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Schlagwort: Die Bedingungen für das Freitagsgebet?

Über das Freitagsgebet und seine wesentlichen Elemente. Von Malik Sezgin

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(iz)Zum Ende des letzten Jahres kam in der deutschen Politiklandschaft der Vorschlag auf, die Muslime mögen doch ihre Freitagsansprachen in den Moscheen auf Deutsch abhalten, damit eine für die Öffentlichkeit notwendige Transparenz gewährleist sei. In diesem Aufsatz versucht der Autor nicht nur diese Frage anhand der islamisch anerkannten Quellenlage zu prüfen, sondern rückt sie vor allem – noch wichtiger – in den Kontext der Frage, was denn überhaupt das Freitagsgebet als solches ausmacht.

Der folgende Artikel soll einen Einblick in die Bedeutung des Dschumu’a [Freitags-]-gebetes ermöglichen. Der Aspekt der Gemeinschaft hat wie in anderen ‘Ibadat [Handlungen der Anbetung] auch beim Gebet eine grosse Bedeutung.

So ist es zum Beispiel Teil der täglichen Gebete, ihre Verrichtung in Gemeinschaft und in Moscheen von einer Mindestzahl von Anwesenden zu gewährleisten. Auch die beiden Festgebete sind ein guter Hinweis auf den Wert der Gemeinschaftlichkeit – hierbei versammeln sich idealerweise alle Bewohner eines Ortes an einem einzigen Gebetsplatz, um gemeinsam Allahs zu Gedenken. Es gibt viele Anregungen, die dazu ermuntern, das Gebet in Gemeinschaft zu verrichten, und Warnungen, sich gänzlich davon loszusagen. Unter den gemeinschaftlich ausgeführten Gebeten hat das Freitagsgebet ähnlich den Festgebeten eine besondere Bedeutung. So wird zum Beispiel vom Gesandten Allahs, Friede sei mit ihm, überliefert, dass wer sich für das Gebet wäscht, sich Düfte anlegt, wenn er welche zur Verfügung hat, sich zur Moschee begibt und Platz nimmt, ohne die bereits Anwesenden zu stören, der Khutba [die Ansprache, die dem Gebet voraus geht] aufmerksam zuhört und schließlich am Gebet teilnimmt, dass dieser Person alle falschen Taten der letzten Woche vergeben werden.

Weiterhin wird von einem Zeitpunkt während des Tages des Dschumu’a berichtet, zu dem Allah Bittgebete, Duas, nicht zurückweist. Dieser Zeitpunkt ist nicht genau bekannt. Als einer der wahrscheinlichsten Zeitpunkte wird der Moment genannt, an dem der Imam während der Khutba zwischen den beiden Teilen kurz sitzt.

Die folgenden Ausführungen sind gemäß der Schule von Imam Malik. Die wesentlichen Elemente des Dschumu’a, der ‘Adhan [der Ruf zum Gebet], die zweiteilige Khutba und das Gebet mit zwei Rak’at und lauter Rezitation sind in allen Schulen gleich. Unterschiede gibt es in der Ausführung der einzelnen Elemente, die der Gesamtheit des Dschumu’a, um es beispielhaft zu sagen, nicht etwa eine andere Farbe, sondern nur eine etwas andere Tönung verleihen.

