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Standardwerke des Islam. Von Yasin Alder

Dieses Mal: „Sahih Al-Bukhari“ von Imam Al-Bukhari

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(iz). Abu ‘Abdullah Muhammad ibn Isma’il Al-Dscha’fi Al-Bukhari ist durch seine berühmte, unter dem Namen „Sahih Al-Bukhari“ weithin bekannte Hadith-Sammlung einer der wohl bekanntesten islamischen Gelehrten überhaupt. Fast jeder Muslim dürfte seinen Namen kennen.

Imam Al-Bukhari wurde im Monat Schawwal des Jahres 194 (810) in im zentralasiatischen Bukhara geboren. Sein Vater Isma’il ibn Ibrahim ibn Mughirah Al-Dscha’fi war ein großer Muhaddith [Hadithgelehrter], von dem er viele gute Eigenschaften übernahm. Der Vater starb jedoch schon früh, als Imam Al-Bukhari noch ein Kind war. Seine Mutter übernahm daraufhin seine Erziehung.

Bereits mit 10 Jahren begann Al-Bukhari, Unterricht in Hadithwissenschaft zu besuchen, und mit 11 Jahren hatte er eine solche Klasse darin erreicht, dass er sogar manchmal seine Lehrer korrigieren konnte. Mit 18 Jahren führte er zusammen mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder Ahmad die Pilgerfahrt nach Mekka durch. Anschließend kehrten seine Mutter und sein Bruder zurück, doch Imam Al-Bukhari blieb noch in Mekka, um sich dort Wissen anzueignen. Währenddessen verfasste er das Buch „Qadaja As-Sahaba wa At-Tabi`in“. Er ging sodann nach Medina und schrieb dort sein bekanntes Werk über die Namen der Überlieferer, das „Tarikh Al-Kabir“, während er nachts am Grab des Gesandten verweilte. Dieses Buch wurde umgehend zahlreich vervielfältigt. Imam Al-Bukhari bereiste über Jahre viele Städte für das Studium von Überlieferungen und eignete sich immenses Wissen an. Er sagte selbst: „Auf der Suche nach Wissen, reiste ich zweimal nach Ägypten und Syrien, viermal nach Basra, verbrachte sechs Jahre im Hidschaz und ging viele Male nach Kufa und Bagdad, begleitet von Muhaddithin“ [Hadithgelehrten]. Er hat nach eigenen Worten bei über 1.000 Gelehrten studiert.

Al-Bukhari ist berühmt für sein außergewöhnliches Gedächtnis. Muhammad ibn Azhar Sadschistani sagte: „Ich pflegte, zu Sulaiman ibn Harab zu gehen, in der Begleitung von Imam Al-Bukhari, um Hadithe zu hören. Ich schrieb sie auf, doch Imam Al-Bukhari tat dies nicht. Jemand fragte mich: ‚Warum schreibt Imam Al-Bukhari die Hadithe nicht auf?’. Ich sagte zu ihm: ‚Wenn du irgendeinen Hadith vergessen hast, zu notieren, dann kannst du ihn von Imam Al-Bukhari aus dessen Gedächtnis bekommen.’“ Es wird gesagt, dass er pflegte, keinen Hadith niederzuschreiben, ohne zuvor zwei Rak’at [Gebetseinheiten] gebetet zu haben. Es heißt auch, dass er immer ein Haar des Propheten, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, bei sich führte. Er wird als äußerst genügsam mit sich selbst, aber sehr großzügig gegenüber seinen Schülern beschrieben. In jeder Stadt, in die er kam, versammelten sich tausende von Menschen in den Hauptmoscheen, um seine Überlieferung von Hadithen zu hören.

