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Kitab Asch-Schifa: „Ein helles Licht auf der Stirn des Glaubens“

In aller Welt wird das Werk von Qadi ‘Ijad über den Gesandten Allahs auch heute noch geschätzt

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(iz). Der Islam ist kein sprödes Gebäude bloß theoretischer Religiösität, noch ist er ein formloses Gebilde regelloser Esoterik oder entspricht gar der pervertierten Ideologie, die heute in seinem Namen von Gewalttätern praktiziert wird. Dreh- und Angelpunkt ist dabei zweifelsohne die Gestalt des Propheten Muhammad in seiner Gemeinschaft, des letzten Gesandten Allahs, dessen Botschaft die vorherigen von Allah herabgesandten Bücher aufhebt und durch Seine letztgültige Offenbarung – den Qur’an – ersetzt.

Jedes Mal, wenn Muslime die Schahada (die Glaubensbezeugung) aussprechen, bestätigen sie die Prophetenschaft Muhammads. Gleichfalls ist die qur’anische Offenbarung kein steriler Akt gewesen, in welchem die Worte Allahs – etwas respektlos formuliert – einfach so vom Himmel fielen. Vielmehr war dies ein Geschehen, das nicht nur über mehrere Jahre verlief, sondern vor allem ohne die prophetische Gestalt nicht geschah. Ganz abgesehen von unzähligen Verweisen auf den Propheten und seinen „mächtigen Charakter“ im Qur’an, war er derjenige, der das Buch Allahs für die Muslime durch seine lebendige Sunna erklärte und die notwendigen Handlungen vorlebte. Insofern kann es daher auch keinen anderen Zugang zur Göttlichen Wahrheit geben als durch die Tür des Propheten.

Über das prophetische Modell sind in der Geschichte der Muslime unzählige Bücher verfasst worden. Dabei nimmt die Sira-Literatur – jene Werke über das Leben und die Bedeutung des Gesandten Allahs – einen wichtigen Platz ein. Zu den heute noch beliebtesten Beispielen dieses Genre zählen die Biografien von Ibn Ishaq und Ibn Hischam. Sie sind sicherlich wichtige Hilfsmittel über die historischen Ereignisse und die biografischen Eckpunkte der prophetischen Gestalt und ihres Umfelds. Sie finden sich – in verschiedenen Ausgaben und Übersetzungen – in muslimischen Haushalten in aller Welt. Herausragend ist aber – nach Ansicht vieler Muslime – das geliebte „Asch-Schifa“ des andalusischen Richters und Rechtsgelehrten Qadi ‘Ijad Al-Jahsubi. Der volle Titel des Buches lautet „Asch-Schifa bi ta’rif Huquq Al-Mustafa“ (Die Heilung durch das Wissen um die Rechte des Auserwählten.

Der Autor
Sein voller Name war ‘Ijad ibn Musa ibn ‘Ijad Al-Jahsubi, Abu’l-Fadl. Er war Rechtsgelehrter (Faqih) und Richter (Qadi) in der malikitischen Rechtsschule, in der er als Autorität einen hohen Rang einnimmt. Er wurde 1083 in Ceuta (Sebta) geboren. Auch war er Autor vieler Werke aus verschiedenen Wissenschaftszweigen. Qadi ‘Ijad war der Imam der Hadithe und ihrer Wissenschaft in seiner Zeit. Er war Kommentator des Qur’an und seiner Wissenschaften, ein Faqih der Usul, ein Grammatiker und Fachmann der arabischen Geschichte und Sprache. Der Imam war ausdauernd, nachsichtig und ein guter Gefährte. Er war großzügig und gab viele Spenden (Sadaqa). Zu seinen vielen Lehrern, die er auf seiner Reise nach Wissen in Andalusien traf, zählte beispielsweise Abu’l-Walid ibn Ruschd, der Großvater des im Westen bekannteren Ibn Ruschd (Averroes). Am Ende seiner Studien kehrte Qadi ‘Ijad nach Ceuta zurück, wo die Leute ihn seines Wissens wegen zum Qadi machten. In diesem Amt blieb er für eine lange Zeit. Als Folge der Machtübernahme durch die Muwahhidun wanderte er nach Marrakesch aus, wo er lebte und möglicherweise an einer Vergiftung starb. Sein Grab und eine angeschlossene kleine Moschee finden sich dort noch heute am Rande der Medina. Neben der Schifa schrieb Qadi ‘Ijad einige Bücher über die Hadith-Wissenschaft. Besonders wichtig ist auch sein „Kitab Tartib Al-Madarik wa Taqrib Al-Masalik“ über Imam Malik und die bemerkenswerten Gestalten seiner Schule.