Die Verpflichtung zum Freitagsgebet Das Dschumu’a ist ein Fardgebet. Sein Name ist hergeleitet von dem Wort „dschama’a“ (vereinen, zusammenbringen, zusammenkommen). Zu den Verpflichtungen (Faraid) des Dschumua gehört, sich zum Gebet zu begeben. Allah, der Erhabene, sagt in Seinem Buch, „Oh ihr Leute mit Iman! Wenn am Tag des Dschumu’a der Ruf zum Gebet erklingt, eilt sogleich zum Gedenken Allahs.“ (Al-Dschumu’a, 9) Dieses „Eilen“ ist als ein unverzügliches sich Hinbegeben zu verstehen, in welcher Form es auch geschieht, das heißt, sei es Gehend, Reitend oder anders. Mit dem „Gedenken Allahs“ ist, wie beispielsweise in Kommentaren zur Muwatta nachgelesen werden kann, die Khutba, die zweiteilige Ansprache vor dem Gebet gemeint, beziehungsweise das Gebet selbst, beziehungsweise die Khutba und das Gebet. Das Erscheinen zum Dschumu’agebet ist verpflichtend, sofern keine ernsten Hindernisse auftreten. Wenn ein ernstes Hinderniss auftaucht, entfällt die Verpflichtung. Als ernste Hindernisse gelten beispielsweise Krankheiten, die das „sich Hinbegeben“ erschweren; oder wenn einer der Elternteile krank ist oder dem Tode nah (dies gilt auch für andere nächste Verwandte wie Kinder oder Ehefrauen); oder wenn jemand den Verlust seines Hab und Guts an einen ungerechten Herrscher, Diebe oder Brandstifter befürchtet. Weitere Hindernisse sind Unwetter und Unwegsamkeit der Wege. Die Zeit der Pflicht des Dschumu’agebetes beginnt, wenn der Imam sich zum Minbar begibt und der Mu’adhdhin den ‘Adhan ausruft. Dies gilt für Leute, deren Haus in Hörweite liegt. Für Leute, die weiter weg wohnen, gilt es, sich so zeitig auf den Weg zu machen, dass sie rechtzeitig zur üblichen Zeit des Dschumu’agebetes eintreffen. Die, deren Anwesenheit für das Zustandekommen des Dschumu’a erforderlich ist, stehen damit auch unter der Verpflichtung, zu einer Zeit zu erscheinen, dass sie die Khutba von Anbeginn vernehmen können. Alle, für die die Verpflichtung zutrifft und die im Ort ansässig sind oder in etwa drei Meilen Umkreis, stehen unter der Verpflichtung, am Dschumu’agebet teilzunehmen.

Der ‘Adhan zum Freitagsgebet Zum Dschumu’agebet werden zwei ‘Adhane gerufen. Der erste ist ein zusätzlicher ‘Adhan, um die Menschen im Voraus über das Nahen des Dschumu’agebetes zu informieren, sodass sie sich vorbereiten können. Dieser zusätzliche ‘Adhan wurde vom Khalifen ‘Uthman eingeführt. Der zweite ‘Adhan ist der Gebetsruf, der auch zu Zeiten des Gesandten, Friede sei mit ihm gerufen wurde und wird erst dann ausgerufen, wenn der Imam sich zum Minbar begibt und dort Platz genommen hat. Sobald der zweite ‘Adhan gerufen wird, ist alles, was davon abhalten könnte, sich zum Dschumu’agebet zu begeben, verwehrt. Jeglicher Handel (Kauf/Verkauf) ist ab dem Erklingen des zweiten ‘Adhan verwehrt für die, deren Erscheinen zum Dschumu’agebet erforderlich ist, außer in Fällen, wo es unumgänglich ist, wie im Falle von jemandem, der sich das Wasser für die Reinigung zum Gebet nur durch Kauf beschaffen kann. In solch einem Fall ist sowohl der Kauf als auch der Verkauf erlaubt, da hierin eine Hilfestellung zur Ibada liegt. Andere ablenkende Beschäftigungen wie Essen und Trinken, Nähen, Aufbruch zu einer Reise, Beschenkungen, Almosen geben und das Einlösen von Vorkaufsrechten sind verwehrt.

