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Schaikh Ahmad Sirhindi. Von Mu­hammad Mojloum Khan

Bekannte Muslime

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(iz). Die Herrschaft des Moghulsultans Akbar wird oft als Beginn eines „Goldenen Zeitalters“ in der muslimischen Regierung Indiens angesehen. Nachdem dieser Mitte des 16. Jahrhunderts die Regierung übernahm, verwandelte er vollkommen die Geschicke der regierenden Dynastie. Akbar erweiterte nicht nur deren Herrschaftsgebiet auf dem Subkontinent, sondern begann auch weitreichende sozio-kulturelle Reformen. In religiöser Hinsicht jedoch wich er nach einer gewissen Zeit vom prophetischen Vorbild ab (einige sind der Ansicht, dass er sich durch einen Reitunfall eine Schädigung des Gehirns zugezogen hatte).

Dies führte bei muslimischen Gelehrten Indiens zu verständlichen Gegenreaktionen. In dieser entscheidenden Periode des indischen Islams betrat Schaikh Ahmad Sirhindi, eine Vordenker des Sufismus und einflussreicher muslimischer Erneuerer, die Arena. Er verteidigte die Sache des traditionellen Islams und formulierte grundlegende Lehren seiner Spiritualität neu.

Auch bekannt als „Erneuerer des zweiten islamischen Jahrtausends“, erblickte er 1564 in der Stadt Sirhind (im heutigen indischen Teil des Punjabs gelegen) das Licht der Welt. Seine Familie bestand aus muslimischen Gelehrten und Aulija (arab. „Freunde Allahs). Der Vater Ahmad, Schaikh ‘Abdalahad, war ein bekannter Gelehrter, der seine Abstammung vom zweiten Khalifen des Islams, ‘Umar ibn Al-Khattab, ableitete. Geboren in einer tief religiösen Familie, wurde der junge Ahmad von seinem Vater dazu ermutigt, den gesamten Qur’an vor Erreichen des zehnten Lebensjahres auswendig zu lernen.

Danach widmete er sich dem üblichen Lehrplan seiner Zeit: Arabisch, Persisch, Literatur, islamisches Recht, prophetische Überlieferungen und islamische Geschichte. Nach der ersten Ausbildungszeit unter Anleitung seines Vaters ging er nach Lahore und Sialkot, wo er in jenen bedeutenden Zentren islamischer Lehre weiterführende Ausbildung in den Wissenschaften des Tafsirs, Hadith, Fiqh, Philosophie und Theologie (Kalam) bei anerkannten Lehrern erhielt. Der junge Ahmad war ein hoch begabter Student, der nicht nur ein hervorragendes Gedächtnis besaß, sondern auch mit einer geringen Anweisung seiner Tutoren auskam. Im Alter von 17 Jahren kehrte er nach dem erfolgreichen Abschluss dieser Ausbildung in seine Heimat zurück, wo er mit dem Unterricht in lokalen islamischen Ausbildungsstätten begann.

Sein stetig wachsender Ruhm führte dazu, dass er nach Agra, in die damalige Hauptstadt, geladen wurde. Ahmad Sirhindi war angesichts des intellektuellen Verfalls und der materiellen Interessen höfischer Kreise abgestoßen. Als er deren un-islamische Ansichten herausforderte, zwangen ihn die gleichen Kreise zur Rückkehr ins heimische Sirhind.

In dieser Zeit heiratete er und begann – unter Anleitung seines Vaters – mit einem Studium des Sufismus. Sein Vater folgte den Lehrtraditionen der Qadirija und Tschischtija.

1598, nach dem Tode des Vaters, pilgerte er nach Mekka. Auf seinem Weg begegnete er dem bekannte Naqschibandi-Sufi Khwadscha Abdalbaqi (Baqi Billah), der ihm beim Fortschritt auf allen Stufen der spirituellen Erfahrung half. Der Schüler durchschritt diese Stufen wesentlich schneller, als selbst sein Lehrer es vorgesehen hatte.

Als begabter Gelehrter und Sufi war es seine Absicht, die Wirklichkeit des Sufismus von dessen – manchmal volkstümlichen – Verzerrungen zu unterscheiden. Nach dem Tode von Khwadscha Baqi Billah im Jahre 1603 kehrte er wieder nach Sirhind zurück, wo er den Rest seines Lebens auf der Suche nach Wissen, Weisheit und Spiritualität verbrachte. So wurde er zu einem bedeutenden Verteidiger des traditionellen Islams im muslimischen Indien.

Schaikh Ahmad Sirhindi erfuhr nicht nur alle Stadien (Maqamat), sondern klassifizierte seine Erfahrungen auch nach mehreren Kategorien. Die Erkenntnis, dass der Mensch das Geschöpf Allahs und Sein Diener ist, ist nach Schaikh Ahmad die höchste Stufe der spirituellen Erfahrung. Seine Anstrengungen zur Wiederbelebung des muslimischen Denkens und seiner Spiritualität im Lichte des prophetischen Verhaltensmusters (Sunna) erhöhten ihn auf eine bedeutende Position in der intellektuellen Geschichte des Islam. Wie seine großen Vorläufer ‘Abdulqadir Al-Dschilani und Abu Hafs ‘Umar As-Suhrawardi war er ein strikter Nachfolger der prophetischen Sunna. Für ihn war das Festhalten an der prophetischen Methodik eine Grundvoraussetzung zur Erlangung der islamischen Spiritualität.

Für seinen Widerstand gegen die Verdrehung islamischer Lehren durch die höfischen Kreise Akbars war Schaikh Ahmad Sirhindi gezwungen, erhebliche persönliche Beschwernisse zu ertragen. Eine Zeitlang musste er sogar im Gefängnis einsitzen, und doch gab er niemals seinen Widerstand gegen die abstruse religiöse Neuschöpfung Akbars auf.

Als großer muslimischer Gelehrter, bekannter Sufi und bedeutender Wiederbeleber verbreitete sich der Ruf Schaikh Ahmad Sirhindis bereits zu dessen Lebzeiten über den ganzen indischen Subkontinent. Er bildete hunderte Schüler aus und entsandte sie in alle Teile Indiens, um zum Islam einzuladen und um Lehrzentren der Naqschibandija zu gründen. Schaikh Ahmads Schüler trugen seine Botschaft über die Grenzen Indiens nach Afghanistan, Persien und in Teile ­Zentralasiens.

Als produktiver Autor verfasste er mehr als 500 Abhandlungen zu unterschiedlichen Aspekten des Islams und des Sufismus. Darin erhellte er die grundlegenden Prinzipien und Praktiken des Islams. Schaikh Ahmad ­Sirhindi starb 1624 im Alter von 60 Jahren und wurde im heimatlichen Sirhind beerdigt.

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