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Tatsachen in Zeiten der Post-Wahrheit

Trump & Co. machen es nötig: Das Geschäft mit dem Fact-Checking boomt nicht nur in den USA. Von Alicia Shepard

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Foto: Benjamin Kerensa | Lizenz: CC BY-SA 2.0

(Common Dream News). Trotz regelmäßiger Klagen im Verlauf des Trump-Wahlkampfes über das Agieren in einer faktenfreien Zone, explodierte in US-Medien sowie in aller Welt das Gewerbe der Tatsachenüberprüfung. Die rekordverdächtigen Besucherzahlen auf den entsprechenden Webseiten zeigen, dass es ein schier unstillbares Verlangen nach Wahrheit gibt.

„Es gab Kommentare in Medien, wonach Faktenprüfung in diesem Jahr keine Rolle spielt. Ich könnte nicht mehr widersprechen“, sagte Angie Drobnic Holan, Redakteurin bei PolitiFact. Die Webseite begann 2007. „Die Überprüfung von Tatsachen wurde zu einem wichtigen Teil der Berichterstattung in diesem Jahr, während sie zuvor auf die letzten Seiten verbannt blieb.“

Im letzten November befragte der öffentlich-rechtliche US-Sender NPR sein Publikum, was in der politischen Berichterstattung wünsche. 96 Prozent der Befragten wollten Informationen, welche überprüften, was die Kandidaten im Wahlkampf von sich gaben.

Neben der Nachfrage wird der faktenprüfende Journalismus von Nachahmung angetrieben. „Andere Nachrichten sehen, wie es uns und anderen Projekten geht. Sie erkennen, dass sie das auch tun können“, berichtet Holan. Aber das ist nicht der einzige Grund. Der andere sei, dass es heute politische Figuren wir Donald Trump gebe, die „signifikante Probleme mit der Genauigkeit“ hätten.

Die US-Seiten PolitiFact und PunditFact werden von dem Unternehmen der Tampa Bay Times betrieben, einer unabhängigen Tageszeitung im US-Bundesstaat Florida. 2009 gewann PolitiFact den Pulitzerpreis für ihren landesweiten Faktencheck der Wahlen von 2008.

Heute gibt es alleine 41 Projekte dieser Art in den Vereinigten Staaten. Sie untersuchen Aussagen von gewählten Vertretern, Kandidaten, Parteiführern und politischen Aktivisten. Die Angaben stammen von Mark Stencel, der das Gewerbe an der Duke University untersucht. Die großen drei Seiten – The Post, PolitiFact und Factcheck.org – arbeiten das gesamte Jahre hindurch. Sie überprüfen Aussagen des Weißen Hauses sowie andere politischen Entscheidungen, die große Debatten erzeugen. Der Rest arbeitet auf bundesstaatlicher und lokaler Ebene.

Nicht nur Mainstreammedien beschäftigen sich damit. Snopes.com überprüft nicht nur die Tatsachenbehauptungen von Politikern, sondern auch wilde Gerüchte. Trevor Noah von der „Daily Show“ (bei Comedy Central) leitet „What the Actual Fact?“. Das ist ein komisch-ernster Versuch, Falschaussagen zu korrigieren. Stephen Colbert von CBS’s „Late Show“ arbeitet vergleichbar. Das Gleiche tut John Oliver im HBO-Programm „Last Week Tonight“.

Es wäre zu einfach, das Vorhaben der Tatsachenüberprüfung im Zeitalter von Trump als gescheitert zu betrachten. Nach Ansicht von Stencel sei das ein Fehler. „Wir hatten zwei bekannte Präsidentschaftskandidaten, deren Vertrauenswürdigkeit und Wahrhaftigkeit seit Jahren in Zweifel gezogen wurde. Das lag auch an den Tatsachen-Rechercheuren und Journalisten, die sie unter die Lupe genommen haben“, ist er überzeugt. Zu behaupten, das Ausweichen und Verdrehen der Fakten durch beide Kandidaten würde die Nutzlosigkeit der Bemühungen betonen, wäre genauso wie Feuerwehrleute für eine Serie von Brandstiftungen verantwortlich zu machen.

Das Verlangen nach gut recherchierten Tatsachen von einer Quelle, die nicht an den Auseinandersetzungen beteiligt ist, veranlasst Journalistedazu, die Methoden und die Ethik der Recherche zu untersuchen, zu debattieren und festzuhalten. Holan schrieb 2014 in einer Kolumne über die sieben Schritte der besseren Recherche.

Was die beteiligten Journalisten und Aktivisten in Augenschein nehmen, ist subjektiv. Es folgt typischerweise aber dem, was in die Schlagzeilen kommt, wie Trumps Rede zur Einwanderung oder Clintons Email-Skandal. Dabei fokussieren sich die Fact-Checker nicht auf politische Kandidaten. Sie zielen auch nicht auf deren Korrekturen ab, sondern auf die Öffentlichkeit. Es gehe ihnen, so ein Aktivist, um die Beleuchtung einer Sache und nicht darum, „Erwischt!“ zu rufen.

Es sei nett, wenn Politiker ihre Sprache änderten, meint Glen Kessler, Factchecker bei der „Washington Post“. Sie schrieben aber, „um Wähler, Bürger und Leser zu informieren“. Man möchte ihnen erlauben, ein besseres Verständnis der Politik zu haben und darüber, wie die Regierung funktioniert. (CCL 4.0)

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