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Srebrenica: Appelle zum 25. Jahrestag

ExpertInnen sagen, Lehren aus dem Massaker dürfen nicht vergessen werden

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Foto: Mirnes, Shutterstock

Sarajevo/Genf/Berlin (KNA). Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf das Gedenken zum 25. Jahrestag des Massakers von Srebrenica aus. Laut Recherchen der Nachrichten-Website Balkan Insight ist noch unklar, in welcher Form einzelne Veranstaltungen in den kommenden Tagen stattfinden.

Die ursprünglichen Planungen sahen unter anderem einen Friedensmarsch mit 10.000 Teilnehmern vor sowie am Samstag die Beisetzung von acht Opfern des Massakers im Srebrenica Memorial Center, deren Gebeine in den zurückliegenden Monaten identifiziert worden waren. Dazu hatten die Organisatoren bis zu 100.000 Menschen erwartet.

Das Massaker von Srebrenica vor 25 Jahren gilt als das größte Verbrechen gegen die Menschheit in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Bei der von serbischen Einheiten unter Ratko Mladic durchgeführten Militäraktion während des Bosnienkriegs wurden vom 13. bis 17. Juli 1995 mehr als 8.100 bosnische Männer getötet.

In Genf appellierten mehrere UN-Experten und -Sonderberichterstatter an die Staatengemeinschaft, die Lehren aus dem Massaker nicht zu vergessen. Völkermorde ereigneten sich nicht spontan, sondern in einem Klima von wachsender Intoleranz, Diskriminierung und Gewalt. 25 Jahre nach Srebrenica sei es „zutiefst alarmierend, dass Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Stigmatisierung und Ausgrenzung unvermindert fortbestehen und Gesellschaften und das Leben von Menschen auf der ganzen Welt destabilisieren oder sogar zerstören.“

In Berlin erinnerte die Gesellschaft für bedrohte Völker heute mit einer Kranzniederlegung an der Neuen Wache an das Massaker erinnern. An der Veranstaltung wollen unter anderen die Botschafterin von Bosnien-Herzegowina, Jadranka Winbow, der menschenrechtspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Brand (CDU), sowie Vertreter der beiden großen Kirchen und Meho Travljanin vom Islamischen Kulturzentrum der Bosniaken in Berlin teilnehmen.

Unterdessen warnt die Münchner Historikerin Marie-Janine Calic vor neuen Verwerfungen zwischen Serben und Bosniaken in Bosnien-Herzegowina. In der Republika Srpska seien immer noch Schulen nach Ratko Mladic und anderen Kriegsverbrechern benannt, sagte Calic in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es bestehe zudem eine „gefährliche Tendenz“, die Ereignisse von Srebrenica zu verleugnen.

„Andererseits ist das Massaker unter den Bosniaken zu einem Ursprungsmythos geworden“, erläuterte die Professorin für Ost- und Südosteuropäische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. „Wer aber seine nationale Identität auf einen Genozid aufbaut, kann zu Versöhnung nicht bereit sein.“

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