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„Touristen sind Botschafter im Kleinen“

Reisen auf fremden Wegen. Die IZ sprach mit der Reiseveranstalterin Ulrike Küppers-Dost über ihr Angebot im Nahen Osten

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Wir Deutschen sind passionierte Reisende. Ob Massentourismus, Familien oder Bildungsreisende – auf beinahe jedem Fleck unseres Globus findet man immer wieder Landsleute. Mit Ausnahme von klassischen Reiseländern wie Marokko, der Türkei oder Tunesien steht dabei die so genannte muslimische Welt nur selten ganz oben auf der Liste der beliebtesten Destinationen. So sind Begegnungen mit Reisenden in der muslimischen Welt immer wieder eine erhellende Facette. Aus diesem Grund sprach die IZ mit der Reiseveranstalterin Ulrike Küppers-Dost. Bevor sie im Jahr 2001 das Reiseunternehmen „globiter – Reisen auf fremden Wegen“ gründete, war Frau Küppers-Dost als Architektin am Lehrstuhl für Stadtbereichsplanung an der RWTH in Aachen tätig. Hier hatte sie die Gelegenheit, durch die Organisation vieler Studienreisen beispielsweise in den Jemen, den Iran, nach China, Russland und weitere Länder Erfahrungen in der Reisebranche zu sammeln. Schnell entwickelte sich der Entschluss, ihren ursprünglichen Beruf als Architektin mit ihrem Interesse am Reisen und Fotografieren zu verbinden. Vor allem der Kontakt zu fremden Kulturen und anderen Religionen in bei uns eher unbekannten Ländern, reizte sie sehr. So bietet Ulrike Küppers-Dost zusammen mit ihren Partnerunternehmen in den jeweiligen Ländern seit nunmehr fast sieben Jahren Gruppen- und Individualreisen in den Jemen, den Iran, nach Syrien sowie nach Indien an.

Islamische Zeitung: Was hat Sie bewogen, Reisen in den Jemen, in den Iran und nach Syrien anzubieten? Verfügen Sie über persönliche Einblicke in die Region? Ulrike Küppers-Dost: Insbesondere der Jemen und auch der Iran, die ich beide schon durch Studienreisen an der Hochschule kennen gelernt hatte, faszinierten mich von Anfang an. Die alten Kulturen, sehr beeindruckende bauhistorische Denkmäler, noch immer lebendige Traditionen, faszinierende Landschaften und vor allem eine unglaublich große Gastfreundschaft. Nachdem ich selber mit großer Begeisterung aus diesen Ländern zurück gekommen war, erstaunte es mich, welche ungeheuren Vorurteile gepaart mit großer Unkenntnis bei uns vorherrschen. Für mich stand fest, dass ich genau diese Länder zu meinen Reisezielen machen wollte. Grundvoraussetzung für unsere Touren ist, dass wir die Länder, die wir bereisen, selber gut kennen. Daher begleite ich sämtliche Touren gemeinsam mit einem jeweils einheimischen Reiseleiter und pendele sozusagen zwischen Okzident und Orient hin und her.

Islamische Zeitung: Unterscheiden sich die einzelnen Länder stark voneinander, und was macht ihren jeweiligen Reiz aus?

Ulrike Küppers-Dost: Die Unterschiede könnten kaum größer sein. Der Jemen gilt als das noch ursprünglichste Land der arabischen Welt. Hier findet man noch Orte, die von der Moderne so gut wie unberührt sind. Dörfer und Städte aus Lehmziegeln in abgelegenen, zum Teil nur über sandige Pisten zu erreichenden Wadis. Der Jemen hat viele alte Traditionen bis heute bewahren können. Auch im Iran findet man in den abgelegenen Dörfern noch viel Ursprünglichkeit. In den großen Städten hingegen lebt eine moderne Gesellschaft mit häufig hohem Bildungsniveau, die sehr offen und wissbegierig den Reisenden willkommen heißt. Prachtvolle Moscheen, Mausoleen, Medresen und Bazare und eine über Jahrtausende zurückreichende Hochkultur machen den Iran so interessant. Ähnliches gilt auch für Syrien, wo nicht nur ganz alte Kulturen, sondern auch Griechen, Römer, Kreuzfahrer und schließlich verschiedene islamische Dynastien eine ungeheure Vielfalt an bauhistorischen Denkmälern hinterlassen haben. Vielleicht aufgrund dieser Geschichte findet man in Syrien eine Vielfalt an Religionen, die beispielhaft in friedlicher Koexistenz miteinander leben. Islamische Zeitung: Die Region gilt heute in der angespannten Lage sicher nur den wenigsten als Reiseziel. Was macht sie für den deutschen Bildungstouristen trotzdem interessant?

