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Trotz gegenteiliger Traditionen sollten Hochzeiten eher bescheiden gehalten werden

Je bescheidener die Hochzeit, desto größer der Segen

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(Muslim Mattere). Als feststand, dass ich heiraten werde und man sich endlich auf den Zeitpunkt für das Ereignis einigte, stürzten sich meine Angehö­ri­­gen im gehetzten Zustand der Panik und der Vorfreude darauf. Wir müssen eine Hochzeit planen! Das Kleid! Die Örtlichkeit!

Der Hochzeitskoller begann bald, in meine Seele einzudringen. Und nach wenigen Mo­naten fing auch ich an durchzudrehen. Bis dahin hatte ich an genug Hochzeiten teilgenommen. Deren mehrheitlich pompöser Prunk, der eine simple Verbindung maskierte, stieß mich furchtbar ab. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich auf der ­punktierten Linie unterschrieben und mich auf und davon gemacht.

Die globale Hochzeitsindustrie ist eine Milliarden US-Dollar schwere Geldmaschine für jene, die vom hochzeitlichen Segen profitieren. Beeinflusst durch den Glamour der Prominentenhochzeiten – und unter Druck gesetzt durch die gesellschaftlichen Erwartungen – müssen immer mehr muslimische Paare mindestens genauso viel investieren wie ihre nichtmuslimischen Widerparts. Alleine in den Vereinigten Staaten wird dieser Ge­schäftszweig auf 50 Milliarden US-Dollar pro Jahr beziffert. Im Durchschnitt werden pro Eheschließung 25.600 Dollar ausgegeben. In Großbritannien sind es rund 13.000 US-Dollar und bei Mittelklasse-Indern die er­staunliche Summe von rund 34.000.

Wie erwartet sind es jedoch Bereiche im Nahen Osten, welche den Spitzenplatz in Sachen Extravaganz bei Feierlichkeiten ­bele­gen. Allein in den Vereinten Arabischen Emiraten kosten Hochzeiten jährlich rund 700 Millio­nen US-Dollar. Der Durchschnittspreis liegt bei ca. 82.000 Dollar.

Wie weit haben wir uns vom ungetrübten Konzept der Eheschließung [arab. Nikkah] als Akt der Anbetung entfernt? Das gleiche gilt für die Simplizität ihrer Feier [arab. Walima], wie dies am Beispiel des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, zu erkennen ist. Einer seiner Aussprü­che dazu lautete: „Die Heirat, die den ­größten Segen bringt, ist diejenige, welche die gerings­ten Lasten mit sich bringt.“

Die Erwartungen an eine große Hochzeit tragen zur Krise der muslimischen Ehe bei. Damit viele Bräutigame überhaupt die überhöhten Erwartungen, nicht so sehr der Braut, sondern vielmehr ihres Zirkels, erfüllen ­können, müssen sie – oft zu Beginn ihrer beruflichen Karriere – Geld von ihren Familien oder von Banken leihen. So beginnen sie ihr Eheleben bereits mit Schulden, was ihre anderweitigen finanziellen Verpflichtungen noch weiter erhöht.

Obwohl viele Familien einen solchen Event gerne prahlerisch gestalten möchten, sind es vielmehr Familien, die in ihren Gemeinschaften nicht „das Gesicht verlieren“ möchten. Denn dort waren alle anderen Hochzeiten ebenfalls bombastisch. Wenn sie diesem Druck nachgeben, erhöhen sie nur die Last für die folgenden Paare: ein niemals ­endender Strudel des Materialismus. „Oh Kinder Adams, legt euren Schmuck bei jeder Gebetsstätte an und esst und trinkt, aber seid nicht maßlos! Er liebt die Maßlosen nicht.“ (Al-’Araf, 31)

Trotz dieser Beschreibungen der heutigen Verwerfungen des Unternehmens Hochzeit geht es nicht um eine zynische Haltung ge­genüber einer feierlichen Eheschließung. Es ist sogar verpflichtend für einen Mann, ein Fest zum Anlass seiner Hochzeit zu veranstalten und dazu einzuladen. Eine ­Ausgabe, die höher ist als die übrigen, aber trotzdem nicht belastend oder verschwenderisch. Die Hälfte des Din [sprich: die Ehe] zu erlangen, ist wahrlich keine Trivialität.

Anas ibn Malik überlieferte folgende Begebenheit: ‘Abdurrahman ibn ‘Auf kam zum Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, und der Prophet sah, dass dieser Spuren von Sufra, einem gelben Parfüm, an sich trug. Allahs Gesandter, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, befragte ihn über die Spuren. ‘Abdurrahman ibn ‘Auf teilte ihm mit, dass er eine Frau vom Stamm der Ansar geheiratet habe. Der Prophet wollte wissen: „Wie viel Mahr [Brautgeld] hast du ihr gegeben?“ ‘Abdurrahman sagt ihm: „Gold im Gewicht eines Dattelkerns.“ Allahs Gesandte, Allahs Segen und Heil auf ihm, wies ihn an: „Lade zu einem Hochzeitsessen, auch wenn es nur ein Schaf gibt.“

Im 67. Vers in der Sura Al-Furqan werden wir erneut an die Mäßigung erinnert, die im Islam eine solche zentrale Rolle spielt. „Und diejenigen, die, wenn sie ausgeben, weder ­maßlos noch knauserig sind, sondern den ­Mittelweg dazwischen (einhalten).“

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