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„Sie stehlen unsere muslimische Identität, wollen in unserem Namen handeln”

Wie Identitätsdiebstahl und der Anspruch von Extremisten sich ähneln

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Foto: Hamza Yusuf

(iz). Eines unserer Hauptprobleme in den USA ist zurzeit der so genannte Identitätsdiebstahl. Jemand kann anhand deiner Kreditkarte oder deiner Sozialversicherungsnummer buchstäblich Du werden. Man kann einkaufen gehen mit der Kreditkarte und das alles unter einem falschen Namen. Es gibt beispielsweise einen Fall, wo es zu solch einem Identitätsdiebstahl kam und jemand nach dem Überziehen des Kreditkartenlimits durch andere kriminelle Aktivitäten auffiel. Diese Person tat das aber unter dem gestohlenen Namen. Der Bestohlene bekam über den Geldschaden hinaus Vorstrafen, die jemand anderes in seinem Namen begangen hat.

Wir als Muslime leiden derzeit auch unter Idenditätsdiebstahl. Es gibt Leute, die die Identität unserer Religion gestohlen haben. Sie behaupten im Namen der Religion zu handeln. Sie begehen Verbrechen, begehen kriminelle Aktivitäten im Namen der Scharia. Zudem sind sie Leute, die behaupten, Gelehrten zu folgen. Also haben sie zusätzlich auch die Identität der Gelehrten gestohlen und präsentieren sich selbst als solche. Als seien sie diejenigen, die der Prophet meinte, als er sie als seine Erben bezeichnete. Aber sie haben keinerlei Qualifikationen.

Eine der Methoden gegen Identitätsdiebstahl in den USA ist die Person anzurufen und sicherzustellen, dass es kein verdächtiges Verhalten gibt oder die Person nicht irgendwo ist, wo sie normalerweise nicht sein sollte. Weil es so oft zu diesen Diebstählen kam, haben wir also nun Mechanismen.

Als muslimische Gemeinschaft müssen wir über Wege nachdenken, dem Diebstahl unserer eigenen Identität vorzubeugen. Das große Problem, mit dem wir uns konfrontiert sehen, ist, dass plötzlich Leute, die überhaupt gar nicht geeignet dafür sind, Rechtsgutachten zu islamischen Angelegenheiten verbreiten. Sie lassen sich Bärte wachsen, kleiden sich oberflächlich islamisch und zitieren arabisch sprechend den Propheten.

In einem Hadith, der von Abu Hudhayfa überliefert wurde, wird der Prophet, Allahs Frieden und Segen auf ihm, gefragt, ob es eine schädliche Zeit nach der segensreichen Zeit gebe. Er beschrieb, der Schaden käme durch Leute, die äußerlich „von uns“ sind und in der gleichen Sprache, mit den gleichen Worten sprechen und betonte, „aber sie gehören nicht zu uns“. Wer ihnen folge, folge dem Weg in die Hölle.

Zu den Hauptherausforderungen dieser Tage zählt die, durch die Globalisierung beförderte, Verbreitung von Nachrichten einzelner Begebenheiten. Es braucht einen Menschen, der etwas Kriminelles im Namen des Islam tut und die Leute gucken uns alle an, als seien wir selbst die Kriminellen. Das heißt, man hat unsere Identität gestohlen, man spricht in unserem Namen, im Namen unserer Religion. Und dabei ist man grausam.

Einst sah ein Beduine den Propheten, Allahs Frieden und Segen auf ihm, einem Kind einen Kuss geben. Er fragte ihn, warum er dies täte und sagte, dass man das bei ihnen so nicht tun würde. Der Prophet erwiderte: „Gibt es irgendetwas in meiner Religion für Menschen, denen Allah jegliche Barmherzigkeit aus dem Herzen nahm?“ Das heißt, wer keine Barmherzigkeit in sich trägt, also einem unschuldigen Kind nicht einmal einen Kuss geben kann, der solle sich eine andere Religion suchen.

Heute sieht man Menschen straflos töten. Und wir müssen uns fragen, was genau passiert ist, dass man solche Perversionen mitansehen muss. Was uns Muslime ausmacht ist, dass wir unsere Religion nicht im Geheimen für uns behalten wollen. Wir wollen sie der Welt mitteilen, zu ihr einladen.

Wir müssen also ernsthaft über dieses Problem nachdenken. Die Zahl derer, die denkt, Muslime repräsentieren eine Gruppe Bösewichte steigt. Und sie haben Angst vor uns, wenn sie uns sehen. Erst recht, wenn man einen Bart oder eine Kopfbedeckung trägt. Das ist eine Krise. Wir sehen die Verbrechen dieser Leute in unserem Namen. Wo darin ist Islam? Es gibt im Islam nirgendwo eine Rechtfertigung unschuldige Menschen anzugreifen.

Wir haben es mit Menschen zu tun, die aus ihrer Wut herausarbeiten. Sie wollen sich rächen an der Menschheit. Dabei nutzen sie Islam als eine Art Ausrede für ihre gewalttätige Natur. Jeder Mensch hat etwas zu beklagen, auch Muslime haben Dinge zu beklagen. Ich beklage als Amerikaner auch, wohin mein Land sich entwickelt, ich beklage Drohnenangriffe oder unser Vermächtnis im Irak. Aber unsere Religion erlaubt uns nicht das Land, in dem wir leben, von innen zu untergraben.

Die Leute, die unsere Identität zu stehlen versuchen, stehen aber nicht für unsere Identität. Wer sind ihre Lehrer? Wir haben eine Tradition des Lehrens. Es ist eines der Zeichen der Endzeit, dass über die Religion von Leuten gesprochen wird, die kein Wissen darüber haben. Sie geben Rechtsgutachten ohne zu wissen, was sie sagen. Die echten Gelehrten studieren jahrelang diverse Wissenschaften. Sei es die Rechtswissenschaft oder die Interpretation des Qur’an (Tafsir). Allein das nimmt Jahre in Anspruch. Man muss die verschiedenen Meinungen studieren, die Deutungen kennen, Definitionen verstehen. Imam as-Schafii studierte 17 Jahre die arabische Sprache um dieser Aufgabe überhaupt nachgehen zu können.

Während die Prophetengefährten vor Fragen der Religion Respekt hatten und an Wissendere zu vermitteln versuchten, verhalten sich Leute heute unaufgefordert wie Richter. Ohne eine echte Autorität zu haben. Wenn man kein Wissender ist, muss man zu den Wissenden gehen. Und diese müssen identifiziert werden können. Wenn wir den Unterschied nicht deutlich machen, dann wird es weiterhin Leute geben, die das Wort derer ernst nehmen, die unsere Identität zu stehlen versuchen.

Dem Artikel liegt ein Vortrag Hamza Yusufs zu Grunde.

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