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Über die Rolle von Frauen in der Bewahrung und Weitergabe von prophetischen Aussagen. Von Dr. Mohammad A. Nadwi, Oxford

Frühe weibliche Gelehrte des Islam

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(iz)„O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, Der euch erschaffen hat aus einem einzigen Wesen; und aus ihm erschuf Er dessen Paarteil, und aus den beiden ließ Er viele Männer und Frauen entstehen. Und fürchtet Allah, in Dessen Namen ihr einander bittet, sowie (im Namen eurer) Blutsverwandtschaft. Wahrlich, Allah wacht über euch.“ (An-Nisa, 1)

Seit Anbeginn der menschlichen Geschichte hat Allah sehr deutlich gemacht, dass Männer und Frauen gleichwertige Wesen sind, die aus einer Seele erschaffen wurden und dem gleichen Herrn gehorchen. Der obige Vers wurde dem Gesandten Allahs in einer Zeit offenbart, als Frauen in ihrer angestammten Umgebung gedemütigt wurden. Der qur’anische Vers „und wenn das lebendig begrabene Mädchen gefragt wird: ‘Für welch ein Verbrechen wurdest du getötet?’“ (At-Takwir, 8-9) wurde über die antike Praxis der Araber offenbart, in der aus Furcht vor Demütigung weibliche Kinder getötet wurden. Gleiches trifft auf einige heutige Länder zu, in der weibliche Föten gezielt abgetrieben werden. Der Islam wurde offenbart, um ignorante Praktiken wie diese und andere aufzuheben.

Die erste Offenbarung im Qur’an „Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf“ (Al-’Alaq, 1) ließ den Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, schwer erschüttert zurück, denn er konnte nicht verstehen, was hier einem verwaisten, des Lesens und Schreibens unkundigen Araber geschehen war. Es ist überliefert, dass er von Khadidscha, möge Allah mit ihr zufrieden sein, getröstet wurde, die ihm vertraute und die sein Rückhalt in einer Zeit der großen Not und Sorge gewesen ist. Sie war das Rückgrat seiner ersten Bemühungen für die Stärkung des jungen Dins und eine edle Geschäftsfrau von nobler Abstammung.

Nach drei Jahren der Zurückhaltung wurde er von Allah angewiesen, seine Familie zum neuen Glauben einzuladen. Er versammelte sie und rief den Stamm von Haschim und den Stamm von ‘Abdulmuttalib auf, an seine Botschaft zu glauben. Am Ende des Berichts von diesem Ereignis sagte der Prophet gesondert zu ‘Abbas ibn ‘Abdulmuttalib: „Ich werde dir nicht am Tag des Gerichts nutzen.“ Er machte die gleiche Aussage gegenüber seiner Tante, Safijja bint ‘Abdulmuttalib und zu seiner Tochter, Fatima, möge Allah mit beiden zufrieden sein. Er fügte hinzu: „Bittet mich um meinen Besitz in dieser Welt, aber am Tag des Jüngsten Gerichts kann ich euch in keiner Art und Weise bewahren.“ In seiner Ansprache richtete der Prophet sich spezifisch an zwei Frauen und einen Mann und bewies, dass Frauen eine unabhängige religiöse Verantwortlichkeit besitzen, die keine Verbindung mit ihrem Geschlecht hat.

Diese Unabhängigkeit im Glauben wird durch die Tatsache verkörpert, dass die Ehefrauen der Propheten Nuh (Noah) und Lut (Lot) beide den Glauben ihrer Gatten zurückwiesen. Und Umm Habiba wurde Muslimin, während ihr Vater, Abu Sufjan, zu dieser Zeit ein überzeugter Gegner des Propheten war. Er besaß keinen Einfluss, keine Macht und kein Privileg über ihre unabhängige Entscheidung. Beim zweiten Treueschwur von ’Aqaba, einem Vertrag mit spezifischen politischen und strategischen Verpflichtungen, nahm der Prophet den Treueeid von Männern und Frauen entgegen. Er war nicht damit zufrieden, dass Frauen auf ihrer Haushalte beschränkt blieben – vollkommen entfernt von jeglicher Einmischung in öffentlichen Fragen.

