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Rassismus und auswärtige Konflikte

Ende Januar spitzten sich Übergriffe gegen Gebetshäuser in Deutschland zu. Muslime fordern mehr Aufmerksamkeit

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Foto: DITIB Koca Sinan Camii Berlin

(IZ/KNA). In der letzten Januarwoche kam es zu einer Reihe von Angriffen auf mehrheitlich Moscheegemeinden, die dem Moscheeverband der Türkisch-Islamischen Union (DITIB) angehören. In Minden, Leipzig und anderen Orten nahmen die unbekannten Täter Ankaras Militäroffensive zum Anlass für Übergriffe auf muslimische Einrichtungen. So wurden Schmierereien angebracht, Fenster zerstört und allgemeiner Sachschaden angerichtet.

Als Reaktion auf diese Attacken verurteilte der Koordinationsrat der Muslime (KRM) die Übergriffe und forderte die Behörden auf, die Sicherheit hiesiger Muslime zu gewährleisten. „Wir verurteilen diese Anschläge aufs Schärfste und rufen die Menschen zu Ruhe und Besonnenheit auf“, hielt das lose Gremium in einer Erklärung fest. „Der Terror (…) greift unsere Werte an, indem er Gotteshäuser als Terrorziele auswählt.“

Die Auswirkungen ausländischer Konflikte sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Attacken auf Muslime und ihre Einrichtungen vor allem aus einheimischen Quellen stammen. So wurde am 6. Februar bekannt, dass am 2. Februar bei einer Attacke auf das Islamische Kulturzentrum in Halle/Saale ein Besucher durch den Schuss eines Unbekannten an der Hand verletzt wurde. Nach Zeugenangaben soll es einen vergleichbaren Schuss, vielleicht von einem Nachbar, bereits eine Woche zuvor gegeben haben. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD), dem die Gemeinschaft angehört, forderte die sachsen-anhaltinische Landesregierung auf, die Muslime in ihrem Bundesland zu beschützen. Die Moscheegemeinde erlebt seit Längerem anhaltende Schikanen: Wände werden beschmiert, es wird bewusst laut getrommelt und Lärm verursacht, um die Muslime beim Gebet zu stören.

Diese Gemeinde ist leider kein Einzelfall. Laut dem Onlinemedium „Migazin“ gibt es „beinahe jede Woche“ neue Übergriffe. Von der katholischen Kirche in Deutschland kam eine Verurteilung der jüngsten Angriffe. So etwas dürfe in keiner Weise verharmlost werden, sagte der Vorsitzende der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Bätzing. Es besorge ihn zutiefst, dass in jüngster Zeit wiederholt Angriffe auf Moscheen verübt worden seien. Er bezeichnete solche Taten als „schändlich“.

Am 16. Februar erhielt die muslimische Einschätzung der Lage mehr Argumente durch die Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag. Es habe im letzten Jahr zwanzig Mal so viele antijüdische und antimuslimische Straftaten gegeben als solche mit antichristlichem Inhalt. Soweit Muslime betroffen sind, gab es 2018 1.069 erfasste Straftaten mit antimuslimischer Motivation.

Eng verbunden mit den seit Jahren ansteigenden Übergriffen auf muslimische Einrichtungen ist auch die Eskalation der verbalen Attacken. So warnte am 6. Februar der ZMD vor einer neuen Dimension von anti-muslimischem Rassismus. Der „Heilbronner Stimme“ sagte ZMD-Chef Aiman Mazyek, dass rechte Webseiten mitverantwortlich für eine wachsende Gewalt gegen Muslime seien. „Webseiten mit einer solchen Hasssprache sind über Jahre chronisch unterschätzt worden. So hat sich eine Art der Denke festgesetzt, die nun dafür verantwortlich ist, dass wir inzwischen eine neue Dimension des anti-muslimischen Rassismus erleben.“

Vor einigen Jahren habe es „lediglich ab und an“ den Wurf eines Molotowcocktails auf eine Moschee gegeben. „Heute gibt es dagegen gezielte Bombenanschläge auf Imame“, klagte Mazyek. Dass islamfeindliche Straftaten nun als eigener Deliktbereich unter den politisch motivierten Straftaten erfasst werden, sei ein wichtiger Schritt. Der Zentralrats-Vorsitzende fügte hinzu: „Wir müssen Öffentlichkeit, Justiz, Polizei, aber auch unsere Moscheen selbst dafür sensibilisieren.“

Die jüngst vorgelegten Zahlen zu Straftaten mit einem islamfeindlichen Hintergrund aus dem Jahr 2017 bezeichnete der Vorsitzende des Islamrates, Burhan Kesici, als alarmierend. „So schrecklich das Ausmaß islamfeindlicher Straftaten in Deutschland ist: Muslime sollten sich von diesen Übergriffen nicht einschüchtern lassen“, sagte Kesici am 17. Februar in Köln. „Ziel ist und bleibt weiterhin die vollständige und gleichberechtigte Anerkennung muslimischen Daseins in Deutschland bei gleichzeitiger uneingeschränkter Chancengleichheit.

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Massouda Khan

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