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Rasche Hilfe lebensnotwendig! Dem Jemen droht Hungersnot

Zahl der akut Hungernden auf über 17 Millionen Menschen gestiegen

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Foto: Julien Harneis | Lizenz: CC BY-SA 2.0

SANA’A/AMMAN (WFP). Hunger bedroht akut mehr als 17 Millionen Menschen im konfliktgeplagten Jemen, so der jüngste Bericht zur Ernährungssituation im Land (IPC), den die UN und humanitäre Partner heute veröffentlicht haben.

In 20 der 22 Regierungsbezirke des Landes hat die Ernährungslage „Notfall“- oder „Krisen“-Niveau erreicht, fast zwei Drittel der Bevölkerung leiden Hunger und brauchen dringend lebensrettende Hilfe. Ohne zusätzliche humanitäre Hilfe und existenzsichernde Maßnahmen, drohen die Bezirke Taizz und al-Hudaida sogar in eine Hungersnot abzurutschen. Dort lebt fast ein Viertel der jemenitischen Bevölkerung.

Schätzungen zufolge sind 17 Millionen Mensch von einer Ernährungskrise- beziehungsweise Notfall betroffen – im Jemen herrscht damit eine der schlimmsten Hungerkrisen der Welt. Diese Zahlen stellen eine Steigerung von 21 Prozent seit Juni 2016 dar.

Der Konflikt befeuert Hunger
Der Konflikt im Jemen hat verheerende Folgen für die Ernährung der Menschen und ihre Existenzgrundlagen. Fast 80 Prozent der Haushalte im Jemen berichten, dass sich ihre wirtschaftliche Lage im Vergleich zu vor der Krise verschlechtert hat. Der Rückgang der Inlandsproduktion, die Störung der kommerziellen Importe und Hilfslieferungen, steigende Nahrungsmittel- und Treibstoffpreise, grassierende Arbeitslosigkeit, Einkommensverluste, vergleichsweise niedrige Finanzierung der UN-Organisationen, die Ernährungshilfe leisten, und der Zusammenbruch öffentlicher Dienste und Sicherheitsnetze sind alles Faktoren, die zur Verschlechterung der Ernährungslage beitragen.

Taizz und al-Hudaida – traditionell Bezirke der Nahrungsmittelproduktion – standen im Fokus heftiger Gewalt in den zwei Jahren seit die aktuelle Krise eskalierte.

In diesen beiden Regierungsbezirken herrschen die landesweit höchsten Raten akuter Mangelernährung– von 17 Prozent in der Stadt Taizz bis zu 25 Prozent in al-Hudaida. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht ab einer Rate von 15 Prozent von einem humanitären Notfall.

„Der Konflikt wirkt sich verheerend auf die Landwirtschaft aus. Wir verzeichnen drastische Einbrüche im Getreideanbau und der Viehzucht“, sagte Salah Hajj Hassan, Landesdirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) im Jemen. „Es ist entscheidend, dass die humanitäre Hilfe sowohl Ernährungshilfe als auch landwirtschaftliche Unterstützung umfasst, um nicht nur Leben, sondern auch Existenzgrundlagen zu retten.“

Auch Stephen Anderson, Landesdirektor des UN World Food Programme (WFP) im Jemen, betonte, dass sich die Lage seit der Eskalation des Konflikts vor zwei Jahren extrem verschlechtert hat. „Die katastrophale Situation im Jemen erfordert erhebliche finanzielle Mittel, um sofort ausreichend und nachhaltig Ernährungshilfe zu leisten, damit die Bedürftigsten vor der Hungersnot bewahrt werden können“, sagte Anderson. „Dafür ist entscheidend, dass wir und auch kommerzielle Händler uneingeschränkten Zugang zu allen Gebieten des Landes haben, damit sich die Versorgung der Menschen nicht noch weiter verschlechtert“, fügte er hinzu.

„Das sind die höchsten Level akuter Mangelernährung, die wir in der jüngsten Geschichte Jemens erlebt haben. Rund 2,2 Millionen Kinder sind akut mangelernährt. Der Konflikt und die schlechte Ernährungslage werden sich langfristig auf die Gesundheit und Entwicklung der Kinder im Jemen auswirken“, erkärte Dr. Meritxell Relaño, UNICEF-Landesdirektorin.

Anhaltende Unsicherheit zerstört Existenzgrundlagen
Kämpfe an der Küste des Roten Meeres haben in den letzten Monaten den größten Hafen Jemens in al-Hudaida weitgehend zerstört. Das hat Importe zum Erliegen gebracht, die 90 Prozent der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln im Jemen ausmachen. Zugangsbeschränkungen und Verluste von Booten, Netzen und anderer Ausrüstung haben die Fischerei zunichte gemacht – eine wichtige Nahrungs- und Einkommensquelle.

Die Unsicherheit entlang der Küste wird wahrscheinlich den Beginn der Saatzeit für Hirse im April beeinflussen – das wichtigste im Inland produzierte Getreide. Außerdem wird sie den Handel weiter behindern, Menschen dazu zwingen ihr Zuhause zu verlassen, die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln weiter reduzieren und Existenzgrundlagen zerstören.

Im Jemen haben bis zu 2 Millionen Haushalte, die in der Landwirtschaft tätig sind, keinen Zugang zu entscheidender Ausrüstung, einschließlich Samen, Dünger und Treibstoff für die Bewässerungspumpen. Die hohen Treibstoffpreise machen Bewässerung unerschwinglich.

Die Vereinten Nationen im Jemen erneuern ihren Appell an alle Konfliktparteien, bedingungslosen und nachhaltigen Zugang zu ermöglichen, damit humanitäre Organisationen ihre Hilfe ausbauen können, um der wachsenden Not der Hilfsbedürftigsten zu begegnen.

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