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Teil des ­nationalen Erbes Bulgariens

Signifikante Moscheen aus der osmanischen Zeit warten immer noch auf ihre Instandsetzung

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Foto: >Ivelin Vraykov, Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0

(Eurasianews/iz). Lokale muslimische Repräsentanten beklagen, dass bulgarische Beamte Renovierungen untersagen. Die offizielle Begründung lautet, viele der Moscheen hätten keine Minarette mehr, weswegen sie zu „historischen Stätten“ erklärt wurden. Weil viele Gebäude in der Umgebung anderer archäologischer Bauten stehen, wurden sie offiziell zu Denkmälern gemacht. Nach Angaben vom Büro des bulgarischen Großmuftis würden so ihre Renovierung und ihr Gebrauch durch die Anbetenden behindert. Laut dieser Angaben bemüht sich die muslimische Gemeinschaft des Landes seit vielen Jahren auf rechtlichem Wege um eine Restaurierung der betreffenden Moscheen.

In dem Balkanland und EU-Mitglied gibt es eine Reihe an Moscheen, historischen Bädern (arab. Hamam) und anderen Gebäuden, die dringend eines Wiederaufbaus bedürfen. Auf der Liste stehen unter anderem die Fatih Mehmed-Moschee in der westlichen Stadt Kyustendil, die Karaca Pascha-Moschee in der südlichen Stadt Gotze Delchev und die Ibrahim Pascha-Moschee in der Stadt Razgrad.

Der Mufti von Sofia, Mustafa Izbishtali, sagte gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi, dass wegen der bürokratischen Hürden der Unterhalt der älteren Gebäude schwieriger werde. So blockierten Beamte nach Izbishtalis Angaben seit 30 Jahren die Renovierung der Fatih Sultan Mehmet-Moschee in Kyustendil. Das Gotteshaus wurde im Jahre 1531 errichtet. „Die Bleiverkleidung der Moscheekuppel wurde vor Jahren gestohlen und Schrotthändlern verkauft. Die sehr wertvollen Teppiche in der Moschee verschwanden ebenfalls, nachdem sie gestohlen und verkauft wurden“, berichtet der Mufti. „Die Stadtverwaltung unternimmt alles Mögliche, die Überreste der Muslime in Kyustendil verschwinden zu lassen. Sie warten auf den Zusammensturz des Minaretts, indem sie die Moschee geschlossen halten. Die Stadtverwaltung  in Kyustendil will die Spuren des Islam auslöschen.“

Die häufige Mentalität in den Behörden lasse sich so zusammenfassen: „Wenn es ein Minarett hat, ist es eine Moschee; wenn nicht, ein Museum.“ Von den mindestens elf Moscheen osmanischer Herkunft in Kyustendil stünden nur zwei Bauten für die Anbetenden offen.

Er hoffe, die Türkei werde bei der Unterstützung für die Sache der Renovierung helfen. „Präsident Erdogan hat sehr gut gezeigt, wie Stätten der Anbetung geschützt werden können – ungeachtet des Glaubens, zu dem sie gehören. Die Restauration von St. Stephan (oder die eiserne Kirche) in Istanbul ist ein gutes Beispiel dafür“, meint der Mufti von Sofia. „Wenn Erdogan das nicht unterstützt, dann wird es keiner tun.“

Der Mufti rief Bulgariens Ministerpräsident, Boyko Borisow, dazu auf, die Renovierung der Moscheen zu unterstützen. Er unterstrich, dass die Bauten in Städten wie Kyustendil und Razgrad ein Teil des allgemeinen Kulturerbes seien. Sie müssten wieder dazu hergerichtet werden, um Orte der Anbetung zu sein, nicht Museen. Izbishtali führte dafür als Beispiel die historische bulgarische Kirche in Istanbul an, die wiederhergestellt wurde, um benutzt zu werden.

Nahe der griechischen Grenzen leben rund 4.000 Muslime in der Kleinstadt Gotze Delchev. Nach Angaben eines lokalen Imams sind sie gezwungen, in einer Moschee mit einem Fassungsvermögen von 100 Menschen oder außerhalb ihrer Mauern zu beten. Die im 15. Jahrhundert errichtete Karaca Pascha-Moschee verfällt, nachdem 2011 ihre Kuppe einstürzte. Sie ist auch das Ziel wiederkehrender rassistischer Angriffe.

Aydin Muhammad, der Mufti von Blagoewgrad berichtete Anadolu Ajansi, dass seine lokale Moschee für die Betenden geschlossen wurde. Zuvor behaupteten Beamte, in der Nähe befänden sich archäologische Überreste. „Alle Regierungen müssen Denkmäler schützen. Egal, ob sie römisch, griechisch oder osmanisch sind. Jeder historische Stein hat seinen eigenen Wert.“

Der Mufti von Blagoewgrad ist der Ansicht, dass die Moscheen nicht nur Teil Bulgariens, sondern auch der Europäischen Union sind. „Beispielsweise gehört die Blaue Moschee in der Türkei nicht nur der Türkei, sondern allen Muslimen. Ebenso gehört Bulgariens Karaca Pascha-Moschee nicht nur diesem Land, sondern ist Teil des allgemeinen Erbes der gesamten Europäischen Union.“ Die EU sei kein christlicher Club. Die Menschen in ihren Mitgliedsstaaten seien aufgerufen, Bauten wie die Karaca Pascha-Moschee zu schützen. Bulgarien wurde 2007 in die EU aufgenommen. Die muslimische Gemeinschaft stehe zur Restaurierung der Moschee mit Eigenmitteln bereit. Die Politik sei aufgefordert, die bürokratischen Hürden zu entfernen und das Thema realistischer zu behandeln.

Laut der 6. Ausgabe des „Yearbook of Muslims in Europe“ wird die Anzahl der aktiven Moscheen in Bulgarien auf 1.260 beziffert. Darüber hinaus gibt es beinahe 240 kleinere Gebetsstätten (Masdchids) sowie 50 Tekken und Mausoleen. Die meisten von ihnen stammen aus der osmanischen Periode. Rund 400 alte Gebäude wurden nach dem Fall des Kommunismus wieder hergerichtet. Wie andere Balkanstaaten auch kämpft die muslimische Gemeinschaft hier immer noch um die vollständige Rückerstattung ihrer Stiftungsvermögen, die nach der bulgarischen Unabhängigkeit sukzessive beschlagnahmt wurden.

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