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Trübe Aussichten für den Ramadan

Nigeria und Niger fürchten neue Terroranschläge

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Screenshot: YouTube

Eigentlich soll der Fastenmonat Ramadan besonders friedlich verbracht werden. Doch in Nigeria sowie im Nachbarland Niger könnte es zu neuen Terroranschlägen kommen.

Abuja (KNA). An den Straßenrändern stehen große Schilder mit der Aufschrift „Ramadan Kareem“. Auf Facebook, WhatsApp und als Textnachrichten häufen sich gute Wünsche für einen friedlichen Fastenmonat. Der hat an diesem Montag begonnen, wie der Sultan von Sokoto, religiöses Oberhaupt der muslimischen Gemeinschaft Nigerias, am Sonntagabend bekanntgab.

In den kommenden Wochen soll nicht nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefastet werden. Die Imame fordern die muslimische Gemeinschaft Nigerias auch auf, den Koran zu studieren, zu beten und somit Allah näherzukommen. Als besonders wichtig gilt es aber, den Fastenmonat friedlich zu verbringen. Der Dschihad ist in jenen Wochen verboten. Doch ausgerechnet jetzt kann es in Nigeria sowie den Nachbarstaaten rund um den Tschadsee zu neuen Terroranschlägen der Miliz Boko Haram kommen.

Den Auftakt – wenn auch noch drei Tage vor Ramadan-Beginn – machte in der Nacht zum Samstag ein Anschlag in der Stadt Bosso im Niger. Die Stadt liegt direkt an der Grenze zu Nigeria. Am Montagmorgen bestätigte die nigrische Regierung, dass bei dem anschließenden Gegenangriff 32 Soldaten um Leben gekommen und 67 verletzt worden seien. Auch aufseiten der Angreifer habe es „mehrere Tote und Verletzte“ gegeben.

Kurz hinter der Grenze nehmen die Angriffe seit Wochen zu. So starben vergangene Woche in Yebi mindestens sechs Menschen. Es war der zweite Anschlag innerhalb kurzer Zeit. Auch Bosso war bereits Ziel der Terroristen. Die Grenzregion ist seit Jahren einer ihrer Rückzugsorte. Doch seit Anfang 2015 mehren sich auch hier Anschläge. Die UN-Agentur zur Koordinierung Humanitärer Angelegenheiten (OCHA) geht von mittlerweile mehr als 30 Übergriffen aus.

Gleichzeitig sind in den vergangenen Jahren viele Nigerianer auf der Flucht vor der Miliz nach Diffa gekommen. Die Grenze ist durchlässig, und auf beiden Seiten wird Haussa gesprochen, die größte Verkehrssprache im Norden Nigerias und bedeutendste des Niger. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) gibt die Zahl der nigerianischen Flüchtlinge im Niger derzeit mit 114.000 an. Weitere insgesamt rund 186.000 nigerianischen Flüchtlinge leben vor allem in Kamerun und im Tschad.

Die anhaltenden Anschläge in Diffa könnten dafür sorgen, dass nun wieder mehr Nigrer zu Binnenflüchtlingen werden, warnte OCHA an diesem Sonntag. Demnach sollen alleine in der Region Diffa 241.000 Binnenflüchtlinge, Flüchtlinge und Rückkehrer leben. Wie sich der jüngste Anschlag vom Freitag auswirkt, sei noch unklar. Der Niger zählt zu den ärmsten Staaten der Welt. Schätzungen zufolge hat er die höchste Geburtenrate überhaupt und ist zugleich Schlusslicht im aktuellen UN-Entwicklungsindex.

Gut möglich, dass es dort, aber auch in Nigeria nun ausgerechnet während des Ramadan zu neuen schweren Anschlägen kommt. Das Verteidigungsministerium hat Muslime zu besonderer Vorsicht ermahnt. Da im Ramadan viele Menschen zum gemeinsamen Beten und anschließenden Fastenbrechen in Moscheen gingen, könnte es im Ernstfall zu hohen Opferzahlen kommen.

Besonders vorsichtig müssen aber nicht nur Nigerias Muslime sein. Ende Mai hat die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) wie schon im Vorjahr zu Anschlägen im Fastenmonat aufgerufen. Boko Haram hat sich 2015 dem IS angeschlossen. Anfangs wurde das vor allem als Propaganda gewertet. Nach Einschätzung von Omar Mahmood, Sicherheitsanalyst für die Region Tschadsee, könnte die Maßnahme jedoch tatsächlich dafür sorgen, dass neue Kämpfer in die Region gebracht werden – während Boko-Haram-Mitglieder anderswo eingesetzt werden könnten.

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