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Sich den Maximen annehmen (4)

IZ-Kurzserie über die Grundsätze des islamischen Rechts

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(iz). Die vierte Maxime besagt, dass Beschwernisse beziehungsweise Härten erleichtert werden müssen. Um diesen Grundsatz zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass Beschwernisse nicht das Gleiche wie Probleme sind. Im Gegensatz zu Härten sind Schwierigkeiten nicht notwendigerweise etwas Schlechtes. Erfolg im Leben gibt es nicht ohne Schwierigkeiten und harte Arbeit. Spirituelle beziehungsweise rituelle Verantwortlichkeit (arab. Taklif), die Basis der islamischen Verpflichtung, bedeutet auf Arabisch „Auferlegung einer schweren Last“. Das liegt an dem Fakt, dass Handlungen der Anbetung und anderer religiöser Pflichten einen gewissen Grad an Schwierigkeit mit sich bringen.

Härte, auf die sich in dieser Maxime bezogen wird, schließt nützliche Schwierigkeit aus, die für Übung, Studium, Arbeit und Anbetung nötig ist. Im Islam wird großer Wert auf zweckmäßige Anstrengung gelegt. Der Din macht aber die Aufhebung schädlicher Schwierigkeiten nötig. Die vorangegangene Maxime („Schaden muss entfernt werden“) betont die Eliminierung von Schaden. Der Fokus des vorliegenden Grundsatzes ist ein anderer.

Härten sollen nicht nur entfernt werden, sie müssen auch durch etwas Besseres ersetzt werden. Jene Regel fordert die Schaffung von Alternativen. Denn diese sind das Mittel, durch welches eine Erleichterung hervortreten kann. In vielen Fällen mag es nicht wünschenswert sein, ein Verhalten komplett zu unterlassen, das zu Beschwernissen führt. Es mag besser sein, diese Handlung zu ändern oder Alternativen zu schaffen, sodass diese oder etwas Besseres sich ereignen kann; auf eine Art und Weise, die leichter und lohnenswerter ist.

Im Qur’an heißt es: „Allah will euch keine Bedrängnis auferlegen, sondern Er will euch reinigen und Seine Gunst an euch vollenden, auf daß ihr dankbar sein möget.“ (Al-Ma’ida, 6) Und an anderer Stelle findet sich: „Allah will es euch leicht machen, denn der Mensch ist (ja) schwach erschaffen.“ (An-Nisa, 28)

Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, wies uns an: „Macht die Dinge leicht, macht sie nicht schwer. Gebt den Leuten die frohe Botschaft und treibt sie nicht weg.“ Er sagte auch: „Die Essenz des islamischen Dins ist Erleichterung. Niemand wird sich den Extremen zuwenden, es sei denn, sie überwältigen ihn. Bemüht euch, das Richtige zu tun. Versucht euch, dem Richtigen so nah wie möglich anzunähern und gebt den Leuten die Frohe Botschaft.“ In einer dritten Überlieferung des Propheten, Allahs Heil und Segen auf ihm, heißt es: „Wenn euch aufgetragen wurde, etwas zu tun, dann verrichtet davon das euch Mögliche.“

Für manche Muslime scheint der Islam nicht authentisch genug, wenn es nicht beschwerlich ist. Gelegentlich nehmen sie unnötig rigorose Haltungen ein, die ihre Psyche an ihre Zerreißstelle führen. Doch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, machte klar, dass Islam eine Religion der Erleichterung ist und dass Leiden um des Leidens willen nicht lobenswert ist und Allah nicht zufriedenstellt. Der Prophet zog es bei den Dingen vor, den leichteren Weg zu gehen. In einer bestätigten Aussage heißt es: „Dem Gesandten Allahs wurde niemals die Wahl zwischen zwei guten Dingen gegeben, von denen eines leichter war als das andere, ohne dass er sich dabei nicht für die leichtere Sache entschieden hätte.“ Von ihm wurde ebenfalls überliefert: „Gewiss, der beste Teil eurer religiösen Praxis ist, was euch am leichtesten fällt.“

Die Differenz zwischen der Entfernung von Schaden und der Erleichterung von Beschwernis ist im Wesentlichen eine Frage der Abstufung. Wenn die breite Definition von Schädlichem auch auf seine kleineren Manifestationen ausgeweitet wird, dann tendieren beide Maximen dazu, sich zu überschneiden. Gemeinsam bezeugen sie die Entschlossenheit des Islam zu vernünftigen Normen, die frei von Schaden und so nützlich wie möglich sind.

Für dieses Prinzip gibt es diverse Beispiele in der alltäglichen rituellen Praxis. So ist es bei extremer Kälte, Krankheit oder der Abwesenheit von Wasser erlaubt, sich rituell durch den Kontakt mit reiner Erde (Tajammum) zu reinigen. Den Reisenden ist es erlaubt, die Gebete zu verkürzen und zusammenzufassen. Normalerweise dürfen muslimische Männer kein Gold tragen, aber das islamische Recht gesteht es ihnen zu, Zähne oder Füllungen aus Gold zu tragen.

Schließlich definiert die Maxime „Beschwernis muss erleichtert werden“ einen entscheidenden Standard für neue oder wieder praktizierende Muslime. Nur die grundlegenden Obligationen müssen von ihnen erwartet werden. Und der Übergang sollte stufenweise und leicht verlaufen. (Nawawi Foundation)

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