Nach einer ungefähr 16 Jahre dauernden Zeit des Reisens kehrte Al-Bukhari zurück nach Bukhara, wo er eine Schule errichtete. Er starb in der Nacht des ‘Id Al-Fitr des Jahres 256, auf dem Weg nach Samarkand, wenige Tage vor seinem 62. Geburtstag. Es gibt mehrere Überlieferungen von Träumen dazu. Al-Khatib Al-Baghdadi berichtete von ‘Abdulwahid ibn Adam, dass dieser sagte: „Ich sah einmal den Propheten inmitten seiner Gefährten in einem Traum. Er stand und ich grüßte ihn. Nachdem er meinen Gruß erwidert hatte, fragte ich ihn: ‘Warum stehst du hier, o Gesandter Allahs?’ und er entgegnete: ‘Ich warte auf Muhammad ibn Isma’il.’ Einige Tage später erreichten uns die Nachrichten vom Tode Al-Bukharis. Nachdem ich die Sache überprüft hatte, fand ich heraus, dass er genau in dem Augenblick starb, als ich meinen Traum hatte.“

Das Grab von Imam Al-Bukhari befindet sich in Samarkand und wird viel besucht. Sahih Al-Bukhari

Die Hadith-Sammlung „Al-Dschami’ As-Sahih“ von Al-Bukhari ist sicher die bekannteste und am breitesten akzeptierte überhaupt. Sie gehört zur Kategorie der Dschami’- und der Musannaf-Werke, was bedeutet, dass es eine umfassende Sammlung zu unterschiedlichen Themen (Dschami’) ist und eine nach Themen angeordnete Sammlung (Musannaf). Al-Bukhari bemühte sich, nur Hadithe aufzuführen, deren Überlieferungsketten ununterbrochen waren und deren Überlieferer glaubwürdige und zuverlässige Autoritäten waren. Er unterteilte den Inhalt des Buches in rund 100 thematisch geordnete Kapitel mit rund 3.450 Unterabschnitten. Al-Bukhari hatte rund 300.000 Hadithe memorisiert, von denen er nach einem strikten Auswahlverfahren für seine Sahih-Sammlung nur gut 2.600 auswählte (Wiederholungen im Buch nicht mitgerechnet), obgleich rund 100.000 von den 300.000 der Kategorie „sahih“ entsprachen. Es gibt mehrere Berichte darüber, wie man seine Kenntnis der Überlieferungen getestet hat. Einmal trugen die Muhaddithin von Bagdad ihm in einer Versammlung 100 Hadithe vor, bei denen sie die Texte und Überliefererketten vertauscht hatten, und Al-Bukhari nannte anschließend die korrekten Texte und Überliefererketten für alle 100 Hadithe. Nach einem anderen Bericht hat man ihn in Samarkand sieben Tage lang mit Hadithen, bei denen die Überliefererketten durchmischt worden waren, getestet, doch konnte ihn dies alles nicht irreführen, weder beim Text noch bei den Überliefererketten der Hadithe.

Aufgrund der bekannten Wichtigkeit der Kommentierung und Erläuterung von Hadithen wurden auch zur Sahih-Sammlung von Imam Al-Bukhari unzählige Kommentare verfasst. Der bekannteste davon ist das „Fath Al-Bari“ von Imam Ibn Hadschar Al-’Asqalani. In den Jahren nach der Fertigstellung des Sahih führte Imam Al-Bukhari selbst geringfügige Korrekturen und Überarbeitungen daran durch, etwa bei den Kapitelüberschriften. Bei jeder überlieferten Version des Sahih Al-Bukhari ist deren Überlieferer namentlich angegeben. Laut Ibn Hadschar Al-Asqalani ist die Anzahl der Hadithe in allen Versionen die gleiche. Die berühmteste Version ist die von Al-Firabri, einem vertrauenswürdigen Schüler Al-Bukharis. Es gibt noch mehrere andere Überlieferer des Buches. Die geringfügigen Unterschiede zwischen ihren Versionen werden in anderen Werken beschrieben, so auch in „Al-Fath Al-Bari“ von Ibn Hadschar Al-Asqalani.

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