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Über die Beziehung zwischen islamischer ­Spiritualität und Recht. Überlegungen von ­Jamal Diwaan und Sa’id Hawwa

Inneres und Äußeres sind ­verwoben

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Oft hören wir Fragen nach dem Tasawwuf (auch: Sufismus). Leute benutzen den Begriff, als handle es sich dabei um etwas Schlechtes. Eine Übersetzung von Sa’id Hawwas „Tarbijatuna Al-Ruhijja“ enthält eine gute, kurze Stelle, die diese Sache wahrheitsgemäß erklärt. Um was es sich am Ende handelt, ist die Beziehung zwischen Tasawwuf und Fiqh. Solange etwas in der Scharia erlaubt ist, genügt das für unsere Zwecke als Maßstab.

Bücher zur islamischen Rechtswissenschaft (Fiqh) beginnen üblicherweise mit einem Kapitel über die rituelle Reinigung (At-Tahara), verweilen aber nur selten bei ihren inneren Aspekten oder spirituellen Dimensionen. Dann gehen sie zum Gebet über, seinen Vorbedingungen, Pfeilern, den notwendigen Handlungen, empfehlenswerten Dingen, unbeliebten Vorgängen darin und solchen Akten, dies es ungültig machen. Jedoch behandeln sie nicht die inneren Zustände, in denen man während des Gebetes sein sollte.

Ein Beispiel dafür ist das Fehlen von praktischen Erläuterungen, wie Khuschu’ (tiefe Konzentration) im Gebet erzielt werden kann und welche Handlungen zu ihrer Verwirklichung führen. Und das trotz der Tatsache, dass dies zu der Art von Wissen gehört, welches als erstes von der Erde entfernt werden wird.

Mit diesem Ansatz im Hinterkopf ­denken wir sofort, wenn wir über die Wissenschaft reflektieren, die das Rechtsstudium am besten vervollständigt und ergänzt, an die Wissenschaft des Tasawwuf. Dabei handelt es sich um eine Kenntnis, welche die Handlungen des Herzens – wie die Aufrichtigkeit – in Augenschein nimmt und Wege aufzeigt, diese zu erlangen.

Mit Sicherheit entwickelt sie in einem Individuum die Fähigkeit, den Regeln zu folgen, wie sie im Fiqh niedergelegt wurden. Immerhin ist die Entschlossenheit einer Person, den rechtlichen Regeln zu folgen, mit dem Zustand ihrer spirituellen Entwicklung verwoben. Normalerweise erlaubt das Wissen von Allah uns, von der Süße des Glaubens zu schmecken. Das führt zu einer stärkeren Selbstverpflichtung in der Befolgung ­Seiner Befehle. Daher ist es sehr irreführend von denjenigen, die den Tasawwuf geringschätzen, wenn sie glauben, dass die spirituelle Reise auf dem Weg zu ­Allah mit dem Versuch verbunden sei, dem Festhalten an Allahs Befehl zu entkommen.

Wie kann das der Fall sein, wo doch Allah dem Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Hierauf haben Wir dich auf eine Richtung in der Angelegenheit (der Religion) festgelegt. So folge ihr und folge nicht den Neigungen derjenigen, die nicht Bescheid wissen.“ (Al-Gatija, 18)

Aus diesem Grund sagte Imam Dschunaid Al-Baghdadi zu einer Gruppen von Leuten, die versuchten, die Ankunft [den Höhepunkt der individuellen Beziehung zu Allah] durch die Nichtbefolgung der Scharia zu erreichen suchten: „Ja, sie sind angekommen, aber sie haben die Hölle erlangt.“

Die Gelehrten früherer Tage (beispielsweise Imam Malik) pflegten zu sagen: „Wer Fiqh ohne Tasawwuf studiert, wird korrupt. Und wer Tasawwuf ohne Fiqh lernt, wird zu einem Sektierer. Sie werden ihr gewünschtes Ziel nur dann erreichen, wenn sie sowohl Fiqh, als auch Tasawwuf studieren.“ Daher ist diese Wissenschaft als Ergänzung zum Recht unverzichtbar. Und das Recht ist wichtig, um das Erlaubte von dem Verbotenen zu scheiden. Wer eine der beiden vernachlässigt, hat die Hälfte verpasst.

Es ist ein großer Fehler, wenn beide Wissenszweige voneinander getrennt werden. Das geschieht, wenn der Sufi vom Studium des Rechts abweicht, oder wenn der Faqih die Spiritualität ignoriert. Das lässt sich vermeiden, wenn der Rechtsgelehrte neben den Regeln seines Faches das Nötige erlernt, um sich die dazugehörige Spiritualität anzueignen. Und zur gleichen Zeit sollte ein Sufi sich dasjenige aneignen, was für ihn oder sie nötig ist, um durch seine oder ihre spirituelle Reise nicht die Regeln zu brechen. Aus diesem Grund sagten einige der führenden Gelehrten des Tasawwuf wie Ar-Rifa’i: „Wahrlich, das Endziel der Gelehrten und Sufis ist das gleiche.“

In seinem Buch über die Sufi-Prinzipien behandelte Schaikh Zarruq das Bedürfnis der Suchenden nach einem Schaikh. Er schrieb: „Taqwa braucht keinen Schaikh für ihre Erklärung (…) der Verständige braucht nichts mehr als den Qur’an, um ihren oder seinen Fortschritt zu führen, aber sie werden nicht sicher sein vor den Schwächen ihrer Seele [ohne einen spirituellen Führer].“ Das kann durch die Nachfolge der rechtgeleiteten Gelehrten erzielt werden, die das praktizieren, was sie predigen.

Die Menge des Wissens, die der oder die einzelne benötigt, unterscheidet sich von Person zu Person. Ihr gründliches Studium ist eine Verpflichtung für die Gemeinschaft – und für jede Einzelne und jeden Einzelnen im höchsten Maße empfehlenswert.

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