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Reihe “Standardwerke des Islam”

Die „Muwatta“ von Imam Malik

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(iz) Obwohl bekannt ist, dass wirkliches Wissen über den Islam nicht durch Bücher allein vermittelt werden kann, sondern vielmehr durch lebendige Lehrer und Lehrerinnen, war das geschriebene und später gedruckte Wissen doch ein wichtiges Hilfsmittel – eine Möglichkeit zum Nachlesen und Nachschlagen und ein Mittel, das Wissen festzuhalten und, zusätzlich zur mündlichen Übertragung, an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben.

Die islamische Geschichte hat sowohl quantitativ als auch qualitativ beeindruckende Werke hervorgebracht, die trotz ihres Alters von teils vielen Jahrhunderten in aller Regel nichts von ihrer Relevanz, Aktualität und Faszination eingebüßt haben. Vielfach sind die klassischen Werke den mehr zeitgenössischen sogar vorzuziehen, weil sie einfach authentischer und zuverlässiger sind und in einer Zeit entstanden, in der es zum einen eine hoch entwickelte Gelehrsamkeit gab, deren Niveau heute kaum noch erreicht wird, zum anderen aber auch der Islam als Lebensweise und Gesellschaftsordnung noch umfassend etabliert war.

Viele spätere Werke ungefähr der letzten 150 bis 200 Jahre sind zudem von modernistischen, rationalistischen, ideologischen oder gruppierungsbezogenen Sichtweisen beeinflusst, die nicht der klassischen, authentischen islamischen Überlieferung entsprechen. Im Gegensatz zu den wirklichen Klassikern wirken sie daher heute oft zeitgebunden und überholt. Bis heute sind leider – anders als im englischsprachigen Raum – von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen kaum Übersetzungen wichtiger islamischer Werke in deutscher Sprache erhältlich. Nicht zuletzt aus den geschilderten Gründen möchte die IZ in einer neuen Reihe einige ausgewählte wichtige Werke des islamischen Wissens und deren Autoren vorstellen.

Durch die Gefährten des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, hielt Allah Seine Schari’a am Leben und verbreitete den Din des Islam. Ihre Herzen waren die Gefäße, die die Verse des Deutlichen Buches und die Sunna des Siegels der Gesandten, des Propheten Muhammad, bewahrten. Nach ihnen nahm die Generation der Nachfolger und deren Nachfolger sich dieser Aufgabe an. Die Menschen, die dieses Wissen festhielten und niederschrieben, erschienen zur Zeit der dritten Generation nach dem Propheten.

Imam Malik

Der größte von ihnen war der Imam der Heimstätte der Hidschra, Abu ‘Abdullah Malik ibn Anas Al-Asbahi Al-Madini. Er überlieferte das Wissen von jenen, mit deren Wissen er zufrieden war und deren Worte er überlieferungswürdig befand. Mit dieser Leistung ebnete er den Weg für spätere Autoren und machte den Weg frei für eine Kompilation des islamischen Rechts. Er wählte die Übermittler des Dins aus, die zuverlässig waren und ließ jene beiseite, die schwach waren. Sein Buch, die Muwatta, war das stärkste Buch seiner Zeit. Im Aufbau war es das genaueste und das beste in der Auswahl der Kapitel. Die anderen Bücher, die zu dieser Zeit geschrieben wurden, ließ Allah verschwinden, aber Er entschied, dass die Muwatta Bestand haben sollte.

Die Muwatta hatte einen solchen Rang, dass sie nicht nur in einer Überlieferung vorliegt, sondern in mehreren Dutzenden. Abu Bakr Al-Khatib Al-Baghdadi hat ein ganzes Buch über jene geschrieben, die die Muwatta überlieferten. Al-Baghdadi zählte 993. Qadi ‘Ijad kam bei seiner Zählung auf über 1.300. Zu ihnen zählten auch sein Sohn Jahja und seine Tochter Fatima.

