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Rituelle Korrektheit und richtiges Handeln sind nicht zu trennen. Von Schaikh Muhammad Al-Qasbi

Fairness und Gradlinigkeit

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(iz). Allah, der Erhabene und Geprie­sene, sagt in Seinem Qur’an: „Das Wägen erfolgt an jenem Tag der Wahrheit. Wessen Waagschalen schwer sein werden, jene sind es, denen es wohl ergeht. Wessen Waagschalen aber leicht sein werden, das sind diejenigen, die ihre Seelen verloren haben dafür, dass sie an Unseren Zeichen unrecht zu handeln pflegten.“ (Al-’Araf, 8-9) Das heißt, sie haben Allahs Zeichen nicht beachtet und glauben nicht an sie.

Allah erwählt bei Seiner Weisheit, wen Er bevorzugt – unter Seinen Engeln, Seinen Gesandten und den anderen Menschen. Er erwählt auch manche Zeiten über andere und zieht einige Orte ande­ren vor. Unser Gesandter, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, ­sagte: „Sucht das Gute in der gesamten Zeit und erwartet die Geschenke und die Großzügigkeit Allahs. Allah gibt aus Seiner Gnade Geschenke und Großzügigkeit und Er gewährt sie unter Seinen Dienern, wem Er will. Und bittet Ihn, eure Geheimnisse zu bewahren, euch Sicherheit zu geben und vor Furcht zu schützen.“

Wer begierig auf die Geschenke und die Großzügigkeit Allahs wartet, wer sie zu sich kommen sieht, während er innerlich und äußerlich rein ist, wer eine große Hoffnung hat und mit seinem Herzen anwesend ist, der hat in einem einzigen Augenblick mehr erreicht als alle andere Segnungen und Geschenke, die über einen langen Zeitraum erworben werden.

Dies bezieht sich auch auf unseren konkreten Augenblick, denn wir befinden uns jetzt in den besten Tagen des ganzen Jahres: die ersten zehn Tage des Monats der Hadsch, Dhu’l-Hidscha, einem der heiligen Monate. Allah, verherr­licht sei Er, befahl uns, diese heiligen ­Monate (Al-Aschhur Al-Hurum) zu respek­tieren und sie zu heiligen, während Er gleichzeitig untersagte, sich selbst gegenüber in dieser Zeit ungerecht zu ­verhalten.

Ein Hinweis auf den enormen Wert dieser Tage ist die Tatsache, dass Allah in Seinem Edlen Buch einen Eid auf diese Tage schwört: „Bei der Morgendämmerung und bei den zehn Nächten.“ (Al-Fadschr, 1-2)

Unser Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Es gibt keine Tage, in denen ­rechtschaffene Handlungen bei Allah beliebter sind als in diesen zehn Tagen.“ Er wurde gefragt: „Nicht einmal der Kampf auf dem Weg Allahs?“ Der Gesandte Allahs: „Nicht einmal die Anstrengung auf dem Wege Allahs. Es sei denn, ein Mann, der mit seiner Person und seinem Vermögen geht und mit keinen von beiden heimkehrt.“

In dem Sinne beinhaltet jede rechtschaffene Handlung alle Formen der ritu­ellen Anbetung wie das Gebet (Salat), die verpflichtende Wohlstandsabgabe (Zakat), Pilgerfahrt (Hadsch), die ­kleine Pilgerfahrt (‘Umra), das Fasten und das Geben von Spenden. Gleichermaßen umfasst diese Kategorie die Handlung der Anbetung durch die Mittel der [wirtschaftlichen] Transaktionen (Mu’amalat). Diese Verbindung hat einen hohen Rang und es besteht eine sehr enge und starke Wechselwirkung zwischen beiden. Und zwar derart, dass das eine nicht das andere ersetzen kann und das beide nicht für sich alleine stehen können. Nur wenn die Handlungen der Anbetung in den [wirtschaftlichen] Transaktionen gesund und korrekt sind, werden die rituellen Akte der Anbetung angenommen. Das ist der aufrechte Din, der Din der Fitra (des natürlichen Schöpfungszustandes des Menschen) und der Rechtschaffenheit (Istiqama). Allah sagt in Seinem Edlen Buch: „So richte dein Gesicht aufrichtig zur Religion hin als Anhänger des rechten Glaubens, – (gemäß) der natürlichen Anlage Allahs, in der Er die Menschen erschaffen hat.“ (Ar-Rum, 30)

