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Über das Gedenken an den Tod und was danach kommt. Von Safia Bouchari

„... und zu Ihm kehren wir zurück“

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Foto: wikiwand.com

(iz). Im Qur’an erinnert Allah uns in vielen Versen an die Vergänglichkeit unseres irdischen Lebens und an den Vorzug und die Dauerhaftigkeit des jenseitigen Lebens dem gegenüber.

„Jede Seele wird den Tod kosten. Und erst am Tag der Auferstehung wird euch euer Lohn in vollem Maß zukommen. Wer dann dem Feuer entrückt und in den ­Garten eingelassen wird, der hat fürwahr einen Erfolg erzielt. Und das diesseitige Leben ist nur trügerischer Genuss.“ (Sure Al ‘Imran, 185)

„Allah ist es, Der euch erschaffen und dann versorgt hat. Hierauf lässt Er euch sterben, hierauf macht Er euch wieder lebendig. Gibt es unter euren Teilhabern einen, der irgend etwas von alledem tut? Preis sei Ihm! Erhaben ist Er über das, was sie (Ihm) beigesellen.“ (Sure Ar-Rum, 40)

„Dies, weil Allah die Wahrheit ist und weil Er die Toten wieder lebendig macht und weil Er zu allem die Macht hat und weil die Stunde kommt, an der es keinen Zweifel gibt, und weil Allah (all) diejenigen auferwecken wird, die in den Gräbern sind.“ (Sure Al-Hadsch, 6-7)

„Dieses irdische Leben ist nur Zerstreuung und Spiel. Die jenseitige Wohnstätte aber ist wahrlich das eigentliche Leben, wenn sie (es) nur wüssten!“ (Sure Al-Ankabut, 64)

Wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir zurück – „Inna li’Llahi wa inna ilaihi radschi’un“ – heißt es im Qur’an. Dies wird von Muslimen auch oft ausgesprochen, wenn sie eine Todesnachricht erhalten. Auch sagt man dann in der Regel: „Möge Allah sich seiner (ihrer) erbarmen“.

Niemand von uns weiß, wann der Tod ihn treffen wird. Nur Allah weiß dies.

Wir befinden uns in dieser Welt nur für eine kurze Lebensspanne. Selbst zu jenen, die Allah am meisten liebt, wie dem Propheten Muhammad, kommt der Tod.

Im Qur’an heißt es, dass alle Dinge vergehen, außer dem Angesicht Allahs. Alles ist vergänglich, außer Allah. Er allein ist der Lebendige, Der nicht stirbt.

Im Islam sind wir angehalten, uns unserer eigenen Vergänglichkeit stets bewusst zu sein, und viel des Todes zu gedenken, im Wissen, dass er uns jederzeit erreichen kann. Eine Tabuisierung des Todes und seiner Thematisierung gibt es im Islam nicht.

Es gibt aber auch viele Menschen, auch Muslime, die ohne oder mit mangelndem Bewusstsein dessen durchs Leben gehen, und mit großer – scheinbarer – Sicherheit Pläne für die Zukunft machen, so als ob sie sicher wären, dass sie dann noch am Leben sind. Insbesondere, wenn man im engeren Familienkreis noch keine Erfahrung mit dem Tod gemacht hat, ist dieser oft etwas, das scheinbar weit entfernt ist.

Doch wenn der Zeitpunkt des Todes, den Allah bestimmt hat, gekommen ist, gibt es nichts und niemanden, der ihn abhalten oder verschieben könnte.

Der Tod ist uns immer nah, und in jedem Moment, in dem wir leben, kommt er uns näher. In einer Geschichte, die von Khutaima überliefert wurde, heißt es, dass der Todesengel am Hof des Propheten Sulaiman erschien und dort einen bestimmten Mann über längere Zeit intensiv anschaute und sich dann entfernte. Der betreffende Mann ging daraufhin zu Sulaiman und fragte ihn, wer denn diese Person gewesen sei. Dieser antwortete, dass es der Todesengel gewesen war, woraufhin der Mann ganz verstört wurde und sagte: „Er schaute mich an, als ob er meine Seele hinweg nehmen wolle.“ Sulaiman fragte ihn daraufhin, was er zu tun gedenke. Der Mann antwortete, dass er weit weg, nach Indien, getragen werden wolle. Also befahl Sulaiman dem Wind, und dieser trug den Mann dort hin.

