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Reporter ohne Grenzen sorgen sich um deutsche Medienlandschaft. Von Joachim Heinz

Patentrezepte nicht in Sicht

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Berlin (KNA). Auf den letzten Plätzen stehen die üblichen Verdächtigen: Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan. Hier sieht die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ die Pressefreiheit in besonderem Maße bedroht. Zum zwölften Mal legten die Menschenrechtler ihre Rangliste zur Lage der Medien in den Ländern der Welt vor; 179 Staaten und Regionen wurden diesmal erfasst. Dabei, das zeigt die Studie, muss der Blick nicht unbedingt in die Ferne schweifen. Viele Probleme liegen direkt vor der eigenen Haustür.

So ist Ungarn, immerhin EU-Mitglied, auf Platz 56 abgerutscht. Nach dem umstrittenen Mediengesetz greife Selbstzensur in den Redaktionen um sich, moniert „Reporter ohne Grenzen“. Direkt auf Ungarn folgt Italien. Auch hier sehen die Beobachter die Gesetzeslage kritisch. So habe das Parlament erst in Zweiter Lesung einen Gesetzentwurf abgelehnt, der für Journalisten Haftstrafen für Verleumdungen vorsah. Noch weiter hinten rangiert auf Platz 84 mit Griechenland ein weiterer EU-Staat. Hier seien Medienvertreter immer häufiger Angriffen durch Polizisten ausgesetzt.

Und Deutschland? Liegt innerhalb Europas auf Platz 17 und damit im Mittelfeld. Alles gut, also? Mitnichten, findet „Reporter ohne Grenzen“. Viele Journalisten klagten über mangelnden Zugang zu Behördeninformationen. Mit Sorge beobachtet die Organisation auch, dass Neonazis und radikale Islamisten versuchen, kritische Journalisten einzuschüchtern. Ins Auge springe aber vor allem eine abnehmende Pressevielfalt. Die Liste der 2012 von Insolvenz bedrohten oder ganz eingestellten Medien ist lang: Sie beginnt mit der „Deister-Leine-Zeitung“ im Februar, geht weiter über die Nürnberger „Abendzeitung“ und reicht bis zur „Financial Times Deutschland“, der Nachrichtenagentur dapd und der „Frankfurter Rundschau“.

Der Deutsche Journalisten Verband (DJV) bestätigt diesen Trend. Pressereferentin Eva Werner spricht von einer „Häufung, die wir so noch nicht gehabt haben“. Die Konsequenzen lassen sich in vielen Redaktionen besichtigen: Hoher Zeit- und Termindruck sowie ständig neue Entlassungswellen lassen es zunehmend schwierig werden, die immer komplexer werdenden Themen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu recherchieren. Ein Teufelskreis, wie der schweizer Medienwissenschaftler Kurt Imhof findet.

Unter rigidem Spardruck gingen Medienunternehmen dazu über, die für Qualitätsjournalismus notwendigen Strukturen zu zerstören, mahnte der Experte bei einer Tagung der Katholischen Akademie Freiburg. Fachressorts und Korrespondentennetzwerke würden abgebaut. „Wir haben immer mehr Journalisten, die für alles zuständig sein sollen.“ Imhofs Urteil: Die Medien seien hierzulande im Begriff, ihre für eine funktionierende Demokratie konstitutive Funktion als Kontroll- und Kritikorgan politischer und gesellschaftlicher Entscheidungen zu verspielen.

Das Unbehangen über diesen schleichenden Verfall wächst auch unter den Konsumenten. Zufall oder nicht: In den vergangenen Tagen meldeten sich mit dem Mainzer Kardinal Karl Lehmann und dem Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker unabhängig voneinander gleich zwei Bischöfe in dieser Sache zu Wort. „Unsere Welt wird immer umfassender und differenzierter, während einige Medien glauben machen, man könne grenzenlos vereinfachen“, kritisierte Lehmann und stellte eine „gewisse 'Boulevardisierung'“ fest. Sein Amtsbruder Becker sekundierte: Aus einem Problem machten Journalisten schnell ein „grundlegendes Problem“ und eine „umfassende Krise“. In der Summe entstehe durch solche Zuspitzungen ein Klima, in dem die damit erzeugten Emotionen die Fakten überschatteten.

Patentrezepte gegen die Krise vor allem bei den Printmedien hat allerdings auch die katholische Kirche nicht. Im Dezember gab der Essener Bischof Franz-Josef Oberbeck die Einstellung der Bistumszeitung „RuhrWort“ zum Jahresende 2013 bekannt. Das 1959 gegründete Blatt schreibe bereits seit einigen Jahren wegen rückläufiger Abonnentenzahlen und sinkender Anzeigenerlöse Verluste, begründete Generalvikar Klaus Pfeffer die Entscheidung.

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Joachim Heinz

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