Es reicht aus, an die Erklärung von Dschafar ibn Abi Talib zu erinnern, möge Allah mit ihm zufrieden sein, die er gegenüber dem König von Abessinien abgab. Er legte dar, dass es keinen Unter­schied zwischen beidem gibt: die Handlungen der Anbetung und die Transaktionen. Er machte deutlich, dass der Din aus der Verbindung mit dem Schöpfer und dem richtigen Handeln (mit Ihsan) der Schöpfung gegenüber besteht. Keine ist gültig und gesund, solange sie nicht von der anderen begleitet wird. Dschafar ibn Abi Talib sagte: „Oh, König! Wir sind ein Volk, dass in Unwissenheit ­lebte. Wir beteten Götzen an, aßen das Fleisch toter Tiere, handelten unsittlich und missachteten die Blutsbande. Wir schädigten unsere Nachbarn und die Starken unterdrückten die Schwachen. Derart war unser Zustand. Dann sandte Allah uns einen Gesandten aus unserer Mitte. Wir kannten seine Familie und seine Vorfahren. Uns war seine Wahrhaftigkeit, seine Zuverlässigkeit und seine bleibende Ehrlichkeit bekannt.

Er rief uns zu Allah auf, Ihn alleine ohne Partner anzubeten und hinter uns zu lassen, was wir außer Allah anbeteten: Götzen und Steine.

Er befahl uns Ehrlichkeit in unserer Rede, die Respektierung anvertrauter Güter, die Achtung vor den Blutsbanden, die gute Behandlung unserer Nachbarn, das Ablassen von verbotenen Dingen und das Ende des Blutvergießens. Er verbat uns Unsittlichkeit, falsche Eide zu schwören, die Aneignung des ­Vermögens von Waisen und üble Nachrede. Er befahl uns, Allah alleine anzubeten und Ihm keine Partner beizugesellen. Er ­befahl uns die Verrichtung des Gebets, die Zahlung der Zakat und das Fasten. Wir bestätigten ihn, erklärten unseren Glauben an ihn und folgten ihm in dem, was er von Allah brachte. Wir beten ausschließlich Allah an und gesellen Ihm nichts bei. Wir vermeiden, was er uns verboten hat und wir nehmen das als erlaubt an, was er für uns als halal ­erklärte.“

Wer die Transaktionen auf die ­leichte Schulter nimmt und daran scheitert, in ihnen geradlinig zu sein – selbst, wenn er dies vorgibt –, scheitert an den Anforderungen der rituellen Anbetung. Eine solche Person befindet sich in der Gefahr, am Tag der Auferstehung bankrott zu sein.

Unser Prophet, möge Allah ihn ­segnen und ihm Frieden geben, fragte: „Wisst ihr, wer der Bankrotte ist?“ Seine Gefährten antworteten: „Der Bankrotte unter uns besitzt keinen Dirham oder ­keine Ware.“ Er, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, erläuterte: „Der Bankrotte in meiner Umma ist ­derjenige, der am Tag der Auferstehung mit seinem Gebet und seiner Zakat und seinem Fasten kommen wird. Und dann wird er seine Beleidigungen von einigen mitbringen, seine üble Nachrede gegenüber anderen, sein unrechtmäßiges ­Verschlingen des Vermögens Dritter, das Schlagen von manchen und das Blutvergießen von anderen. Und dann wird jedes von diesen den Nutzen seiner guten Handlungen der Anbetung hinfort nehmen, bis jede Belohnung seiner guten Taten aufgebraucht sein wird und er nicht mehr in der Lage ist, alle [die er schädigte] zu entschädigen. An diesem Punkt werden deren falsche Handlungen von ihnen genommen und ihm gegeben und er wird schließlich ins Feuer geworfen.“

