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Trotz ausländischen Beobachtern steigen Opferzahlen dramatisch an. Ein Kommentar von Sulaiman Wilms

Mord in Damaskus

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(iz). Syrien und sein Sturz in die Barbarei ist das Ende einer Ära in der arabischen Welt. Es steht für das Scheitern des erfolglosen arabi­schen Modernismus und seines Totali­tarismus. Es ist auch das Ende der Illu­sion einer „internationalen Gemeinschaft“: Verbale Proteste, die inmitten des täglichen Mordens mit iPhones und Facebook „kommuniziert“ werden. In Syrien ist die „Weltordnung“ – als Markt, als Gesellschaft und als Kultur – gescheitert.

Die Tragödie dokumentiert, dass ­Syriens Nachbarn mit dem täglichen Mord leben können. Für Teheran sind geopolitische Ambitionen wichtiger als rhetorische Eruptionen. Immer­hin ist der schiitische Iran Bündnispart­ner der Clique in Damaskus, die von ihm einmal als „korrekte“ Schiiten aner­kannt wurde. Auch Israel („die einzige Demo­kratie im Nahen Osten“) kann mit dem vom al-Assad-Clan regierten Syrien gut leben, da er sicherstellt, dass es nicht von jenseits der syrischen Grenzen angegriffen wird. Aber auch die (syrische) Muslimbruderschaft ist geschei­tert, deren „Widerstand“ zu nichts anderem als toten und gefolterten Musli­men geführt hat. Wäre der rostige, politische ­Islam des letzten Jahrhunderts die Lösung, dann hätte er Erfolge produziert, anstatt nur gewaltätige ­Reaktionen des Regimes hervorzurufen.

Trotz unzähliger UN-Resolutionen, diplomatischer Proteste und einer Beo­bachtermission der Arabischen Liga hält das Leiden und Sterben in Syrien seit neun Monaten an. Die Familiendikta­tur der alawitischen al-Assads – ein Nebenprodukt des gescheiterten Nationa­lismus der arabischen Welt – krallt sich verbissen an die Macht. Dieses Festhal­ten wird mit dem Preis tausender Menschenleben bezahlt.

Die Menschenrechtsorganisation Avaaz verlautbarte, dass ihr Belege über den Tod von 6.237 Zivilisten und Solda­ten vorliegen. Mehr als 600 von ihnen seien gefoltert worden und mindestens 400 minderjährig. Diese ­Zahlen sind deutlich höher als die Einschätzungen der Vereinten Nationen. Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) hatte Syrien zu einem Ende der Gewalt gegen sein eigenes Volk aufgerufen. Die Regierung ­müsse die Menschenrechtsverletzungen beenden sowie islamischen und internationa­len Hilfsorganisationen Zutritt gewähren, forderte der Staatenverband. Der Dezember war der bisher tödlichste Monat für den Aufstand der ­Sy­rer gegen die Diktatur und der sie stützenden Schichten war. Nach Angaben von Augenzeugen sollen am 20. Dezember – bei einer versuchten Niederschlagung von Unruhen in der Nähe der türkischen Grenze – 111 Zivilisten und Demonstranten ums Leben gekommen sein.

Angesichts der jetzigen Lage fragen sich die Syrer und ausländische Beobachter, wer den tödlichen Bombenanschlag am 23.12. vor einer Einrichtung des Geheimdienstes zu verantworten hat. Dabei kamen mindestens 44 Menschen ums Leben. Das staatliche Fernsehen beschuldigte sofort Agenten von „Al-Qaida“, das erste Autobombenattentat während der seit neun ­Monaten anhaltenden Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad verübt zu haben. Omar Idilbi vom Syrischen Nationalrat bezweifelte die offizielle Version des Regimes. Auch die syrische Muslimbru­derschaft wies jede Verantwortung von sich.

Laut Recherchen von Human Rights Watch seien mehr als 70 Armeekoman­deure und Vertreter des Regimes von Deserteuren als Verantwortliche für ­Angriffe auf unbewaffnete Zivilisten ­benannt worden. Die Organisation ­nannte die Namen von 74 Kommandeuren, Geheimdienstlern und Offiziellen.

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Sulaiman Wilms

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