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Reflexionen über die Bedeutung der täglichen Annäherung an Allah. Von Abdalhaqq Bewley

Das Gebet im Islam (3)

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(iz). Verrichten wir das Gebet zu seiner Zeit und wenn nicht, warum nicht? Wie verhält es sich dabei mit unserer körperlichen Haltung; sind wir zu steif oder zu nachlässig? Was ist unser Maß an Konzentration und was lenkt uns am meisten ab? Diese und viele andere Punkte, über die wir hier sprechen könnten, erzählen uns eine Menge über unser Leben als Ganzes. Und nicht bloß über den Zustand des jeweils Einzelnen, es ist die gesamte Gemeinschaft, über die wir durch eine Beschäftigung mit dem Gebet Auskunft erhalten. Darüber hinaus bekommen wir aber auch die Möglichkeit, etwas an jenen Dingen zu ändern, die nicht so sind, wie sie sein sollten. Das ganze funktioniert auch in die andere Richtung. Wenn wir Fehler oder Ungleichgewichte auf der mikrokosmischen Ebene des Gebets korrigieren, dann werden wir feststellen, dass der gleiche Fehler oder das gleiche Ungleichgewicht auf der Makroebene ebenfalls verschwinden werden. Dies ist nur ein weiterer der unzähligen Segnungen des Geschenks, welches Allah der Menschheit gegeben hat.

Es gibt kein Ende für die Dinge, die über das Gebet gesagt werden können, und umfangreiche Bücher sind diesem Thema gewidmet. Aber es lohnt sich auf jeden Fall, zu sehen, was einige große Gelehrte der Vergangenheit darüber gesagt haben. Schaikh Ibn Ata’illah Al-Iskandari, möge Allah ihm gnädig sein, sagte in seinen „Hikam“:

„Da Allah weiß, wie leicht du ermüden wirst, hat er die Handlungen der Anbetung unterschiedlich gemacht. Da Er weiß, dass ihr zu Übereifer neigt, hat Er sie für euch zu einigen Zeiten verboten; damit euer Streben der Etablierung des Gebets gilt und nicht nur dem bloßen Gebet selbst. Nicht jeder, der das Gebet verrichtet, etabliert es. Er weiß, dass ihr schwach seid, also hat Er die Anzahl der Gebete gering gemacht. Er weiß, dass ihr Seine überfließende Gnade braucht, also hat Er Seine Segnungen für euch vervielfacht. Das Gebet ist Reinigung für die Herzen, ein Mittel zur Öffnung der unsichtbaren Welten. Das Gebet ist der Ort des intimen Gesprächs, ein Bergwerk der sich spiegelnden Reinheit. In ihm weiten sich die Felder der Geheimnisse. Lichter erheben sich darin und verstrahlen ihr Leuchten.“ Schaikh Mulai Al-’Arabi Ad-Darqawi, möge Allah ihm gnädig sein, schrieb in einem seiner Briefe:

„Wer sich retten will und glücklich machen will. Wer will, dass sein Fehler verhüllt werden und das Gefallen seines Herrn erlangen möchte und eine Öffnung des inneren Auges will. Wer Geschenke erhalten möchte und sein Herz beleben möchte, sollte seinem Herrn dem entsprechenden Gehorsam zollen und das Gebet nicht über die ihm entsprechende Zeit hinaus verzögern. Außerdem soll er sich darin keinerlei Nachlässigkeit erlauben. Noch sollte er das Gebet allein verrichten, wenn er in der Lage ist, sich dem gemeinschaftlichen Gebet anzuschließen. Und doch müssen wir sehen, wie viele Leute ihr Gebet verzögern und allein beten, wenn sie sich einer Gruppe anschließen könnten. Wie böse ist doch das, was sie tun. Wir sehen, wie sie in Unruhe, Sorge, Beschwernissen und Feindschaft schwimmen. Bei Allah, die Quelle dessen, was sie befällt, ist ihre Nachlässigkeit im Din. Sie sorgen sich auch nicht um ihre rituelle Reinheit. Dabei ist es doch die Wahrheit, dass derjenige, der eine Unreinheit in sich trägt, kein Wudu [rituelle Reinheit] hat und demnach auch kein Gebet. Wenn er kein Gebet hat, hat er überhaupt nichts.“

Schaikh Al-Akhdari schreibt in einer bewegenden Passage seiner kleinen Abhandlung über das Gebet:

„Es gibt ein immenses Licht, das in den Herzen derjenigen scheint, die das Gebet etabliert haben, und es kommt nur zu jenen, die sich darin demütig konzentrieren. Also, wenn ihr zum Gebet kommt, befreit euer Herz von dieser Welt und allem, was darin ist, und beschäftigt euch mit der Anwesenheit eures Herrn, dem euer Gebet gilt. Ihr müsst wissen, dass das Wesen des Gebets die demütige Konzentration und Unterwerfung unter Allah im Stehen, Beugen und der Niederwerfung vor ihm liegt – darüber hinaus in Seiner Erhabenheit durch Takbir, Tasbih und Dhikr. Also schützt euer Gebet. Es ist die größte aller Handlungen der Anbetung. Erlaubt Schaitan nicht, mit eurem Herzen zu spielen und euch abzulenken, damit euer Herz nicht verheert wird und euch die Süße der Lichter im Gebet entzogen wird. Ihr müsst euch immer um demütige Konzentration darin bemühen, denn es hält euch von Üblem und falschen Taten zurück – entsprechend eurer Konzentration im Gebet. Und bittet Allah um Hilfe, Er ist der beste aller Helfer.“

Schaikh Az-Zarruq zitierte ‘Umar ibn Al-Khattab, der an seine Amire schrieb: „Ich denke, dass die wichtigste eurer Angelegenheiten das Gebet ist. Jeder, der es bewahrt und darin ausdauernd ist, wird andere Dinge bewahren. Wer es verschwendet, wird andere Dinge verschwenden.“ (Muwatta’)

Aus all dem wird deutlich, dass das Gebet, die körperliche Handlung des Gebets, welche den Alltag jedes Muslims markiert, wirklich der Eckstein ist, um den das Leben jedes Muslims gebaut ist. Es stellt die Handlung der Anbetung zurück ins Zentrum des menschlichen Lebens und gewährleistet die Gesundheit der Gesellschaft als Ganzes. Es gibt Menschen eine richtige Perspektive auf die Existenz, sodass sie nicht vollkommen in das Leben dieser Welt verwickelt werden. Das Gebet ist die beständige Erinnerung der nicht-körperlichen Natur dieses Lebens, dass der Tod unausweichlich ist und dass alles danach Kommende von der Weise abhängt, wie wir gelebt haben. Die Anerkennung einer Rechenschaft impliziert dabei, dass die Menschen innerhalb der Grenzen leben, anstatt diese bewusst zu übertreten. Das Gebet schafft eine Situation, in welcher die Menschen erkennen, dass die sofortige Selbst-Befriedigung nicht notwendigerweise in ihrem besten Interesse ist und dass Großzügigkeit, Geduld und guter Charakter tatsächlich Vorteile haben.

Quelle: Abdalhaqq Bewley
Islam: Basic Practices and Beliefs
Taschenbuch, 282 Seiten
Ta-Ha Publishers, London März 2008
ISBN-10: 1842000888
Preis: EUR 6,99

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Abdalhaqq Bewley

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