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Tipps & Tricks: Fair statt Fast Fashion

Über 75 Millionen Frauen und Männer arbeiten laut Entwicklungsministerium weltweit in der Textilindustrie

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Foto: fairtrade-deutschland.de

(TransFair e.V.). Etwa fünf neue Kleidungsstücke kaufen Verbraucher in Deutschland jeden Monat – das macht 60 neue Teile pro Jahr. Dabei fördert kaum eine Branche moderne Sklaverei und Ausbeutung so stark wie die Textilindustrie. „Bis ein T-Shirt in unseren Läden hängt, legt es bis zu 20.000 Kilometer und unzählige Produktionsschritte zurück“, sagte Claudia Brück, Vorstandsmitglied von TransFair e.V. (Fairtrade Deutschland).

„Von ausbeuterischer Kinderarbeit auf Baumwollfeldern, gentechnisch verändertem Saatgut bis hin zu schlechten ­Arbeitsbedingungen in den Nähereien: In der textilen Lieferkette gibt es riesige Herausforderungen. Hersteller und Modemarken müssen diese endlich ernst nehmen und Verantwortungen übernehmen – für die gesamte Lieferkette“, so Brück. Mit der Fashion Revolution Week vom 20. bis 24. April machen Menschen weltweit auf die Probleme im Textilsektor aufmerksam und rufen zum Boykott von Fast Fashion auf. Anlass ist der Jahrestag von Rana Plaza. Bei dem Einsturz der Textilfabrik kamen 2013 über 1.000 Menschen ums Leben.

TransFair unterstützt die Fashion Revolution: Unter den Hashshtags #Whomademyclothes und #PushFairtrade können Verbraucher ihre Lieblingslabels auffordern, die Lieferkette nachhaltiger zu gestalten und auf Fairtrade umzustellen. Dazu fotografieren sie ein Kleidungsstück der besagten Marke und posten das Bild auf Facebook, Twitter oder Instagram. Mehr zur Fashion Revolution unter: www.fairtrade-deutschland.de/fashionrevolution

Wie dringend es eine Revolution im Textilsektor braucht, wird durch die Ausbreitung des Corona-Virus deutlich: In Indien, das zu den wichtigsten Textilproduzenten der Welt gehört, hat die Regierung am 24. März den Lockdown beschlossen und eine Ausgangssperre verhängt. Die Textilproduktion steht seit Wochen still. Besonders für Wanderarbeiter ist die Lage dramatisch. Aufgrund der Reisebeschränkungen sind viele gestrandet – ohne Einkommen und ohne Versorgung.

Immer mehr Modeketten stornieren oder verschieben ihre Vorbestellungen – eine Katastrophe für die Branche. „Das Eis, auf dem die Textilindustrie derzeit steht, ist dünn“, sagte Sethu Lakshmy Chakkenchath, Fairtrade-Ausbilderin für Arbeitsrechte in Indien. „Gerade jetzt braucht es verantwortungsvolle Unternehmen und Modemarken, die gemeinsam mit allen Beteiligten nach Lösungen suchen – eben ein partnerschaftliches Miteinander. Nur zusammen können wir eine solche Krise durchstehen.“

Über 75 Millionen Frauen und Männer arbeiten laut Entwicklungsministerium weltweit in der Textilindustrie. Um sie besser zu schützen, hat Fairtrade einen eigenen Textilstandard entwickelt. Als erster Standard überhaupt schreibt er existenzsichernde Löhne für alle Beschäftigten innerhalb eines festen Zeitraums von sechs Jahren vor – neben Maßnahmen zu Arbeitsschutz, Arbeiterrechten, Versammlungs- und Gewerkschaftsfreiheit. Im Januar wurde die erste Näherei in Indien nach dem Textilstandard zertifiziert. Mehr dazu unter: www.fairtrade-deutschland.de/textilstandard

Wer die Wende im Textilsektor vorantreiben möchte, sollte zunächst den eigenen Konsum hinterfragen: Wie viele Kleidungsstücke liegen ungetragen im Schrank? Wer konsequent ausmistet, kann nach der Corona-Zeit eine Kleidertauschparty oder einen Flohmarkt organisieren. Über Onlineplattformen wie Kleiderkreisel finden Kleidungsstücke auch während der Krise neue Träger. Für einen nachhaltigen Kleiderschrank helfen außerdem ein paar Grundregeln: 1. Ist der Kauf wirklich notwendig? 2. Secondhandläden sind nachhaltiger und meist günstiger als Neukäufe. 3. Wenn ein neues Kleidungsstück, dann fair gehandelt. Mehr Infos zu nachhaltiger Mode gibt es im Fairtrade-Podcast auf Spotify oder unter: fairtrade-deutschland.de.

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