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Rücktritt eines Vorstands

DITIB Niedersachsen verlor gesamte Führung

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Foto: Y. Kilic, Facebook

(KNA|IZ). Der langjährige Vorsitzende der niedersächsischen DITIB-Gemeinden, Yilmaz Kilic, ist am 25. November von seinem Amt zurückgetreten. „Wegen der wachsenden Ein­mischung habe ich jetzt die Reißleine ziehen müssen“, sagte er der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bedauerte den Rücktritt und bezeichnete ihn als „echten Rückschlag für die bisherigen Bemühungen“. In Folge des Rücktrittes wurde ein neuer Vorstand gewählt. Er steht unter Leitung von Ali Ihsan Ünlü, welcher der DITIB Niedersachsen bereits von 2008 bis 2011 vorstand. Der NDR berichtete, dass nach Angaben von Landesgeschäftsführerin Emine Oguz die Aufgabenverteilung der neuen Mitglieder festgelegt werden soll.

Er habe sich immer wieder gegen die Ein­mischung sowohl der DITIB-Zentrale in Köln als auch vom türkischen Religions­attachée wehren müssen, betonte Kilic: „Wir haben als niedersächsischer Landesverband immer einen eigenständigen Weg gehen ­wollen, doch hier leider keine Unterstützung aus Köln bekommen.“ Kilic ist nach eigenen Worten mit seinem gesamten Vorstand ­zurückgetreten.

Auch seine Bemühungen, so Kilic gegenüber der NDR-Sendung „Hallo Niedersachsen“, für mehr Offenheit und eine Veränderung der Bundesstrukturen seien gescheitert. „In den letzten Jahren ist da nicht viel passiert, man schottet sich ab ab“, zitierte ihn die NDR-Webseite. „Ich sehe hier keinen Weg, weiter zu kämpfen. Wenn Sie dann noch zu hören bekommen: ‘Sie können ja zurücktreten’, dann tun wir das auch.“

Prof. Dr. Bülent Ucar, Leiter des Osnabrücker Instituts für Islamische Theologie, bedauerte den Schritt von Kilic und kommentierte ihn wie folgt: „Ich bedaure zutiefst, dass der gesamte DITIB-Vorstand in Niedersachsen aufgrund externen Drucks zurücktreten musste. Mit Herrn Yilmaz Kilic verliert die DITIB einen erfolgreichen Vorsitzenden, der höchste Integrität besitzt und sehr vertrauensvoll – auch mit uns am IIT-Osnabrück – in den letzten Jahren in unserem Bundesland zusammen gearbeitet hat. Er konnte es aber wohl niemandem Recht machen, sodass er zwischen die Räder der Bürokratie geriet. Weder die halbherzigen Unternehmungen der Landesregierung etwa zum Staatsvertrag oder zur Imamausbildung und -finanzierung, noch der zentralistisch organisierte und ferngesteuerte Islam in Deutschland jenseits wirklich demokratischer Repräsentanz konnten zufrieden gestellt werden. (…) Mein Dank gilt Herrn Kilic für die menschlich, wie fachlich hervorragende Zusammenarbeit in den letzten Jahren. Es war mir eine Freude und Ehre zugleich! Ich wünsche ihm und seiner Familie viel Glück und Gottes Segen für sein weiteres Leben.“

Taner Beklen, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der DITIB-Jugend, der vor einiger Zeit ebenfalls zurückgetreten ist, sieht in der Entscheidung einen „schwarzen Tag für die muslimische Gemeinschaft in Deutschland“. Der blinde und egoistische Kurs der Kölner Bürokraten fahre eine ganze Gemeinschaft „noch ein weiteres Mal gegen die Wand“. Das Machtmonopol solle bei den Attachés bleiben.

Die DITIB ist auch in Niedersachsen und Bremen der größte Moscheeverband und vertritt dort mit 85 Gemeinden etwa 160.000 Muslime. Man unterstehe der Aufsicht der türkischen Religionsbehörde, habe sich jedoch seit Jahren als Landesverband um eine größere Eigenständigkeit bemüht, so Kilic.

Kritiker werfen der Führung des Bundesverbandes schon lange vor, als verlängerter Arm der türkischen Regierung zu fungieren. Die niedersächsische Landesregierung erklärte, eine weitere Zusammenarbeit mit dem ­DITIB-Landesverband sei nun erneut zu überprüfen. Bisher ist es in Niedersachsen noch nicht zur Unterzeichnung eines geplanten Staatsvertrages gekommen, bei dem die DITIB neben zwei weiteren Verbänden muslimischer Partner gewesen wäre.

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