Voraussetzungen für das Freitagsgebet Es gibt zwei Kategorien von Voraussetzungen für das Dschumu’agebet. Die erste Kategorie betrifft sein Verpflichtend werden, und die rechtlich verantwortliche Person ist nicht aufgefordert, die Erfüllung dieser Voraussetzungen zu leisten. Die zweite Kategorie betrifft seine Durchführung und die rechtlich verpflichtete Person ist auch verpflichtet, diese Voraussetzungen zu erfüllen. Zu den Voraussetzungen für sein Verpflichtendwerden zählen unter anderem: • Die Bekanntmachung der Gebetszeit • Muslimsein • Erwachsensein • Zurechnungsfähigkeit • Männlichen Geschlechtes sein • Ortsansässigkeit • Gesundheit • Nähe zum Ort des Dschumu’a, das heißt in einem ungefähren Umkreis von drei Meilen • Dass der Ort des Gebets eine Siedlung ist Voraussetzungen für seine Durchführung, das heißt seine Gültigkeit, sind vier: • Der Imam • Die Dschama’at, eine Gruppe von Leuten • Die Moschee • Die Khutba Das Dschumu’agebet ist verpflichtend, wenn der Ort groß genug ist und in ihm die erforderliche Zahl von Verpflichteten residiert. Gemäß der Schule von Imam Abu Hanifa findet ein Dschumu’agebet nur in Städten statt. Gemäß der Schule von Imam Malik kann es sowohl in Städten wie auch an Ortschaften verrichtet werden, deren Häuser miteinander verbunden sind. Weiterhin sollte es auch in der ältesten Moschee des Ortes verrichtet werden. In der Schule von Imam Malik wird als Mindestzahl von verpflichteten Anwesenden die Zahl 12 zuzüglich des Imams genannt. Imam Abu Hanifa nennt drei Anwesende und den Imam, und sein Schüler Abu Yusuf zwei Anwesende und den Imam. Es ist verpflichtend für jeden, für den die Voraussetzungen für die Verpflichtung erfüllt sind, wenn er sich im Ort oder in einem ungefähren Umkreis von drei Meilen befindet und er nicht durch ernste Hindernisse abgehalten wird. Es ist nicht verpflichtend für Reisende, für die Pilgernden bei Mina, außer für solche, die dort ansässig sind, wenn dort die Dschumu’apflicht erfüllt wird, und nicht für Frauen oder für Kinder. Wenn diese jedoch am Dschumuagebet teilnehmen, gilt es anstelle ihres Mittagsgebetes.

