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Sozialwissenschaftler führt Imam-Fortbildungen und Studie zu Imamen in Deutschland durch

Hintergrund: Der importierte Hodscha

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(iz). Laut einem Beitrag im „Spiegel“ und einer dazugehörigen Meldung habe der Duisburger Sozialwissenschaftler Dr. Rauf Ceylan in einer Studie festgestellt, dass „Imame in Deutschland kaum zur Integration beitragen“ könnten. Außerdem gehörten „bis zu 20 Prozent von ihnen einer fundamentalistisch-konservativen Strömung an“, so die Meldung. Gegenüber der IZ stellte Rauf Ceylan diese Aussage richtig. Ceylan hat im Rahmen eines Projekts der Konrad-Adenauer-Stiftung zusammen mit dem türkischen Religionsministerium Diyanet in der Türkei Fortbildungen, so genannte Orientierungskurse, für Imame abgehalten, die nach Deutschland geschickt werden sollen. Daneben betreibt er seit einem Jahr eine qualitative Forschungsstudie über Imame in türkischstämmigen Moscheegemeinden in Deutschland. Diese Studie sei aber noch nicht abgeschlossen. Anlässlich der Imam-Schulungen in der Türkei habe er kürzlich eine Presseerklärung verschickt, bei der die Imam-Studie, für die er auch Interviews mit Imamen in der Türkei geführt habe, die nach Deutschland geschickt werden sollen, nur nebenbei erwähnt habe. Als er nach seinen Kategoriebildungen von Imamen gefragt wurde, habe der „Spiegel“-Journalist aus „traditionell-konservativ“ ein „fundamentalistisch-konservativ“ gemacht.

Richtig ist laut Ceylan hingegen seine Aussage, dass in den Moscheen die korrekte Rezitation des Qur’ans im Vordergrund stehe und eine inhaltliche Auseinandersetzung nicht primäres Ziel sei. Dies sei allerdings auch kein überraschendes Ergebnis. „In fast allen Moscheen, in denen ich war, geht es nur um Memorieren und Rezitieren. Das habe ich auch mit den Imamen angesprochen. Es gibt eine große Erwartungshaltung in der türkischen Gemeinde. Ein Imam wird danach gemessen, wie viel die Schüler vom Qur’an auswendig rezitieren können, wie schön sie rezitieren und wie richtig. Inhaltlich setzt man sich mit dem Qur’an aber nicht auseinander“, sagt Ceylan. Es gebe aber auch den Typ des „intellektuellen Imams“, der eine theologische Schulung aufzuweisen habe, meist unter 35 Jahre alt sei und oft hier in Deutschland noch einen universitären Abschluss anstrebe. Diese Gruppe sei sehr bildungsorientiert und besuche auch aus eigener Initiative Deutschkurse. Dabei handele es sich aber nur um eine kleine Minderheit. „Dass man sich inhaltlich nicht mit dem Qur’an auseinandersetzt, ist ein Defizit, das auch die Muslime interessieren müsste“, meint Ceylan. „Autoritäre Erziehungsmethoden habe ich allerdings keine gefunden, weil die Jugendlichen in Deutschland sehr selbstbewusst sind. Viele Imame haben mir gesagt, dass sie Kinder deswegen auch gar nicht schlagen könnten, weil ihnen dann eine Anzeige drohen würde.“ In der Türkei hingegen sei der Respekt der Kinder und Jugendlichen gegenüber dem Imam generell erheblich größer.

Die Fortbildung für Imame umfasst vier Themenblöcke: Praktisches Wissen für den Alltag, Religion in Deutschland, Politik, Wirtschaft und Werte in Deutschland sowie Migration, Bildung und Medien. Sie findet seit 2006 statt und wird allein von der Konrad-Adenauer-Stiftung getragen. „Die Diyanet hat es leider in den vergangenen 25 Jahren versäumt, so etwas von sich aus durchzuführen“, sagt Ceylan. „Leider gibt es keinen Erfahrungsaustausch zwischen den Imamen, die neu aus der Türkei nach Deutschland kommen, und denen, die schon hier tätig waren und nach vier Jahren zurückgehen. Dies ist auch nicht gewollt, mit dem Argument, dass negative Erfahrungen nicht weitergegeben werden sollten; jeder Imam solle seine eigenen Erfahrungen machen.“

Diese Argumentation überzeuge ihn jedoch nicht. „Im Grunde ist diese Fortbildung auch nur eine temporäre Lösung und ein Tropfen auf den heißen Stein, weil so ein Blockseminar natürlich zu wenig ist“, so der Sozialwissenschaftler. Man solle die Bedeutung der Imame bei der Integration zwar nicht überbewerten, sie könnten aber durchaus eine wichtige Rolle spielen, da sie eine gewisse Vorbildfunktion hätten. „Leider können die Imame bei ­DITIB aber auch kaum lokale Themen behandeln, weil die Themen der Freitagsansprachen vorgegeben werden“, nennt Rauf Ceylan als weiteren Kritikpunkt.

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