Rang der Muwatta

Imam Schafi’i, auch ein Schüler von Malik, sagte über die Muwatta: „Nach dem Buch von Allah gibt es kein korrekteres Buch auf dem Angesicht der Erde als das Buch von Malik.“ (As-Sujuti, Tanwir Al-Hawalik) Ebenso hat er die Muwatta wie folgt eingeschätzt: „Nach dem Buch von Allah gibt es kein nützlicheres Buch als die Muwatta.“ Ibn Hadschar Al-Asqalani, der berühmte Hadithgelehrte, war der Ansicht: „Das Buch von Malik ist korrekt nach allen Kriterien, die als Beweis verlangt werden.“ Die Leute des Wissens vertrauten auf die Hadithe im Buch von Malik und schrieben sie in ihren Büchern nieder, darunter auch Al-Bukhari und Muslim, die Autoren der beiden bekanntesten Hadith-Sammlungen.

Überlieferungen und Kommentare

Zwei Punkte, die angesichts der Muwatta für viele Gelehrte von Interesse sind, waren ihre verschiedenen Überlieferungen und der Kommentar ihrer Inhalte. Bereits zu Maliks Zeit kamen die Suchenden nach Wissen aus dem Osten, Westen, Norden und Süden zu ihm, um die Muwatta von ihm zu nehmen. Viele von ihnen gaben sie weiter und hielten sie in ihren Herzen, aber auch schriftlich fest. Imam Ahmad ibn Hanbal beispielsweise überlieferte sie zuerst von zehn anderen Männern, bevor er sie von seinem Lehrer, Imam Asch-Schafi’i, nahm. Dieser wiederum lernte sie zuerst in Mekka, bevor er selber zu Malik nach Medina kam. Auch einer der beiden Hauptschüler Abu Hanifas, Muhammad Asch-Schaibani, überlieferte die Muwatta, wobei er allerdings Maliks Urteile wegließ und Kommentare aus hanafitischer Sicht anfügte. Die berühmteste und gebräuchlichste aller Überlieferungen der Muwatta hinterließ uns Jahja ibn Jahja Al-Laithi Al-Andalusi, sodass bei der Erwähnung der Muwatta üblicherweise seine Version verwendet wird.

Eine große Zahl von Autoren hat Kommentare über das Buch Maliks geschrieben. Die bekanntesten kamen von Ibn ‘Abd Al-Barr. Auch der produktive Imam As-Sujuti verfasste zwei Kommentare der Muwatta. Zu den modernen zählt das vierbändige Werk des Ägypters Az-Zurqani. Es waren vor allem die andalusischen Gelehrten, die ein großes Interesse an der Muwatta hatten, sie kommentierten und über die verschiedenen Überlieferungen forschten.

Bedeutung

Maliks Verdienst in der Entwicklungsgeschichte des islamischen Rechts liegt vor allem darin, dass er bestrebt war, zwischen dem überlieferten Hadith-Material vor allem medinensischen Ursprungs und der in Medina allgemein bekannten Rechtspraxis (‘Amal Ahl Al-Madina/Sunna Ahl Al-Madina) vermittelnd einzutreten. Somit ist seine Muwatta’ heute – entgegen der Ansicht so mancher Orientalisten – sowohl als die erste Formulierung des islamischen Rechts, aber auch als eine absolut verlässliche Sammlung von Hadithen anzusehen. Ferner verschaffte Imam Malik in diesem Werk dem juristischen Konsens (Idschma’) der Medinenser allgemeine Gültigkeit.

Es ist wichtig anzumerken, dass das Interesse an der Muwatta sich nicht nur auf die Anhänger der Rechtsschule beschränkte, die sich nach Malik herausbildete. Wie erwähnt, überlieferten auch Imam Ahmad, Asch-Schafi’i und Asch-Schaibani das Buch, dessen Name sich mit „der wohlbeschrittene Pfad“ übersetzen lässt. Der bekannte hanafitische Gelehrte Indiens, Schah Waliullah Ad-Dahlawi, der in der Endphase des Moghulsultanats lebte, sah in der Annahme und Anwendung der Muwatta die einzige Chance für die Wiederbelebung des Dins.

Als nächstes stellen wir in dieser Reihe die „Risala“ von Imam Asch-Schafi’i vor.

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