Die Khutba zum Freitagsgebet Vor dem Dschumu’agebet muss eine Khutba gehalten werden. Sie ist eine Voraussetzung für die Gültigkeit dieses Gebets, denn es ist nicht überliefert, dass der Gesandte Allahs, Friede sei mit ihm, je ohne vorherige Khutba das Dschumu’agebet verrichtet hat. Wenn das Gebet verrichtet wird, ohne dass ihm eine Khutba vorausgeht, ist es zu wiederholen, und wenn seine Zeit abgelaufen ist, in Form des Mittagsgebetes nachgeholt. Es gibt einige Bedingungen für die Gültigkeit der Khutba: Sie vor dem Gebet zu halten. Sie nach dem Mittag zu halten. Sie vor der anwesenden, versammelten Gruppe, der Dschama’at, die das Dschumu’agebet verrichten wird, zu halten. Dass sie aus zwei Teilen besteht. Sollte das Gebet nach nur einem Teil verrichtet werden, wird es wiederholt, nachdem der zweite Teil nachgeholt wird. Weiterhin, dass sie laut vorgetragen werde. Wenn sie nicht laut vorgetragen wird, ist sie ungültig. Wenn möglich, ist es vorzuziehen, sie ganz in der Arabischen Sprache vorzutragen. Das Minimum jedoch ist, „Al-Hamdu lillah“ (Gelobt sei Allah), die „Schahada“ (das doppelte islamische Glaubensbekenntnis), die Segenswünsche für den Gesandten Allahs, Friede sei mit ihm, also die „Salawaat“, die „Ermahnung“ und „Gute Botschaft“, Verse des Qur’an, einen „Aufruf zur Taqwa“, wobei ein Qur’anvers wie zum Beispiel, „O ihr Leute mit Iman, habt Taqwa vor Allah!“ ausreicht, und eine abschließende „Dua“ (Bittgebet) auf Arabisch vorzutragen. Werden diese Teile auf Arabisch vorgetragen, können ausführende Teile der Khutba in einer anderen Sprache als der Arabischen vorgetragen werden. Bei einer Khutba, die gänzlich auf Arabisch vorgetragen wird, kann nach dem Dschumu’a eine Übersetzung stattfinden. Es gibt zwei berühmte Meinungen darüber, ob rituelle Reinheit eine Bedingung für die Gültigkeit der Khutba sei. Eine besteht auf sie als Bedingung, nach der anderen ist sie keine Bedingung, jedoch ist es verpönt, sie ohne die rituelle Reinigung vorzutragen. Es ist empfohlen, dass sich der Imam während der Khutba auf einen Stock oder ähnliches stützt. Es gibt verschiedene Meinungen über das Stehen während der Khutba. Wird sie im Sitzen gehalten, ist sie zwar gültig, jedoch gilt das als schlechtes Benehmen. Das Sitzen vor ihr und zwischen ihren beiden Teilen ist eine Sunna [prophetische Praxis]. Die Länge des mittleren Sitzens ist wie das Sitzen zwischen zwei Niederwerfungen im Gebet. Die Anwesenden sollen sich während der gesamten Khutba dem Imam zuwenden. Es ist für die Anwesenden verpflichtend, Stille zu wahren und dem Imam während der beiden Teile der Khutba und während seines Sitzens zwischen den beiden Teilen ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken, selbst wenn sie seine Worte nicht verstehen können. Jemandem, der niest, werden die üblichen Segenswünsche ausgesprochen, doch der Niesende spricht das übliche „Al-Hamdulillah“ im Stillen bei sich. Salam [Friedenswünsche] werden nicht ausgesprochen, noch angenommen, nicht einmal durch Andeutung. Es darf während der Khutba nicht Wasser getrunken werden. Kurzum, alles, was der Verpflichtung, Stille zu wahren, widerspricht, ist nicht erlaubt. Ausnahmen sind Worte des Gedenkens zu bestimmten Anlässen wie beispielsweise Segenswünsche, wenn während der Khutba die Sahaba [Gefährten des Propheten] erwähnt werden; Amin zu sagen, wenn um Vergebung gebeten wird, oder Bewahrung vor dem Feuer; Zuflucht zu suchen, wenn das Feuer oder Schaitan erwähnt werden; oder die Segenswünsche für den Gesandten Allahs, wenn sein Name erwähnt wird. All dies geschieht jedoch leise. Nach der Khutba wird das Dschumu’agebet verrichtet. Dabei ist es eine Bedingung für seine Gültigkeit, dass es im Anschluss an die Khutba verrichtet wird. Eine weitere Bedingung für seine Gültigkeit ist, dass das Gebet von dem Khatib geleitet wird, der die Khutba vortrug. Wenn er vom Gebet abgehalten wird, wie beispielsweise die Notwendigkeit, Wudu’ [die rituelle Gebetswaschung] zu verrichten, oder durch Nasenbluten, und es gibt Wasser in der Nähe, soll mit dem Gebet auf ihn gewartet werden. Wenn er jedoch eine weite Strecke zurücklegen muss, ernennt er jemanden an seiner Stelle, und bevorzugt jemanden, der bei der Khutba anwesend war. Das Dschumu’agebet besteht aus zwei Rak’at, die Rezitation während des Gebetes wird laut gemacht. Der Imam muss die Absicht fassen, die Gruppe zu leiten. Es wird empfohlen, dass das Gebet zu Beginn seiner Zeit verrichtet wird, und diese ist der Mittag. Die allgemein bekannte Sicht in der Schule von Imam Malik ist, dass dessen Zeit bis Sonnenuntergang andauert. In der ersten Rak’at sollte die Sura „Al-Dschumu’a“ oder eine ähnliche [ähnlich in ihrer Länge], in der zweiten die Sura „Al-Ghashiya“ oder eine ähnliche rezitiert werden.

Weitere Dinge Es ist notwendig, einen Ghusl [rituelle Ganzkörperwaschung] für das Gebet zu verrichten. Dies ist eine bestätigte Sunna. Er wird vor dem Dschumu’a, gemäß der bekannten Sicht, unmittelbar vor dem Aufbruch verrichtet. Es wird empfohlen, frühzeitig zu erscheinen, jedoch nicht gleich zu Beginn des Tages. Dies wiederum ist unbeliebt. Es ist empfohlen, wohlriechende, jedoch nicht zu starke Düfte anzulegen, für Männer, für Frauen nicht. Es ist für die Anwesenden empfohlen, nach dem Gebet aus der Moschee zu gehen, ohne freiwillige Gebete zu verrichten. Es ist jedoch empfohlen, freiwillige Gebete vor dem Dschumu’a zu verrichten, bis der Imam erscheint und dass dieser sich, ohne selbst freiwillige Gebete in der Moschee zu verrichten, zum Minbar begibt – danach werden keine freiwilligen Gebete mehr verrichtet und bereits begonnene schneller beendet.

Hinweise: „Ath-Thamaru’Dani fi Taqribi’l-Ma’ani“, Scharh Risala Ibn Abi Zayd Al-Qairawani, Kapitel 15: Über das Dschumu’agebet

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