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Rohingya: In den Camps von Cox’s Bazar leiden Frauen und Kinder besonders

Lage von Flüchtlingen in Bangladesch könnte sich bald wieder zuspitzen

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Foto: Umer Aiman Khan | IPS News

Leben unter Plastikplanen, kaum Nahrung, traumatisierte Kleinkinder: Helfer beschreiben die Situation von Flüchtlingen in Bangladesch weiterhin als dramatisch. Und bald könnte alles noch schlimmer werden.

Bonn (KNA). Ihre Eltern hat Yasmin verloren. Die Ärmchen des 18 Monate alten Mädchens sind dünn; Yasmin ist zu klein für ihr Alter und stark unterernährt. Ihre Tante, die sie auf der Flucht nach Bangladesch mitgenommen hat, muss jede Nacht mehrere Male aufstehen, um das weinende Kind zu beruhigen. „In Yasmins Gesicht ist kein Lächeln zu finden“, sagt Jennifer Bose. Sie war soeben zwei Wochen lang für die Hilfsorganisation Care in den Camps um Cox’s Bazar. Ihre Bilanz: Vieles hat sich verbessert – aber insbesondere Frauen und Kinder leiden weiterhin massiv.

Zum Beispiel Hasina: Die Schwangere verbringt täglich 23 Stunden in ihrem kleinen, schwülen Zelt. Der Ehemann der 17-Jährigen möchte es so. Tagsüber isst und trinkt Hasina kaum etwas. Die eine Stunde, in der sie das Zelt täglich verlassen darf, reicht nicht aus, um die nächste Toilettenstation zu erreichen. Wenn Menschen ihre Notdurft jedoch auf freier Fläche verrichten, gefährden sie nicht nur ihre eigene Gesundheit. Auch die Gefahr eines Ausbruchs von Krankheiten erhöht sich.

Schicksale wie die von Yasmin und Hasina sind in Cox’s Bazar an der Tagesordnung, sagt Bose. Die internationalen Organisationen hätten zwar viel bewirkt – allein Care hat nach eigenen Angaben rund 200.000 Menschen mit Nothilfe-Maßnahmen erreicht. Doch in vier bis acht Wochen wird in dem südasiatischen Land der Monsunregen erwartet. Dann könnten alle Fortschritte zunichte gemacht werden, warnt Bose. „Die Zelte bestehen aus Bambusrohren und Plastikrohren. In der Regenzeit könnte alles wieder im Schlamm versinken.“

Mindestens 100.000 Menschen werden davon schätzungsweise betroffen sein. Überschwemmungen könnten nicht nur wichtige Transportwege blockieren. Weggespülte Latrinen könnten zudem Trinkwasser verunreinigen. Um eine Eskalation zu verhindern, setzen die Helfer auf rasche Maßnahmen.

Noch fehlt es laut Bose weiterhin am Notwendigsten: an Lebensmitteln, sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen. Stundenlang stehen die Menschen täglich für eine Mahlzeit an. Viele brauchen zudem medizinische und psychosoziale Betreuung. Dafür haben die Helfer von Care beispielsweise spezielle Zentren für Frauen eingerichtet, die auch Rückzugsorte sein sollen. Beratungen etwa zu Hygienefragen oder zum Schutz vor Menschenhandel bieten Freiwillige auch in Zelten an, da viele Frauen – wie Hasina – ihre Unterkunft kaum verlassen.

Wenn sie sich doch hinauswagen, sind sie meist vollverschleiert – teils aus religiös-kulturellen Gründen, teils als Schutz vor Übergriffen. „Es ist ein Balanceakt zwischen Freiheit und Sicherheit“, sagt Bose. Genaue Zahlen darüber, wie viele Frauen bei der Flucht oder in den Lagern Opfer von sexualisierter Gewalt geworden sind, gibt es nicht. Die Helfer gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus.

Schwierig sei für die insgesamt rund 900.000 Flüchtlinge auch, nicht zu wissen, wo sie sich künftig niederlassen und einen Alltag aufbauen könnten. Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten gebe es in den Camps kaum. Auch das offizielle Rückführungsabkommen zwischen Bangladesch und Myanmar biete keine Perspektive: „Auf das Stichwort Rückkehr reagieren die Menschen panisch“, so Bose. Die meisten aus Myanmar Vertriebenen hätten dort schlichtweg kein Zuhause mehr, in das sie zurückkehren könnten.

Die muslimische Rohingya-Minderheit wird im vom Militär beherrschten Myanmar seit Jahrzehnten verfolgt. Langfristig betrachtet brauche es eine politische Lösung, betont Bose. Die Minderheit gilt in Myanmar als staatenlos, hat kein Recht auf Landbesitz und keinen Anspruch auf Bildung. So sei es kaum möglich, ein Leben in Sicherheit und Würde aufzubauen, beklagen die Nothelfer. Zu den verbleibenden Rohingya im Norden Myanmars gibt es derzeit kaum Zugänge, einzelne Hilfsprojekte mussten dort ausgesetzt werden.

Die große politische Lösung ist nicht in Sicht, und so bleibt die kleinschrittige Nothilfe für die Organisationen vorrangig. Die nötigen Hilfsgelder seien allerdings erst etwa zur Hälfte bereitgestellt. Und, so Bose: „Jeder Tag, der vergeht, droht die Menschen weiter in Vergessenheit geraten zu lassen.“

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