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Dieses Mal: Das „Murschid Al-Mu’in“ von Ibn ‘Aschir

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(iz). Abu Muhammad Abdulwahid ibn Ahmad Ibn ’Aschir (990-1040, ungefähr 1582/83 bis 1630/31 n.Chr.) war einer der großen Maliki-Gelehrten des Maghrib. Vor allem als Autor des berühmten „Al-Murschid Al-Mu’in ’ala Ad-Daruri min ’Ulum Ad-Din“ (was man ungefähr übersetzen könnte mit: „Der hilfreiche Führer zu dem, was man von den Wissenschaften vom Din unbedingt wissen muss“) ist er bis heute bekannt.

Ibn ’Aschirs Abstammung geht auf die Ansar von Medina zurück, jene frühen Muslime, die dem Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden schenken, geholfen und ihn in ihrer Stadt aufgenommen haben. Seine Eltern kamen aus Andalusien, wo er auch geboren wurde, weswegen sein Name oft auch mit dem Anhängsel „Al-Andalusi“ versehen wird. Sie siedelten sich später in Fes an, wo Ibn ‘Aschir aufwuchs und die meiste Zeit seines Lebens verbrachte. Ibn ‘Aschir war für seine besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten in den verschiedenen islamischen Wissenschaften bekannt, und auch als eine außerordentlich rechtschaffene und asketische Person, demütig, bescheiden und von besonders gutem Charakter. Wie viele Gelehrte vor ihm, erarbeitete er sich selbst seinen Lebensunterhalt durch unabhängige Arbeit und Tätigkeit. Er pflegte sogar, gelegentlich die Lehrsitzungen von Gelehrten aufzusuchen, die von geringerem Wissen waren als er selbst, um Nutzen davon zu ziehen. Ibn ‘Aschir war fast permanent mit der Lehre befasst. Wenn er zu Menschen sprach und über sie sprach, war er immer sehr fair in dem, was er sagte. Er pflegte regelmäßig, sich in die Moschee zurückzuziehen (’Itikaf) und sehr oft für das nächtliche Gebet aufzustehen. Ibn ’Aschir vollzog die Hadsch im Jahre 1008 im Alter von 18 Jahren. Er nahm auch an einer Reihe von militärischen Einsätzen teil. Er lernte den Qur’an bei Abu Al-’Abbas Ahmad Al-Lamti und anderen auswendig. Dann lernte er die sieben großen Lesarten des Qur’an bei mehreren namhaften Lehrern.

Einige seiner herausragendsten wissenschaftlichen Beiträge leistete er im Bereich der sieben Lesarten (Qira’at) des Qur’an, wo er einige wichtige Werke und Kommentare bedeutender Gelehrter, wie Al-Dschaburi, kommentierte und auch Abhandlungen über das Schreiben (das handschriftliche Abfassen) der sieben Lesarten verfasste. Aber auch in den Bereichen der Grammatik, des Fiqh, des Tafsir, des Tasawwuf, der Logik, und selbst in Medizin, Arithmetik, Zeitbestimmung und Poetik und anderem leistete Ibn ‘Aschir Beiträge.

Er studierte Fiqh und andere Wissensbereiche bei einer Reihe großer Gelehrter. Sein berühmter Student, Schaikh Majjara, der später den wohl bekanntesten Kommentar auf „Al-Murschid Al-Mu’in“ verfasste, schrieb über ihn in dem besagten Kommentar: „Es gibt keinen Zweifel, dass er seine eigenen Lehrer in den Schatten stellte, was die Darlegung der gelehrten Argumente und die Feststellung jener davon, die korrekt waren, angeht“.

Unter anderem verfasste iIn ‘Aschir zu einem bekannten Kommentar des Mukhtasar Khalil in Maliki-Fiqh sehr nützliche Marginalien. Er lernte den spirituellen Weg des Tasawwuf von seinem Schaikh, Sidi Muhammad Al-Tadschibi, besser bekannt als Ibn ’Aziz, von dem er sehr profitierte. Ibn ‘Aschir starb am dritten Tag des Monats Dhu’l-Hidscha des Jahres 1040, nach kurzer, schwerer Krankheit. Sein Grab befindet sich im westlichen Teil der Rauda von Sidi Jusuf Al-Fasi.

