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Sehnsucht nach neuen HeldInnen

Comics sind aus dem zeitgenössischen Kultur-Kanon nicht mehr wegzudenken. Längst gehören Muslime dazu – als Helden und als Leser. Von Sulaiman Wilms & Layla ­Abdullah-Poulos

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Foto: Twitter

(iz). Obwohl man die Treffen von Comic- und Zeichentrickfans auch von Deutschlands Buch­messen kennt, so ist das Genre etwas ganz Besonderes in den Vereinigten Staaten. Zu diesen gehört die New Yorker Comic Con (kurz für „Convention“). Bei dem dreitägigen Event kommen regelmäßig mehr als 180.000 Fans zusammen. Dieses Mal brachte das Event mehr als 100 Millionen US-Dollar in die Kassen der lokalen Wirtschaft.

In diesem Jahr schlossen sich MuslimInnen medienwirksam dem kreativen Publikum an, um ihre Talente und ihre einzigartigen Stimmen einfließen zu lassen. Zum ersten Mal in der Geschichte dieser Messe gab es ein rein muslimisches Panel, auf dem Anime, Comics, die Fan-Gemeinde und muslimische Kultur diskutiert wurden. Unter dem Titel „Salaam Nerds & Geeks: Islam, Fandom, Comics & Popular Culture“ nahmen Künstler und Kulturkritiker teil, um ihre Sichtweisen auf die kreative Kultur von US-Muslimen zu teilen.

Fragen der Vertretung
Die Comicsparte ist eine enorme Industrie voller Kreativität sowie vielen Fans. In New York sprach der muslimische Comickünstler Omar Mirza über die Motive für seine Serie „Zindan: The Last Ansaars“. Der wirkliche Katalysator für sein Projekt sei die Welt nach dem 11. September 2001 gewesen. Vorher habe es nicht diesen Antrieb für das Teilen der eigenen Geschichten gegeben. „Es gibt so viele falsche Darstellungen von Islam und Muslimen in den Medien. Ich denke, dass die Fangemeinde und Popkultur ein gutes Mittel sind, die islamische Erfahrung zu normalisieren, sodass die Leute uns nicht als fremd und beängstigend betrachten.“

Adil Imtiaz sprach über seine Veröffentlichung der Baraaq Comicbuchreihe. „Schauen wir auf Filme wie Batman vs. Supermann oder die erste Folge von Ironman. Da gibt es Szenen mit Muslimen, in denen Stereotype über muslimische Kultur fortgeführt werden.“ E habe experimentiert, um zu sehen, welche Reaktionen er bekommen würde. „Alhamdulillah, die Antwort war weltweit großartig. Wir haben uns entschieden, den nächsten Schritt zur Animation zu gehen und arbeiten an einer Webserie.“

Nicht alle Künstler wollen ausdrücklich islamische Inhalte schaffen. Aber ihre Stimmen bleiben Teil der Kultur. „Es gefällt mir einfach, Bilder und Drucke zu kreieren“, sagte die Grafikdesignerin und Mangakünstlerin Hameedah Polous.

Kreativität
Lebendige Schaffenskraft von Muslimen war auf der ganzen New Yorker Comic Con zu sehen. Fachjournalisten zeigten sich beeindruckt von der harten Arbeit und dem Engagement, das muslimische Künstler für ihre Arbeit aufwenden. „Ich möchte mehr über Leute schreiben, die kreativ und Muslime sind“, sagte die Journalistin Jasmine Bager.

„Ihr seid hier alle für uns gekommen und wir danken euch“, erklärte die Comicexpertin Yasmine Yasmine. „Den Nichtmuslimen unter euch gilt unser Dank für die Unterstützung.“ Yasmine stellte sicher, dass es einen Applaus für die Hijabi Heroes gab. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Musliminnen mit Kopftuch, die in Kostümen ihrer Lieblingscomichelden auftraten. Die Gruppe gewann einen dritten Preis des Branchengiganten Marvel für Cosplayer (Kostümspieler, Leute in den Kostümen von Anime- und Comichelden).

