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Themenschwerpunkt „Halal” – Die Frage nach erlaubt und verboten muss in einen größeren Sinnzusammenhang gestellt werden, meint Malik Özkan

Halal, eine ­Lebenspraxis

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(iz). Es gibt Themen, die man nicht in ein paar Zeilen abhandeln kann. Das Thema Halal gehört dazu. Ein Grund für diese Einsicht ist unter anderem das moderne Phänomen der Technik, die sich beispielsweise im Phänomen der industriellen Lebensmittelproduktion zeigt. Wenn ein Tier auf einem Fließband betäubt wird, ein Roboter einen Schnitt setzt und aus dem Lautsprecher eine fromme Formel ertönt, dann ist diese Art der Schlachtung im Vergleich zum jahrhundertelangen Ritus des Halal-Schlachtens sicher etwas Anderes, etwas Neues.

Zur endgültigen Beurteilung gehört also nicht nur ein religiös motivierter Formalismus, sondern die Sicht auf den weiteren Bedeutungszusammenhang. Gebote und Verbote im Islam haben eine Bedeutung, sie sind dem Menschen zugeeignet und bedürfen daher, um verstanden zu werden, der Unterscheidung und weitere Kenntnisse der ­Situation in der wir uns befinden. Das Nachdenken über die heute verfügbaren Techniken gehört also sicher dazu, wenn wir über mögliche oder unmögliche Analogien entscheiden.

Auch ein anderes Phänomen der Technik, die Finanzstruktur, gehört zum Verstehen des modernen Halalbegriffes unbedingt dazu. Die Lebensmittelindustrie ist heute ein bankfinanziertes Geschäft, mit kleinen Gewinnen, das sich nur für Großbetriebe rechnet. Die verbreitete Massentierhaltung ist aber nicht nur ein Millionengeschäft, das sich in billigen Preisen ausdrückt, sondern die Philosophie dahinter bezeugt ebenfalls eine grundsätzliche Geringschätzung gegenüber der Schöpfung selbst.

Der Respekt vor den Nahrungsmitteln, den wir Muslime Ernst nehmen, zeigt sich nicht unbedingt in der heute herrschenden Philosophie von Dumpingpreisen. Wie, was und wo wir einkaufen gehört zu den wichtigen Entscheidungen, die wir jeden Tag neu treffen. Die Idee von Einkaufsgenossenschaften könnte dabei das Leben unserer Moscheegemeinschaften klug ergänzen.

Natürlich ist der ökonomische Druck auch auf muslimische Familien groß. Wer eine Familie zu ernähren hat und nur über ein geringes Einkommen verfügt, dem ist der Weg zum Discounter beinahe vorgegeben und viele werden nur mit Mühen den an sich wünschenswerten Trend zu „Bio & Halal“ auch bezahlen können. Natürlich sind auch die Discounter mit Halal-Billigwaren gefüllt, nur, stimmt die Qualität und sind sie wirklich in einem ökonomischen Zusammenhang angeboten, der für Muslime akzeptabel ist? Hier könnten Muslime nach neuen gemeinsamen Wegen und Anbietern suchen, um einen bezahlbaren Mittelweg zu finden.

Was sich also in diesen Fragen zeigt, ist, dass die Debatte über die Frage, nach Halal oder nicht, in einen sozialen Sinnzusammenhang gestellt werden muss. Es geht darum, wie wir leben, was wir schätzen und welches Maß wir akzeptieren. Es geht in der heutigen Zeit auch immer um den Zusammenhang von Geld, Technik und Konsum.

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