Das Buch
Entscheidend ist die Schifa in ihrer Beschreibung der Eigenschaften des Propheten. Wir lernen etwas über seinen Charakter, seine physische Form, den Umgang mit den Menschen, die zu ihm kamen und seine vorbildhaften Handlungen, die allesamt Antrieb zur Nachahmung sein sollten. Durch dieses Buch, welches aus der jahrzehntelangen Beschäftigung seines Autors mit der Hadithwissenschaft entstanden ist, wird der Gesandte Allahs für uns Spätere lebendig und erfahrbar. Somit wird ansatzweise begreifbar, was es heißt, wenn Allah im Qur’an über den Propheten sagt, in ihm fänden wir Muslime ein wunderschönes Beispiel.

Das Grundlagenwerk ist in vier Teile geordnet. Im ersten Teil behandelt der Autor die große Ehrung des Propheten durch Allah. Wir erfahren, wie Allah ihn erhoben und ausgezeichnet hat. Qadi ‘Ijad beschreibt darüber hinaus sehr detailliert, wie Allah die Eigenschaften Seines Propheten perfektionierte und wie Er ihm die Tugenden des Dins und dieser Welt verlieh. Dabei wird uns nicht nur der Rang Muhammads in dieser Welt klar, sondern auch die unsichtbaren Dimensionen des Propheten. Entgegen modernistischer Biografien, die den Propheten als bloß weltlich verorteten Menschen beschreiben, widmete Qadi ‘Ijad den Wundern, die Allah zu Händen des Propheten manifestierte und den Zeichen der Ehre (Karamat) ein eigenes Kapitel. Ohne Frage zählt dazu vor allem das Wunder der qur’anischen Herabsendung. Nicht von ungefähr stellte der Imam diesen Aspekt allem anderen voran. Über eine Beschreibung hinaus widmet sich das Werk im zweiten Teil der Notwendigkeit und religiösen Verpflichtung für uns Muslime, den Propheten zu lieben. Qadi ‘Ijad macht sehr deutlich, dass der Glaube an und der Gehorsam gegenüber dem Propheten nicht zur Disposition stehen. Dabei ist die Liebe ihm gegenüber nicht nur eine beliebige Empfehlung, sondern führt in sich zur Transformation des Selbst. Demnach ist das Gebet für den Propheten – As-Salat An-Nabi – ein wichtiges Element, wie es Qadi ‘Ijad in einem gesonderten Kapitel darlegt.

Das dritte Kapitel der Schifa (dasjenige, was notwendig für den Propheten und was unmöglich ist, was für ihn erlaubt und verboten ist, sowie die menschlichen Dinge, die ihm zugeschrieben werden können) stellt nach Qadi ‘Ijad „das Geheimnis dieses Buches dar und ist der Kern seiner Frucht“. Dieses Element „bestimmt alle nachfolgenden Aussagen“ und repräsentiert das Ziel der Schifa. Durch die Erfüllung der darin enthaltenen Pflichten „wird das Herz des Gläubigen mit Gewissheit leuchten und deren Lichter seine Brust erfüllen. Der Mann des Verstandes wird dann den Propheten wertschätzen, so wie es diesem entspricht.“

Sein Werk schätzte Qadi ‘Ijad wie folgt ein: „Ein helles Licht auf der Stirn des Glaubens, ein unbezahlbare Perle in der Krone der Erklärung, die jede Verwirrung entfernt … Eine Heilung für die Brüste der Gläubigen. Sie bringt die Wahrheit ans Licht und stellt diese der Unwissenheit gegenüber.“

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