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Sieben Jahre nach Rana Plaza

An den Produktionsbedingungen in der ­Texttilindustrie hat sich nicht viel geändert

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Foto: Y. Belorusets/Clean Clothes

(ots). Vor sieben Jahren stürzte die Rana-Plaza-Textilfabrik in Bangladesch ein. Mehr als 1.200 Frauen und Männer starben damals. Die Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico inter­national unterstützt seit dem Unglück einen Gewerkschaftsbund in Bangladesch, der Verletzte und Hinterbliebene des Unglücks vertritt. Derzeit berichtet die Organisation von den verheerenden sozialen Folgen der Covid-19-Epidemie für die Textilarbeiter in Bangladesch.

„Der 24. April 2013 gehört zu jenen Tagen, die wir in Deutschland niemals vergessen dürfen. Er erinnert uns an die Verantwortung deutscher Unternehmer und Konsumenten für die Arbeits- und Lebensbedingungen entlang der globalen Lieferketten“, so Thomas Seibert, Menschenrechtsreferent bei medico international.

Zahlreiche deutsche Unternehmen ließen in dem maroden Gebäude Kleidung produzieren und riskierten wissentlich Gesundheit und Leben der Arbeiter. Überlebende und Hinterbliebene erhielten Entschädigungszahlungen, an denen sich längst nicht alle verantwortlichen Unternehmen beteiligten.

Noch immer werden bei der Produktion unserer Kleidung Menschen- und Arbeitsrechte verletzt – aktuell durch die Coronakrise. Nicht nur in Asien oder Afrika, sondern auch bei uns in Europa. Wir brauchen endlich ein Gesetz, das Modeunternehmen zwingt, dafür zu sorgen, dass die Menschenrechte in ihren Lieferketten nicht mehr verletzt werden.

In Serbien, der Ukraine, Kroatien und Bulgarien nähen an die 120.000 Beschäftigte für deutsche Modefirmen wie Hugo Boss, Gerry Weber, Esprit sowie andere deutsche Supermarkt-, Drogerie- und Modeketten. Fabrikbesitzer zwingen sie auch jetzt, in die Fabrik zu gehen und zu arbeiten – trotz des Risikos, sich und ­damit ihre Familien mit dem SARS-CoV-2 zu infizieren. Das zeigen aktuelle ­Recherchen der Clean Clothes Campaign und von Brot für die Welt.

„Hugo Boss verweist immer auf seinen Corporate Health Award, doch bei ­seinem kroatischen Lieferanten gab es im Januar nicht einmal genügend Seife und Toilettenpapier“, kritisiert Bettina Musiolek von der Clean Clothes Campaign (CCC). „Die Coronakrise hat die Modehäuser getroffen – doch derzeit tragen vor allem die letzten Glieder der Kette, die Beschäftigten, die Hauptlast. Wie sie diese Last mildern wollen, darüber hüllen sich Hugo Boss, Esprit und Gerry Weber in Schweigen.“

„Um vom Lohn leben zu können, müssten die Näherinnen in der Ukraine, Serbien, Kroatien oder Bulgarien das Drei- bis Fünffache verdienen“, so Musiolek. Dies passiere auch nicht, weil Marken wie Hugo Boss, Esprit und Gerry Weber ihren Lieferanten viel zu niedrige Einkaufspreise zahlen.

Aktuell fällt selbst dieser Lohn oft weg, weil Modeunternehmen in Deutschland Aufträge kündigten. Oder weil Fabriken, die für deutsche Modemarken wie Hugo Boss produzieren, ihre Beschäftigten zwingen, unbezahlten Urlaub zu nehmen. Ausfallzahlungen gibt es nicht.

Die CCC fordert von Esprit, Gerry Weber und Hugo Boss, sich bei ihren Lieferanten zu engagieren. „Das heißt derzeit konkret, die erteilten Aufträge nicht zu stornieren und fristgerecht zu bezahlen“, so Musiolek. „Und sie müssen ihre Lieferanten in den Produktionsländern dabei unterstützen, den Gesundheitsschutz der Näherinnen sicherzustellen“. Dazu gehört, die Arbeitenden sicher zu den noch arbeitenden Fabriken zu transportieren, dort für ausreichend ­Abstand zwischen den Nähmaschinen zu sorgen sowie Schutzausrüstung bereitzustellen. Dies sei bislang zumeist nicht der Fall, berichten Beschäftigte.

Musiolek resümiert: „Trotz aller freiwilligen Brancheninitiativen und wohlklingenden Siegel hat sich in den letzten Jahrzehnten die Menschenrechtssituation in den Kleiderfabriken der europäischen Billigproduktionsländer nicht verbessert.“ Umso wichtiger ist die Forderung der Initiative Lieferkettengesetz nach einem gesetzlichen Rahmen, der auch in Krisenzeiten garantiert, dass Unternehmen die Menschenrechte entlang ihrer Lieferketten sicherstellen.

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