Ulrike Küppers-Dost: Wie bereits erwähnt, finden sich in allen diesen Ländern unglaubliche kulturelle Schätze. Neben den bedeutenden architektonischen Bauten oder auch archäologischen Funden, sind dies vor allem auch die Orte und Städte, die uns die fremde Kultur in ihrer Authentizität zeigen, ohne für den Touristen „aufbereitet“ zu sein. Weder im Jemen, noch im Iran oder in Syrien gibt es bislang das Phänomen des Massentourismus mit all seinen Begleiterscheinungen. Hier wird der Reisende noch als Gast empfangen.

Islamische Zeitung: Was sind die Motive für Ihre Kunden, diese Art des Reisens zu wählen?

Ulrike Küppers-Dost: Der Hauptgrund ist sicherlich ein großes und ehrliches Interesse an der fremden Kultur, Religion und dem jeweiligen Land. Wer einen Badeurlaub am Strand verbringen möchte, fährt sicherlich woanders hin. Viele meiner Reiseteilnehmer sind Menschen, die in der Regel auf ihren Reisen individuell unterwegs sind, sich aber für eine Reise in diese Länder einer Gruppe anschließen. Nicht aus Sicherheitsgründen, wie man vielleicht meinen mag, sondern weil es in Ländern, die touristisch nicht so erschlossen sind, eine enorme Erleichterung darstellt, wenn Route, Unterkünfte und Transport von anderer Hand gebucht sind. Ein einheimischer Reiseleiter führt uns zu Orten, die man auf eigene Faust und ohne die jeweilige Fremdsprachenkenntnis niemals finden würde. Dabei ist es uns wichtig, das Land jeweils in seiner ganzen Vielfalt kennenzulernen, möglichst in landestypischen Restaurants oder Hotels zu essen bzw. zu wohnen und wo irgend möglich mit den Menschen in Kontakt zu kommen.

Islamische Zeitung: Glauben Sie, dass Ihr Projekt mithelfen kann, das Bild der Muslime durch direkte Erfahrungen zu verbessern oder zumindest zu verändern?

Ulrike Küppers-Dost: Ja, ich bin fest davon überzeugt. Jeder Tourist ist Botschafter im Kleinen. Auf der einen Seite prägt er das Bild von Deutschland und von uns Deutschen im Ausland, umgekehrt kann er Vorurteile über Muslime oder über ein Land bei uns korrigieren. Heutzutage projektiert man leider die politischen Negativschlagzeilen, die uns über die Medien erreichen, häufig auf ein ganzes Land und dessen Bevölkerung. Das gilt sowohl für uns, als auch für die Menschen überall in der Welt. Wer keinen anderen „Berührungspunkt“ mit anderen Kulturen hat als die Medien, kann sich meines Erachtens kein objektives Bild machen. Nur ein persönlicher Austausch zwischen den Menschen, beruhend auf gegenseitigem Respekt und Interesse an der jeweils anderen Kultur und Religion, wird Verständnis für den anderen aufbringen.

Islamische Zeitung: Gibt es Verhaltensweisen oder Einstellungen, die sich für Reisende in der Region empfehlen? Was müssen Sie besonders beachten?

Ulrike Küppers-Dost: Wir glauben, dass es von entscheidender Bedeutung ist, sich auf eine Reise vorzubereiten, sich mit Sitten und Gebräuchen schon im Vorfeld vertraut zu machen. Dies kann Missverständnissen vorbeugen, kann verhindern, dass Gefühle der Menschen des Gastlandes verletzt werden und wird sicher zum gegenseitigen Verständnis beitragen. Welche spezifischen Verhaltensweisen dies sind, ist sicherlich auch von dem jeweiligen Reiseland abhängig. Beispielhaft ist das Fotografierverhalten zu nennen, gegebenenfalls Informationen wie man sich zu kleiden hat, Sitten und Gebräuche beim Essen, bei der Begrüßung, Verhaltensweisen zwischen Männern und Frauen in der Öffentlichkeit etc. Auch eröffnet es einem viele Herzen, wenn man zumindest einige Wörter in der jeweiligen Sprache beherrscht, sei es nur zur Begrüßung, um sich zu bedanken oder dergleichen. Islamische Zeitung: Was sind Ihre Erfahrungen in der muslimischen Welt und was macht deren Reiz für Sie persönlich aus?

Ulrike Küppers-Dost: Die ungeheure Gastfreundschaft, die wir in diesen Ländern erfahren durften, ist sicherlich eine der prägenden Erfahrungen. Das Gefühl in einem fremden Land als Gast willkommen zu sein, ist die Grundlage für jede weitere Beziehung und auch Grundlage für eine gelungene und nachhaltige Reise, die nicht zuletzt Menschen und Länder näher bringen soll. Dies zusammen mit der unverfälschten, also nicht für den Touristen aufbereiteten Welt voller kultureller Vielfalt und gepaart mit alten, uns fremden Traditionen macht für mich den großen Reiz dieser Länder aus.

Islamische Zeitung: Liebe Frau Küppers-Dost, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Hinweis: Auf der Webseite von Frau Küppers-Dost, www.globiter.de, finden sich weitere Informationen.

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