Al-Murschid Al-Muin

Ibn ‘Aschir verfasste eine Reihe von Werken, die sich durch einen herausragenden Stil und höchste Genauigkeit auszeichnen. Das Bekannteste davon ist das berühmte Lehrgedicht „Al-Murschid Al-Mu’in“, das die drei Bereiche Islam, Iman und Ihsan umfasst, nämlich ’Aqida (Iman), den grundlegenden Fiqh der Fünf Säulen (Islam) und die Grundlagen des Tasawwuf (Ihsan), und zwar in gereimter Form in 314 Versen zusammengefasst. Dieses Gedicht, das oft auch einfach unter dem Namen „Matn [Text von] Ibn ‘Aschir“ oder einfach nur „Ibn ‘Aschir“ bekannt ist, wurde vor allem in Nord- und Westafrika über Jahrhunderte von Generationen von Schülern als Basis-Text im Wissen vom Din auswendig gelernt, und in den traditionell arbeitenden Madrassen noch heute. Ibn ‘Aschir begann, es zu verfassen, nachdem er sein Pilgergewand für die Hadsch angelegt hatte. Sodann verfasste er den Teil über die Bestandteile der Hadsch. Nachdem er seine Hadsch vollendet hatte, fuhr er mit den anderen vier Säulen fort. In der Einleitung findet sich der berühmte Satz: „Es spricht Abdulwahid Ibn ’Aschir beginnend mit dem Namen Allahs, des Machtvoll-Bestimmenden: ‚Gelobt sei Allah, der uns lehrte, was zu Wissen Er uns auferlegte. Grüße und Friedenswünsche immerwährend, für Muhammad und sein Haus, und seine Gefährten und jeden, der seinem Beispiel nacheifert. Hilfe ist von Allah, dem Ruhmreichen, bei der Erstellung dieser Zeilen, die dem Nichtgebildeten von Nutzen seien, in den drei Bereichen: ‘Aqida gemäß Al-Aschari, Fiqh gemäß Malik, und Tariqat gemäß Dschunaid, dem Weggänger [Salik].’“

Wenn man den Abschnitt über die ’Aqida liest, der sehr komplex und gar nicht so einfach zu verstehen ist, ist man umso mehr erstaunt, dass „Al-Murschid Al-Mu’in“ als Basistext gilt, der von Kindern und Jugendlichen gelernt wurde, was auch Rückschlüsse auf das damalige Niveau der Ausbildung im Din nahe legt. In der Regel lernten Kinder in den Moscheen und Madrassen zunächst den Qur’an auswendig (was obligatorisch zumindest für jene war, die danach als Studenten des Din weiterlernen wollten), oder zumindest große Teile davon, und begannen dann mit dem Text von Ibn ‘Aschir. Heute wird bereits parallel zum Lernen des Qur’an auch Grammatik und Ibn ‘Aschir studiert, was das Verständnis auch erleichtert. Da in „Al-Murschid Al-Mu’in“ nicht der Fiqh der Mu’amalat, also zum Beispiel der Ehe, der Erbschaft und der Handels- und Kaufverträge enthalten ist, gehörten dafür zum Curriculum andere kompakte Abhandlungen über diese Bereiche, wie die von Ibn ’Asim. Auch die grundlegenden Werke zur Grammatik ,wie die „’Adschrumijja“ und die „’Alfijja“ sind zur leichteren Memorisierung in Versform verfasst. Wie diese kompakten Werke erfordert das Studium des „Murschid Al-Mu'in“ erläuternde Kommentare, während die Versform gewissermaßen wie ein Gerüst dazu dient, sich an das Gelernte leicht wieder zu erinnern.

Es existieren mehrere solcher Kommentare, von denen der bekannteste und am meisten verwendete der von Ibn ‘Aschirs Schüler Schaikh Muhammad ibn Ahmad Majjara ist. Sein vollständiger Titel lautet „Ad-Durr Ath-Thamin wa Al-Maurid Al-Ma`in Scharh Al-Murshid Al-Mu`in“. Von diesem existiert eine verbreitete Kurzfassung von Muhammad ibn Al-Mubarak Al-Fathi Al-Marrakschi. Ein umfassender Kommentar wurde auch von dem mauretanischen Gelehrten Shaikh Ahmad Al-Qalawi Asch-Shinqiti (gest. 1272/1851) verfasst.

In den letzten Jahren ist das berühmte klassische Lehrgedicht von Ibn ‘Aschir auch von Muslimen im Westen, vor allem im englischsprachigen Raum, im Zuge der neuen Wertschätzung klassischer islamischer Lehrmethoden und Lehrinhalte zunehmend wiederentdeckt worden; es entstanden Übersetzungen und Audio-Vertonungen. (YA)

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