Später kam der Todesengel wieder zu Sulaiman, und dieser fragte ihn: „Warum hast du diesen Mann angeschaut?“ Der Engel antwortete: „Ich fragte mich, wie er hier her in deine Anwesenheit gekommen war, wo Allah mir doch befohlen hatte, seine Seele in Indien zu nehmen.“

Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass wir jede Menge Zeit hätten und deshalb nicht im Hier und Jetzt handeln müssten. Es ist daher sehr nutzbringend, den Tod stets vor Augen zu behalten und sich kontinuierlich daran zu erinnern. Das muslimische Ideal ist es, in dieser Welt für die nächste Welt zu leben, so als ob wir in jedem nächsten Moment sterben würden – zu sterben, bevor man stirbt, wie es heißt.

Wir sind in dieser Welt nur auf der Durchreise, auf unserer Reise zu Allah, dem Herrn der Welten. Wir nutzen die Dinge dieser Welt nur für die relativ kurze Dauer unseres Aufenthalts in ihr, und überlassen sie dann denen, die nach uns kommen. Wir können nichts mitnehmen, noch können wir zurückkehren, daher hat es keinen Wert, uns an sie zu haften. Der Prophet Muhammad sagte: „Lebe in dieser Welt wie ein Fremder oder wie einer, der auf der Durchreise ist.“ Und er sagte auch: „Denkt häufig an den Vernichter der Vergnügen“ – den Tod.

Man sollte seine Vorbereitungen für den Tod und das, was danach kommt, sofort treffen, so lange man noch die Gelegenheit dafür hat, denn wir werden am Tag der Auferstehung darüber befragt werden.

Der Glaube an den Jüngsten Tag ist eines der fundamentalen Elemente des Islam. Wir sind dafür geschaffen worden, für unsere Handlungen im diesseitigen Leben Rechenschaft abzulegen, was entweder in der Belohnung des Gartens oder die Strafe im Feuer resultiert. Ohne diese Rechenschaft gibt es keine wirkliche Basis für ethisch-moralisches Verhalten.

Deshalb sollen wir das, was wir heute an Gutem tun können, nicht auf morgen verschieben. Empfehlenswert ist es übrigens auch, so früh wie möglich für seine letztwillige Verfügung, sein Testament, sorge zu tragen.

Mu’adh ibn Jabal berichtete, dass der Gesandte Allahs sagte: „Ein Diener Allahs wird am Tag der Auferstehung so lange stehen, bis er über vier Dinge befragt worden ist: Seine Lebenszeit und wie er sie verbracht hat, seine Jugend und wie er sie genutzt hat, seinen Besitz und wie er ihn sich angeeignet und ihn ausgegeben hat, und sein Wissen und wie er dieses genutzt hat.“ Ibn ‘Umar sagte: „Wenn der Abend gekommen ist, erwarte nicht den Morgen, und wenn der Morgen gekommen ist, erwarte nicht den Abend. Zehre von deiner Gesundheit, bevor du krank bist, und zehre von deinem Leben, bevor du tot bist.“

„Wenn wir Taqwa haben, dann spielt es keine Rolle, ob unsere Stunde heute kommt oder viele Jahre in der Zukunft – wir werden bereit sein“, sagt Schaikh Habib Bewley in einer Khutba über den Tod. „Daher müssen wir uns bemühen, in einem permanenten Zustand der Bereitschaft zu sein.“ Wenn man seine Tage im Gedenken an Allah verbringt und in sehnsüchtiger Erwartung der Begegnung mit Ihm, so wird der Tod letztlich nur eine Tür sein, durch die man geht, um seinem Herrn zu begegnen.

Das diesseitige Leben ist im Verhältnis zum jenseitigen wie ein Traum – von dort betrachtet ist es wie, als ob wir aus einem Traum, aus dem Schlaf erwacht sind. In einem von As-Sujuti zitierten Ausspruch von Sajjidina ‘Ali heißt es: „Die Menschen schlafen, und wenn sie sterben, erwachen sie.“ Das bedeutet, dass diese Welt nicht wirklich in einem absoluten Sinne real ist, im Vergleich zur jenseitigen, wie Schaikh Abdalhaqq Bewley es formuliert. Die eigentliche Wirklichkeit werden wir erfahren, nachdem wir gestorben sind.

Der Gesandte Allahs sagte: „Wer immer es liebt, Allah zu begegnen, so liebt Allah es, ihm zu begegnen.“

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