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Nicht nur exotische Strände

Reisen: Indonesien, das größte muslimische Land, hat mehr zu bieten als die Touristeninsel Bali

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(iz). Jedes Mal, wenn ich zu Besuch bei der Indonesischen Botschaft bin, betrachte ich die farbenfrohen Poster, die Menschen in exotischen Trachten und Kostümen abbilden. Wild ­ausschauende Krieger aus West-Papua, ­geschmückte Tän­zerinnen aus Bali oder Abbildungen aus Tana Toraja in Sulawesi.

Auffällig ist, dass sowohl die Poster, als auch die Aktivitäten während des Tages der offenen Tür einen Bestandteil der indonesischen multikulturellen und multiethnischen Vielfalt fast ­vollkommen verschweigen; dass Indonesien das Land mit der größten muslimischen Einwoh­nerzahl auf der Welt ist. Es geht hier nicht um die Frage, warum für In­teressierte und Touristen ein exotisiertes Klischeebild Indonesiens aufgebaut beziehungsweise erhalten wird.

Es gibt verschiedene Bücher, die das Thema der Stereotypisierung verschiede­ner Kulturen und kultureller ­Praktiken im Indonesischen Archipel behandeln. Diese Abhandlungen bieten einen ­­An­satz, warum die indonesische Tourismus­politik sich scheinbar auf ethnische und religiöse Minderheiten konzentriert, um Touristen, die das Exotische suchen, nach Indonesien zu locken.

Es stellt sich die Frage, ob der Teil Indonesiens – der scheinbar nicht so bunt, exotisch und „paradiesisch“ ist – für den Touristen aus dem Westen wirklich nichts zu bieten hat oder ob der islamisch geprägte Teil Indonesiens mitunter sogar eine andere Zielgruppe von Touristen, vor allem nach Sumatra und Java ­bringen könnte. Abgesehen von ­Abenteuerurlaub, Öko-Tourismus wie unter anderem in Kalimantan, existieren auch kulturelle Anziehungspunkte der islamischen Kultur Indonesiens, die beworben werden könnten.

Die südsumatrische Provinzhauptstadt Palembang schuf beispielsweise ein ­­­An­z­iehungsobjekt, welches das Potenzial hat, sowohl muslimische als auch nicht-mus­li­mische Touristen in diese abgelegene Ge­gend zu bringen. Hier wurde vor wenigen Jahren die angeblich größte Qur’ankopie (Mushaf) fertiggestellt. Geschnitzt in Tropenholz, kann der kom­plette Mushaf – mit 30 ­Abschnitten auf 315 Holzplatten beidseitig be­schrie­ben – in der großen Moschee im ­Zen­trum Palembangs besichtigt werden.

Obwohl immer wieder Versuche ge­macht werden, Palembang und die um­liegende Provinz für Touristen attraktiv zu machen, zum Beispiel durch „Visit Musi“ Jahr 2008, wird auch in Touris­mus­prospekten der Provinzregierung selbst vor allem auf Monumente hingewiesen, die aus der vorislamischen Ge­schichte stammen.

Die lange Tradition der Holzmoscheen in althergebrachter Bauweise, die direkt am Fluss Musi gebaut wurden und werden, findet hingegen kaum Aufmerksamkeit. Das arabische Viertel (Kampung Arab) der Stadt ist jedoch über die nationalen Grenzen hinweg bis in die arabische Welt bekannt.

In der indonesischen Kulturhauptstadt Yogyakarta hat man erkannt, dass muslimische Touristen aus Malaysia nicht automatisch an den bekannten Tempeln Borobodur und Prambanan interessiert sind. Das Resultat sind abgeänderte Touren, die zum Beispiel anstelle von einem Prambanan-Besuch eine Fahrt nach Solo (Surakarta) beinhalten. Diese kleinen Beispiele belegen aber einen Trend, wo­nach auch Muslime reisen, diese durchaus nicht die gleichen Wünsche und Interessen haben wie Reisende aus dem Westen.

Auch Muslime aus Europa, Nord­amerika oder dem Mittleren Osten können eine potentielle Zielgruppe sein. Mit dem Zunehmen einer gebildeten muslimischen Mittelschicht und muslimischen Europäern oder Nordamerikanern eröffnet sich eine weitere Zielgruppe für den islam-orientierten Tourismus, die in den letzten Jahren noch nicht so offensichtlich wurde.

Das lokale Potential ist vorhanden, wie unter anderem am Beispiel der ­relativ neuen Moschee Dian Al-Mahri mit dem gol­denen Dom in Depok, Bogor zu sehen ist. Sie ist mittlerweile nicht nur Ort für Gottesdienste, sondern auch Reise­ziel für Indonesier, die für eine kurze Weile Erholung suchen. Historische Moscheegebäude üben eine vergleichbare Anziehungskraft aus.

Dazu zählt die Menara Kudus Mo­schee, die von Sunan Kudus erbaut wurde, einem der neun Wali (Freunde Allahs), die den Islam in Java verbreiteten. Im Gelände der ­Anlage befindet sich ein Turm, der an die Form eines Tempels erinnert. Auch die in ­der traditionellen chinesischen Architektur errichteten Moscheen („Check Ho“) in Ostjava, ­stehen – wie viele andere Attraktionen – auf der Liste der muslimischen Sehenswürdigkeiten Indonesiens.

Der fast vollständige Ausschluss der muslimischen Kultur in der indonesischen Tourismuspolitik, wie er in Botschaften und national ersichtlich wird, ist nicht nur kulturell tragisch, da ein großer Teil der indonesischen Vielfalt dem unerfahrenen Touristen verschlossen bleibt. Dies stellt auch einen wirtschaftlichen Nachteil für viele Regionen und die Menschen dar.

Mit einer gezielten Werbekampagne, die auf das muslimische Erbe in Form von Moscheebauten oder Kunsthandwerk aufmerksam macht, könnten neue Zielgruppen für die Tourismusindustrie erschlossen und ausgebaut werden. Eine derartige Tourismuspolitik könnte auch den Dialog und das Verständnis mit dem Islam fördern und dem Menschen die friedliche Form des Islams – wie er in Indonesien praktiziert wird – näher ­bringen.

Es geht also nicht darum, die bestehende indonesische Tourismuspolitik über Bord zu werfen, sondern im Sinne des Nationalmottos „Bhinneka Tunggal Ika“ (Einheit in ­Vielfalt) zu ergänzen und die Vielfalt des Indonesiens unabhängig von Religion und Ethnie vorzustellen und Interessierten zugänglich zu machen.

Islamische Touristenziele in Indonesi­en und Tourismus für ausländische Mus­lime können zu einer besseren der indonesischen Tourismuspolitik führen und sich positiv auf die Wirtschaft des Landes auswirken.

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Azizah Seise

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