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Schwimmunterricht: Der Interkulturelle Rat fragte nach

Ein Mythos der Debatte

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(iz). Zu den großen Schwächen unserer Zeit gehört die mangelnde Unterscheidung zwischen Tatsache und Meinung. Dass dies nicht nur die Islamberichterstattung betrifft, muss jede öffentliche Person erfahren. Gerade im Umgang mit und vor allem in der medialen Debatte über den Islam tritt dieser Mangel oft genug in Reinform zu Tage.

Zu den am häufigsten zu hörenden Behauptungen, die augenblicklich gegen Muslime konkret ins Feld geführt wird, zählt die Mutmaßung, religiös praktizierende Eltern würden ihre Kinder zuhauf nicht am Schul-Schwimmunterricht teilnehmen lassen. Insbesondere Diskutanten wie Dr. Necla Kelek und viele andere – berufene wie unberufene – Publizisten und Islamkritiker führen diese vermeintliche Tatsache ins Feld, um ihrer Vorstellung Nachdruck zu verleihen, Deutschland stehe vor einer baldigen oder schleichenden „Islamisierung“.

Es bedurfte erst einer grundlegenden und gewissenhaften Recherche des „Zeit“-Autors Martin Spiewak, um dieses Gedankengebäude auseinander zu nehmen. Eine Nachfrage des „Clearingprojektes“ des Interkulturellen Rates in Deutschland (IR) bei den zuständigen Fachministerien in den Bundesländern hat nun Spiewaks eigene Recherchen bestätigt, wonach dies nur Einzelfälle seien. „Die Nichtteilnahme muslimischer Schülerinnen am Schwimmunterricht ist im Schulalltag kein drängendes pädagogisches Problem“, heißt dazu es in einem Pressetext zur Veröffentlichung des Interkulturellen Rats.

Auch der Vorwurf, Schulbehörden leisteten einer vermeintlichen Massenverweigerung muslimischer Schulkinder Vorschub, bestätigte sich nicht. Im Gegenteil reagierten alle Schulbehörden restriktiv, wenn muslimische Eltern beantragen, dass ihre Tochter wegen ihrer Religion vom Schwimmunterricht freigestellt wird, berichtete die „Frankfurter Rundschau“ in einem Artikel zum Thema. Mehr noch, ein solches Verhalten, so der Interkulturelle Rat, wirke sich nach Rückfragen in mehreren Bundesländern auch nachteilig auf die Benotung im Bereich des sozialen Verhaltens aus. Mit Ausnahme Bremens und Hamburgs haben alle Bundesländer die Anfrage beantwortet.

Der Leiter des Clearingsprojekts, Torsten Jäger, kam zu einem recht deutlichen Schluss: „Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass die in öffentlichen Diskussionen häufig geäußerten Unterstellungen falsch sind, wonach die Nichtteilnahme von muslimischen Schülerinnen am Schwimmunterricht in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen und zu einem Problem geworden ist, das den Erziehungsauftrag der Schule gefährdet.“

Die Studie ist als PDF-Download auf der Webseite des Interkulturellen Rates (www.interkultureller-rat.de) zu beziehen.

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