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Statt des Wahl-Katers – Weimar als Gegengift

Kommentar: Die Kulturstadt ist ein wichtiges Symbol, das Muslime für sich beanspruchen sollten

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Foto: IZ Medien

(iz). Einen Tag vor den Bundestagswahlen war ich mit einer Gruppe junger deutscher Muslime und syrischer Geflüchteter einen Tag lang in Weimar. In Fortsetzung unseres langjährigen Projekts, Muslime für die Stadt, die deutsche Kultur und ihren Symbolcharakter zu begeistern, unternahmen wir eine Stadtführung, besuchten Goethes Wohnhaus und tauschten uns über diesen beson­deren Ort und seine Bedeutung aus.

Es war im sprichwörtlichen Sinne ein Kontrastprogramm zur anderweitig eskalierenden Stimmung der krassen Lagerhaltung. Hier waren junge Muslime – in Deutschland oder anderswo geborene –, die sich für das faszinierende Erbe dieser Stadt und dem Werk ihrer prägenden Köpfe begeistern konnten. Der Gedanke, dass – mithilfe der Brückenfunktion der Weimarer Klassik – Muslime zu einer neuen Kultur bezie­hungsweise zu einer Wiederbelebung der bestehenden beitragen könnten, war in dem Moment alles andere als exotisch. Eigentlich haben sie diese Kultur bereits als Potenzial verkörpert.

Das Faszinierende an der dortigen Begegnung verschiedener Muslime war: Keiner von uns erfüllte das (von vielen Seiten gepflegte) Vorurteil, Islam und das Muslimsein seien irgendwie geartete Gegensätze zur europäischen Kultur und Tradition. Im Grunde sind sie schon Lichtjahre weiter. Weiter als die Wütenden, die jetzt in den Bundestag gewählt wurden. Aber auch ­weiter als die Verwalter einer als monolithisch verstandenen Nationalkultur ihrer Eltern oder Großeltern, welche für die Nachkommenden den Zustand der Einwanderung über weitere Jahrzehnte hinaus versiegeln wollen.

Weimar ist – nicht nur als die liebliche physische Kleinstadt, die sie ist – ein Gegengift für den modrigen Bocksgesang, der durch die geistlosen Winkel dieser Zeit weht. An das Werk Goethes, des Weltbürgers Herder oder Nietzsches, dem Vorstellungen einer eingebildeten Homogenität des Eigenen zuwider waren, lässt sich anknüpfen, um stabile Brücken zwischen Islam und den hiesigen Menschen zu bauen. Übrigens ist wichtig, dass den muslimischen Verbänden ­endlich die Bedeutung dieses Brückenbaus ­bewusst wird.

Es ist für uns Muslime Zeit, vom verstorbenen Heiner Geißler zu lernen, und Begriffe sowie Symbole positiv zu besetzen. Weimar gehört mit Sicherheit dazu.

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Sulaiman Wilms

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