 2011. Der erste Fastentag ist somit Dienstag, der 2. August 2011.“

Dabei geht es nicht darum, ob man die entsprechende Schlussfolgerung teilt, denn immerhin gilt im islamischen Recht die Maßgabe, dass ein Gelehrter auch bei einem Irrtum eine Belohnung von Allah für seine Bemühungen erhält und dass diejenigen, die ihm folgen, vor Strafe sicher sind. Jedem astronomischen und islamrechtlich Versierten ist aber klar, dass das Prinzip der globalen Sichtung dem Konsensus der frühen Gemeinschaft in Medina widerspricht, und dass die reine Kalkulation des Neumondes fragwürdig ist, da es keinen theoretischen Neumond gibt, der sich ohne begleitende Sichtung so einfach berechnen ließe.

In der Zeit der Salaf (der ersten Generationen nach dem Propheten) kam es vor, dass es in den Gebieten der muslimischen Welt zu abweichenden Sichtungen des Mondes zu Beginn und zum Ende des Ramadans gab. In einem Bericht von ‘Abdallah ibn ‘Abbas (dem der Prophet den Titel „Deuter des Qur’ans“ gab) berichtete der Sohn von Umm Fadl, dass die Syrer unter Mu’awija, dem damaligen Khalifen, den Mond zu einem anderen Zeitpunkt als die Muslime in Medina sahen. Ibn ‘Abbas entschied, dass sich die Medinenser an die Sunna des Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, halten sollen, wonach jedes Gebiet, das ausreichend entfernt ist, eine eigene Sichtung braucht.

Dass es sich aber gar nicht um islamrechtliche Unterschiede handelt, die in der Weite des islamischen Denkens akzeptiert werden, belegt der vorletzte Abschnitt der Erklärung. Man habe die unterschiedlichen Bestimmungsmethoden „zugunsten der Einheit der Muslime“ zurückgestellt, hieß es dort. „Die einheitlichen Zeiten führten zu Erleichterungen und auch zur besseren Integration gerade in den Bereichen für Schülerinnen und Schüler in den Schulen oder für Bedienstete im Öffentlicher Dienst“, erklärte KRM-Sprecher Aiman Mazyek.

Als Begründung, anerkannte Regeln des islamischen Rechts zu ändern (oder die Erklärung des absoluten Ausnahmeinstruments der „Darura“ zum Normalzustand), werden bloße „Erleichterungen“ und gar eine „bessere Integration gerade in den Bereichen für Schülerinnen und Schüler in den Schulen oder für Bedienstete im Öffentlicher Dienst“ herangezogen. Dies setzt den langjährigen Trend innerhalb der großen Organisationen und Dachverbände fort, bei dem die islamische Lehre dem politischen Pragmatismus untergeordnet ist.

Dieser Pragmatismus sollte aus Glaubensgründen mit Vorsicht gehandhabt werden. Immerhin ist der Ramadan nicht vorrangig der Monat, in dem die Fastenden „Solidarität mit den Schwachen und Armen in der Welt“ (Wortlaut KRM-Erklärung) üben sollen, sondern damit sie „Taqwa [allumfassende Gottesfurcht] erlangen mögen“ (Sura Al-Baqara, 183).

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen