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Über die Hadithe: Von den prophetischen Überlieferungen und ihren Wissenschaften. Von Hassan Ritter

Der Gesandte Allahs hat gesagt... (1)

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(iz). Das Hadith gilt im Islam als zweite Offen­barungsquelle nach dem Qur’an und beinhaltet durch den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, übermittelte Gebote und ­Verbote, sowie Taten seiner Gefährten, die er still­schweigend gebilligt hat. Zudem sind auch Beschreibungen seines Aus­sehens und seines Charakters in Form von Hadithen überliefert worden, sowie Prophezeiungen, Beschreibungen des jenseitigen Lebens etc.

Während die Echtheit des Qur’ans von Muslimen nie in Frage gestellt wurde, da die Offenbarung, die der Prophet erhal­ten hatte, von so vielen Gefährten aus­wen­dig gelernt, aufgeschrieben und weitergegeben wurde, dass eine absichtliche oder unabsichtliche Fälschung unmög­lich war, hat sich um die Überlie­ferungen des Propheten eine umfassende Wissen­schaft herausgebildet, um deren Authentizität zu überprüfen. Mit dem Überliefern, Sammeln, Niederschreiben und Über­prü­fen von Hadithen entstand in den ers­­­ten Jahrhunderten der islamischen Zeitrechnung somit ein literarisches Werk, das, betrachtet man seinen enormen Umfang an gesammelten Schriften und Personen, die daran teilhatten, sowie die Rigorosität und Exaktheit, mit ­denen dabei vorgegangen wurde, weltweit seinesgleichen sucht.

Dabei kommt zunächst insbesondere das manchmal fast schon extrem anmutende Bemühen der ersten Generationen von muslimischen Gelehrten zum Ausdruck, wirklich auch nur das zu überliefern, was auf den Propheten zurückgeführt werden konnte. Oder es zumindest von dem zu unterscheiden, was ihm in der Folge angedichtet wurde. Denn während die meisten Muslime von ­Be­ginn an ihr Leben am prophetischen Vorbild orientieren wollten und die Bewah­rung der Hadithe dafür unerlässlich war, versuchten manche sich mittels der Auto­rität des Propheten, Allahs Segen und Frie­den auf ihm, und indem sie ihm Aussprüche oder Taten andichteten, Vor­tei­le zu verschaffen. Dies entsprang ihrem politischem, rechtlichem oder sonstigem Interesse.

Deshalb sagte der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in weiser Voraussicht: „Wer absichtlich etwas über mich erzählt, was nicht stimmt, der sollte seinen Sitz im Höllenfeuer vorbereiten.“ Das heißt über den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, würde absichtlich gelogen werden, aber es wurde natürlich auch das ein oder andere unabsichtlich falsch überliefert, was in Bezug auf den erwähnten Hadith weniger gravierend war, für die Bewahrung der prophetischen Tradition jedoch nichtsdestotrotz eine große Gefahr darstellte. Interessanterweise ist die erwähnte Überlieferung ein Beispiel für einen Ausspruch des Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, der von so vielen seiner Gefährten und deren Nachkommen weitergegeben wur­de, dass er zweifelsohne von diesem stammen muss. Dies wird in der Hadithwis­sen­schaft als „Mutawatir“ bezeichnet.

Zur geschichtlichen Entwicklung
Zunächst soll gezeigt werden, welche Methoden von Hadithgelehrten angewandt wurden, um festzustellen, ob eine Überlieferung sicher, möglicherweise oder gar nicht vom Propheten stammt. Als der Gesandte Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, diese Welt im Jahre 10/632 verließ, stellte sich seinen Gefährten zunächst die Frage, wer die junge Gemeinschaft weiterhin leiten und wie das ihm offenbarte ­Wissen für die folgenden Generationen bewahrt werden sollte. Schätzungen gehen davon aus, dass zu dieser Zeit etwa 100.000 Menschen den Gesandten Allahs ­gesehen hatten und an ihn und seine Botschaft glaubten. Was die Bewahrung des Qur’ans be­trifft, so garantiert Allah im Qur’an: „Gewiss, Wir sind es, die die Ermahnung offenbart haben und Wir werden wahrlich ihr Hüter sein“ (Al-Hidschr, 9).

Zahlreiche Gefährten hatten den Qur’an aus­wendig gelernt, und er wurde bereits zu Lebzeiten des Pro­­phe­ten, Allahs Segen und Friede auf ihm, von circa 40 Gefährten ­niedergeschrie­ben. Was sollte jedoch mit seinen Aus­sprüchen geschehen, die ja oft als Erklä­rung des Qur’ans dienten und ohne Zweifel Teil der Offenbarung waren, denn „er [der Prophet] spricht nicht aus eigener Neigung“ (An-Nadschm, 3)?

Diese wurden zunächst insbesondere münd­lich weitergegeben, und zwar von denjenigen Prophetengefährten, die sich dazu imstande fühlten, da sie die Hadi­the im Herzen bewahrt hatten. Von den er­wähn­ten 100.000 Gefährten haben nur rund eintausend selbst Hadithe überlie­fert, und die Mehrheit von diesen hat wie­derum jeweils nur wenige pro­phe­tische Aussagen weitergegeben.

Bemerkenswerterweise zählten jene, die die meisten Hadithe übermittelten, zur jüngeren Generation unter den Pro­phe­tengefährten. Aufgrund ihrer heraus­ragenden Bedeutung bei der Be­wah­­rung der prophetischen Sunna seien hier eini­ge namentlich erwähnt.

Abu Huraira hat mit circa 5.300 ­Hadithen die meisten überliefert und das, obwohl er nur drei Jahre lang in der Nähe des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, lebte. Für ihn wie für andere junge Gefährten gilt jedoch, dass sie nicht nur Hadithe direkt vom Propheten, Allahs Segen und ­Frie­den auf ihm, überlieferten, sondern auch über andere Gefährten. Sein Leben galt schließ­lich ganz der prophetischen Sunna. Es heißt, dass er sein Wissen an ca. 800 Schüler weitergab.

‘Abdullah ibn ‘Umar, der Sohn des zweiten Khalifen, ‘Umar bin Al-Khattab, überlieferte ungefähr 2.600 ­Hadithe.

Anas ibn Malik diente dem Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, zehn Jahre lang. Er wurde über 100 Jahre alt und überlieferte rund 2.300 Hadithe.

‘Aischa bint Abu Bakr, die „Mutter der Gläubigen“ übermittelte ca. 2.200 Hadithe – vor allem auch aus dem priva­ten Leben des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm.

Ibn ‘Abbas war erst 13, als der Ge­sandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, starb und überlieferte nur sehr wenige Hadithe direkt von die­sem, insgesamt jedoch 1.700.

Andere enge Gefährten – wie die vier „rechtgeleiteten Khalifen“ (Abu Bakr, ‘Umar ibn Al-Khattab, ‘Uthman ibn ‘Affan und ‘Ali ibn Abi Talib) – übermittel­ten viel weniger, wahrscheinlich, da sie selbst mit einer Menge verantwortungsvoller Aufgaben betraut waren. Sie gaben die prophetische Sunna somit wohl eher durch ihre Lebenspraxis weiter. Von vielen Gefährten wird jedoch auch be­rich­­tet, dass sie zutiefst besorgt waren, versehentlich etwas Falsches über den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu berichten und dass sie deshalb gar nichts übermittelten oder nur, wenn dies absolut nötig war. Wenn Abu Bakr As-Siddiq von jemandem Hadi­the hörte, verlangte er Zeugen für das Gesagte, und ‘Ali ibn Abi Talib ließ die Überlieferer schwören, dass ihre Berichte der Wahrheit entsprachen.

Dass die Hadithe zunächst fast aus­schließlich mündlich überliefert wurden, liegt darin begründet, dass in der arabi­schen Gesellschaft zu jener Zeit münd­liche Überlieferungen, etwa auch im Falle von ­Ge­dichten, Geschichten und Weis­heiten, üblich und nur wenige des Schreibens mächtig waren. Der Qur’an war schließ­lich das erste niedergeschrie­bene „Buch“.

Aus einigen Hadithen geht jedoch auch hervor, dass der Prophet, möge ­Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, die Niederschrift seiner Aussagen unter­sagt hatte. Dies wurde von Gelehrten später damit begründet, dass er eine Verwechs­lung des Qur’ans mit dem Hadith vermeiden wollte. Die Hadi­the wurden aber dennoch niedergeschrie­ben, wahr­scheinlich, wenn eine Verwechslung nicht mehr befürchtet wurde.

Manche Gelehrte meinen, dass das Niederschrei­ben von Hadithen zu Beginn der Offenbarung untersagt war und dies später aufgehoben wurde. Andere meinen, dass der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, einigen Gefährten, die gut schreiben konnten – wie zum Beispiel Abdullah ibn ‘Amr ibn Al-’As – empfohlen beziehungs­weise erlaubt habe, seine Aussprüche nieder­zuschreiben, und es denen, die nicht so gut schreiben konnten, mit einer allgemeinen Anweisung untersagte.

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