Längst Teil verschiedener Comic-Universen
Muslime in Comics sind längst nicht mehr nur Teil der Kulisse oder treten in stereotypen Bildern als Schurken oder folgenlosen Exoten aus. Nicht nur, aber vor allem bei den beiden dominanten Comicverlagen Marvel und DC finden sich längst verschiedene HeldInnen. Noch sind die Chancen gering, dass sich muslimische ComicheldInnen auch einen Platz auf dem lukrativen Markt der Verfilmungen sicher können. Aber laut Gerüchten soll es zumindest Pläne für Kamala Khan alias Ms Marvel (zu ihr später mehr) geben.

Neben Kamala Khan (Marvel) gibt es Simon Baz. Er ist das erste muslimische Mitglied der Gruppe der Grünen Laternen. Sein Schöpfer Geoff John ließ sich dabei von seinem eigenen libanesischen Hintergrund inspirieren. Nach dem 11. September 2001 wird Baz wegen seiner Herkunft diskriminiert und entscheidet sich in Folge, eine Grüne Laterne zu werden. Er schließt sich der Gerechtigkeitsliga (engl. Justice League, DC Comics) an.

In Marvels Mutanten-Universum der X-Men und der verwandten Reihen finden sich gleich zwei Heldinnen: Monet St. Croix und Soorayah Qadir. St. Croix ist eine Mutantin mit verschiedenen übermenschlichen Kräften wie Superstärke, Unverletzlichkeit und Geschwindigkeit. Außerdem kann sie Fliegen und ist Telepathin. Sie war ein Mitglied in verschiedenen Branchen der X-Men. In einem Band von „X-Factor“ wurde enthüllt, dass Monet St. Croix Muslimin ist. Anlässlich einer anti-muslimischen Demonstration, die an die New Yorker Proteste im Jahre 2010 gegen ein islamisches Kulturzentrum angelehnt sind, verteidigt sie ihre religiöse Erziehung. Sie fliegt über die Menge mit den Worten: „Ich bin ein Muslim und ein Mutant!“

Soorayah Qadir ist eine andere Mutantin, die ebenfalls Mitglied bei den X-Men wird. Ursprünglich aus Afghanistan entdeckt sie ihre Kräfte, nachdem sie von einem Sklavenhändler angegriffen wird, der ihren Gesichtsschleier entfernen will. Sie kann ihren Körper in eine sandartige Substanz wandeln. Sie ist Teil verschiedener X-Men-Teams.

Bei Marvel finden sich derzeit – angesichts der Größe des Verlages auch keine Überraschung – die meisten muslimischen HeldInnen auf dem Mainstreammarkt. Neben den erwähnten Charakteren gibt es auch noch Dr. Faiza Hussain (Captain Britain and MI: 13). Die Ärztin erhält die Fähigkeit zur Kontrolle von Organismen. Diese Kraft nutzt sie nicht nur als Medizinerin, sondern auch als Superheldin. Darüber hinaus führt sie auch das legendär-mythische Schwert Excalibur, was sie im Kampf gegen Vampire nutzt. Hussain tauchte ebenfalls in Marvels erfolgreicher Kurzserie „Age of Ultron“ auf.

Im Tandem
Mit einigem Recht lässt sich sagen, dass Kamala Khan aka Ms Marvel (Marvel Comics) derzeit die beliebteste muslimische Comicheldin ist, soweit es Verbreitung und Umsätze gibt. Das liegt unter anderem an der liebevollen Ausformung des Charakters und der realistischen Darstellung ihres Umfeldes.

Kamala, Tochter von Einwanderern aus dem Subkon­ti­nent, versucht, ihr traditionelles Elternhaus, ihr Leben in den USA, Schule und ihre Religion in Einklang zu bringen. Dabei sind gerade Familie und Eltern nicht stereotyp , sondern im Grunde sympathisch. Immerhin ist es der Kopf der Familienmoschee, der ihr hilft, eine Superheldin zu werden, ohne dass er überhaupt etwas von ihren Kräften weiß.

Die Qualität der Serie liegt auch daran, das zwei Musliminnen an ihrer Schöpfung beteiligt sind. Sana Amanaat ist Comic-Schöpferin beim Verlag. Und Willow Wilson, eine Konvertitin, hat den Charakter geschrieben. Für Ms Marvel erhielt sie zwei renommierte Comic- und Fantasy-Preise.

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