Anas ibn Malik, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: „Sehr selten sprach der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, uns an, ohne zu sagen: ‘Wer keine Amana [Vertrauenswür­digkeit] hat, der hat keinen Iman ­[unter anderem Glauben]. Und wer seine Versprechen nicht erfüllt, hat keinen Din.“

Der Prophet Muhammad, möge ­Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, ­wurde gefragt: „Welche Handlungen sind bei Allah am beliebtesten?“ Er antwortete: „Glaube an Allah und Seinen Gesandten.“ Und dann wurde er gefragt: „Dann was?“ Er entgegnete: „Behandelt eure Eltern gut.“ „Und dann?“ Der Gesandte Allahs sagte: „Eine tadellose Hadsch.“

Imam Al-Bukhari überlieferte von Ammar ibn Jasir: „Es gibt drei Eigenschaften, die – sofern sie alle vorhanden sind – den kompletten Iman ausmachen: Unvoreingenommenheit, soweit es die eige­ne Person betrifft (und die eigenen Inte­ressen), die Ausweitung des Salams (Friedensgruß) auf die Welt und das Geben in Zeiten der Knappheit.“

Der Zustand der Unparteilichkeit hat eine Dimension mit Allah, eine mit dem Selbst und eine Dimension mit dem Rest. Diese besteht in der Umsetzung von ­Allahs Geboten und die Vermeidung dessen, was Er verboten hat. Es heißt in ­einem Hadith Qudsi: „Sohn Adams, du warst nicht unparteiisch Mir gegenüber. Meine Güte steigt ohne Unterbrechung auf Dich herab und von dir steigt so viel Falschheit zu Mir herauf. Wie viele Male habe Ich Mich dir mit liebenden Segnungen genähert – nicht, dass Ich deiner bedürfte – und wie oft hast du dich Mir mit ungehorsamen Handlungen genähert, die Zorn erregen – während du Mich brauchst. Sohn Adams, du warst nicht unvoreingenommen Mir gegenüber. Ich habe dich erschaffen und du betest andere an. Ich habe für dich gesorgt und du dankst anderen.“

Unvoreingenommen, objektiv, vorurteilslos und gerecht ist derjenige, der ­seine Pflichten kennt und sie erfüllt, bevor darum gebeten wird. Dies ist der Weg zum Sieg und zur Macht. Al-Ahnaf ibn Qais, einer der weisen Leute der zweiten Generation nach den Prophetengefährten, sagte: „Wenn jemandem Unvoreingenommenheit angeboten wird und er sie akzeptiert, dann habe ich ein Gefühl der Ehrfurcht und des Respekts vor ihm. Andererseits weiß, dass ich, wenn jemand sie zurückweist, diesen überwältigen kann.“

Unparteilichkeit liegt im eigentlich Kern des Iman.

Der Gruß betrifft edle Charaktereigenschaften, aber auch Demut und die Abwesenheit der Abneigung gegenüber anderen. Dadurch wachsen Anziehung und Zusammenarbeit zwischen den Leuten.

Soweit es das Geben in schwierigen Zeiten betrifft, so ist das eine Manifestation von Großzügigkeit und drückt deren Ziel und Absicht aus. Derjenige, der im Zustand der Armut gibt, wird im Falle von Reichtum noch glänzender sein. Das Spenden in Zeiten der Armut ist ein Zeichen des Vertrauens auf ­Allah, der Ablösung von dieser Welt und falschen Hoffnungen und anderen Eigenschaften, die Früchte im Jenseits tragen werden.

Text wurde am 11.10. als Vortrag gehalten.

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Schaikh Muhammad Al-Qasbi

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