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Schicksal Geopolitik?

Iran kann seiner geografischen Lage nicht entkommen. Von Muhammad Hussein

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Foto: Shutterstock

(Middle East Monitor). Eine Strömung durchzieht die Levante – sie wird subtil wahrgenommen, ist aber wohlbekannt. Von den Protesten im Irak und im Libanon bis zu syrischen Oppositionellen: Die öffentliche Unzufriedenheit mit der direkten und indirekten Einmischung des Iran in der Region tritt offen zu Tage. Diese mag nicht der einzige Grund für Proteste sein, ist aber ihr bestimmender Faktor.

Teherans Einfluss liegt nicht nur in seinem Schiismus oder revolutionären Parolen, sondern auch in seiner nur selten anerkannten Geopolitik. In den letzten Jahren setzte sich die Erkenntnis über das Ausmaß durch, in welchem viele politische Situationen durch geopolitische Faktoren beeinflusst werden. Und Irans Position und seine Machtprojektion stellt keinen Sonderfall dar. Es sind die geopolitischen Vorgaben, die vorrangig seine außenpolitischen Ziele, Verteidigungsfähigkeit und Bedarf nach regionalem Einfluss bestimmen.

Im Norden erstreckt sich der Elburs mit Blick auf das Kaspische Meer bis in den Osten des Landes. Er bildet eine natürliche Verteidigungsbarriere gegen Pakistan und Afghanistan. Im Süden liegt der strategische Hafen von Bandar Abbas am Persischen Golf, während die als Khusistan bekannte Region mit einer überwiegend arabischen Bevölkerung an der Spitze des Golfs an den Irak angrenzt. Das Zentrum des Landes beherbergt die ­­Lut- und Kawir-Wüste, sodass es nur an den ­Rändern, an denen sich Teheran und Ghom befinden, bewohnbar ist. Die eigentliche ­Herausforderung ergibt sich aus dem Westen, wo sich die Zagros-Berge bis in den Irak und in den Südosten der Türkei erstrecken. Die geopolitischen Regeln reichen mindestens bis in die Zeit zurück, als der Irak beziehungsweise Mesopotamien der imperialen seldschukischen Strategie half, einen abba­sidischen Kalifen in Bagdad als Aushängeschuld zu behalten. Darauf folgten anhaltende Kriege um die Oberschaft zwischen Osmanen und persischen Safawiden. Nach dem Sturz von Saddam Hussein und Festigung der schiitischen Dominanz im Irak, ist der westliche Nachbar keine Bedrohung mehr für den Iran. Es kehrte zu seiner Rolle als Pufferzone und die eigentliche Verkör­perung der iranischen Machtprojektion in der Region zurück.

Genauso wie die arabischen Stämme der Lachmiden für das persische Reich fochten, sind die schiitischen Milizen im Irak – ideologische Kinder Teherans und aufgebaut von den Revolutionsgarden (IRGC) – Stell­vertreter des heutigen Irans. Die gleichen Einheiten bilden die erste Linie gegen Irans regionale Feinde und Rivalen – namentlich gegen Israel, Saudi-Arabien und die sogenannten sunnitischen Mächte und Oppo­sitionsgruppen der Levante. Sie wären eine der hartnäckigsten und wieder erwachenden Bedrohungen jeder Invasionsarmee, die versucht, den Iran zu erobern; selbst, wenn das iranische Militär im Falle eines US-Einmarsches besiegt werden sollte.

Der Erfolg der Islamischen Republik im Irak wird gegenwärtig durch ihre Beteiligung am jemenitischen Bürgerkrieg und ihre offene Unterstützung für die schiitischen Huthi-Milizen, das Assad-Regime im syrischen Bürgerkrieg und die Hisbollah-Miliz und Partei im Libanon gespiegelt. Gleiches gilt für ihre anhaltende Anheizung sektiererischer Spannungen in den arabischen Golfstaaten.

Lange vor dem Fall des baathistischen Irak war Teheran in der Lage, regionale Politik zu beeinflussen und seine Macht durch ­Ideologie und Geldmittel zu projizieren. Aber seine Machtstellung im heutigen Irak (der von einigen mittlerweile als Vasallenstaat ­bezeichnet wird) sowie sein ungehindertes Wirken in Syrien haben ihm eine physische Präsenz in der Region ermöglicht. Seine Gegner, insbesondere Israel, haben es beschuldigt, diese Zugangsmöglichkeit zu nutzen, um ­einen Landkorridor zu schaffen und a­uszubauen, durch den Waffen, logistische Militärausrüstung und Kämpfer transportiert werden können.

Teheran hat den irakischen Staat und sein Gebiet unter fester Kontrolle. Die jüngsten Proteste des dortigen Volkes gegen seinen Einfluss haben wenig dazu beigetragen, das zu ändern. Und so bleibt es eine Tatsache, dass er auf lange Zeit ein Hauptakteur in der Region sein wird. Seine gut befestigte Topographie und geopolitische Lage geben dem Land den Bedarf, den Irak zu halten. Und das übersteigt alle Identitäten, die die Iraner annehmen, ob schiitisch oder sunnitisch, arabisch oder persisch. Letztendlich ist der Iran das ewige geopolitische Reich.

Die Vollversion des Textes erschien am 11.11. auf der Webseite des Middle East Monitor. Veröffentlichung im Rahmen einer Creative Commons-Lizenz.

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