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Tarek Bärliner bespricht die Autobiografie von Fereshta Ludin

Eine lehrreiche Odyssee

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(iz). Eine Rezension über das neue Buch Fereshta Ludins zu schreiben, gleicht dem Auftrag einer Hommage. „Enthüllung der Fereshta Ludin“, heißt die Biografie über „Die mit dem Kopftuch“.

Im Frühjahr 2015, kurz vor der Erscheinung des Buches, ging eine bahnbrechende Meldung durch die Medien. Das Verfassungsgericht Karlsruhe ur­teilte, dass ein Kopftuchverbot für ­Lehrerinnen nicht mit den freiheitlichen Grundwerten der Bundesrepublik Deutschland vereinbar wäre. Viele Muslime, vor allem Lehramt-Studenten, feierten die Entscheidung als längst überflüssige Einsicht.

Ein Jahrzehnt zuvor klagte eine ambitionierte Muslima sich quer durch das Rechtssystem Deutschlands. Ihr Ziel: Sie wollte mit ihrer Kopfbedeckung unterrichten dürfen. Es handelt sich um Fereshta Ludin, eine energische Kämpferin.

Als eines von fünf Kindern kam sie 1972 in der afghanischen Hauptstadt Kabul zur Welt. Ihr Vater Bashir Ludin war ein angesehener Ingenieur und Politiker. Die ebenfalls faszinierende Geschichte des damals jüngsten Ministers Afghanistans leitet die fesselnde Begleitung Fereshtas durch ihr Dilemma ein.

Warm und vertraut wirken ihre Worte über ihre Familie. Als Leser bekommt man das Gefühl, diese Menschen seit Langem zu kennen. Die wiedergegebenen Lehren ihrer Mutter spiegelt die Autorin lebendig wieder. Standhaft zu sein und trotz äußerer Stürme innere Ruhe zu bewahren, lernte sie von ihr. Aufrichtig und selbstbewusst zu sein bekam sie von ihrem Vater mit auf den Weg.

Mit dem Sturz der afghanischen Monarchie, wurde Bashir Ludin versetzt und kam als Botschafter nach Deutschland. Es ist die erste Begegnung Fereshta Ludins mit ihrer neuen Heimat. Wie frisch verliebt schreibt sie von ihren ersten Eindrücken der grünen Farben. Lange wehrte die erste Begegnung nicht. Mit dem Putsch der Kommunisten, beendete ihr Vater sein politisches Engagement und entschloss sich, die Pilgerfahrt nach Mekka anzutreten. Die Familie zog es über einen langen, abenteuerlichen Weg nach Saudi-Arabien. Erst einige Jahre später, nach dem Tod ihres Vaters, kehrte die junge Afghanin nach Deutschland zurück.

Als waschechte Migrantin erzählt sie original von den schwierigen Erfahrungen als Schülerin. In dieser Zeit begann bereits ihre vorverurteilte Identität als „Türkin“. Mit dem tief gehegten Wunsch, Lehrerin zu werden, begann ihr wahrer Kampf.

Mit der Lektüre ihres Buches begleiten wir die junge Fereshta durch ihr Studium, das Referendariat und ihre erste Anstellung. Ihre Erfahrungen sind persönlich, aber doch wirken sie wie ein Abriss aus dem Leben eines jeden Migranten und Kind derer, die es waren. Die Geschichte liest sich flüssig. Für einen Lesebegeisterten ist das Buch in wenigen Stunden durchgelesen. Mitgenommen durch Höhen und Tiefen offenbaren sich eigene innerste Sorgen, aber auch Hoffnungen. Teilweise fürchtet man um ein Happy-End. Doch Fereshta Ludin hat ihren Weg gefunden und ihre unermüdlichen Mühen bewiesen sich zum Ende doch als Pionierarbeit für ein Menschenrecht.

Für viele Musliminnen ist sie heute eine Heldin. Durch alle Generationen ist ihr Name bekannt, und eher noch ihre Geschichte. Ihre Biografie kann in vielleicht nicht allzu ferner Zeit als Teil einer jungen, revolutionären Kulturgeschichte verstanden werden. Lange bevor die Frage nach Identität zu einem breiteren Thema wurde, verstand sich Fereshta Ludin als Deutsche. Unaufgeregt und authentisch legt sie diese Feststellung über sich dar.

Die Enthüllung der Fereshta Ludin legt den Finger auf gegenwärtige Wunden und enthüllt Intoleranz, Kleingeistigkeit und Muslimenfeindlichkeit in der Politik und im Bildungssystem. Zu einem geeigneten Zeitpunkt, zeigt die heutige Berlinerin, welche Einstellung der Vergangenheit sich definitiv nicht wiederholen darf.

Eine lehrreiche Odyssee, eine deutsch-muslimische Heldengeschichte – „Die mit dem Kopftuch“ blieb standhaft gegen Unterdrückung.

Fereshta Ludin, „Enthüllung der Fereshta Ludin: Die mit dem Kopftuch“, Deutscher Levante Verlag, April 2015, broschiert, 376 Seiten, ISBN 978-3943737219, Preis: EUR 15,90 (Kindle Edition 11,99)

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