Der Qur’an, die wichtigste Quelle des Islam, wurde von vielen Prophetengefährten auswendig gelernt. Nach der Schlacht von Jamama, bei der viele dieser Huffadh getötet wurden, riet ‘Umar, möge Allah mit ihm zufrieden sein, dem Khalifen Abu Bakr, eine standardisierte Edition des gesamten Qur’an im Dialekt der Quraisch herauszugeben, die Bestand haben sollte. Abu Bakr begann damit, und nach seinem Tode ging die Edition an ‘Umar. Nach dessen Ableben ging sie an Hafsa bint ‘Umar über, die sie umsichtig bewachte und bewahrte. Während der Amtszeit von ‘Uthman borgte er sich den Qur’an aus Hafsas Besitz aus und fertigte standardisierte Kopien an, die an die wichtigsten politischen und kulturellen Zentren im Herrschaftsbereich des Islam entsandt wurden. Aus Furcht vor der Verbreitung von falschen und verfälschten Rezitationen und Lesarten ordnete er die Verbrennung aller abweichenden Kopien ab. Es wird klar, dass niemand die Vertrauenswürdigkeit von Hafsa ibn ‘Umar in Frage stellte.

Zur Zeit der Prophetengefährten kam niemals die Debatte auf, ob es legitim sei, direkt von Frauen zu lernen. In den Büchern der prophetischen Überlieferungen findet man in jedem Abschnitt Überlieferungen, die von Frauen stammen. Imam Hakim Naisapuri sagte: „Ein Viertel unserer Religion hängt ab von den Überlieferungen der Frauen. Würde es sie nicht geben, würden wir eine Viertel unserer Religion verlieren.“

Gleichfalls stammen viele Berichte von wichtigen Ereignissen oder Veränderungen von Frauen – beispielsweise über den Anfang der prophetischen Mission. Von ‘A’ischa stammt ein Hadith über die Umstände der ersten Offenbarung, das später von Imam Al-Bukhari aufgenommen wurde. Um ein ähnliches Beispiel zu geben: Wir alle wissen, dass die Gebetswaschung absolut essenziell für die Gültigkeit des rituellen Gebets ist. Eine weibliche Gefährtin, Rubija bint Mu’awidh, deren Familienmitglieder bei der Schlacht von Uhud starben, war eine bedeutende Überlieferin von Hadithen. Ihre Berichte finden sich bei Bukhari, Muslim, Ibn Madschah und in anderen Sammlungen. Sie überlieferte, wie der Prophet die Gebetswaschung vollzog, da sie ihn tatsächlich dabei beobachten konnte. Die Prophetengefährten gingen zum Lernen zu ihr, obwohl Abu Bakr, ‘Umar, ‘Uthman, ‘Ali, Mu’adh ibn Dschabal und ‘Abdullah ibn Mas’ud in Medina anwesend waren. Sie galt als Expertin in Fragen der Gebetswaschung. Zu ihren Schülern auf diesem Gebiet zählten ‘Abdullah ibn ‘Abbas, sein Vater und auch Mitglieder der Prophetenfamilie. Ibn ‘Abbas stellte niemals die Frage: „Warum sollte ich von ihr nehmen, wo ich doch selbst aus der Familie des Propheten stamme und ein bekannter Qur’ankommentator bin?“ Das gleiche gilt für ‘Ali Zain Al-Abidin, dem Urenkel des Propheten, der selbst ein großer Gelehrter war. Ihr Standpunkt war es, zu jedem zu gehen, der Wissen besaß – unabhängig des Geschlechts.

Interessanterweise gibt es kein einziges Hadith, welches von den Gelehrten verworfen wird, weil es von einer Frau gefälscht wurde. Imam Adh-Dhahabi bestätigte dies: „Es gibt viele Männer, die Hadithe fälschten. Jedoch wurde keine Frau in der Geschichte des Islam beschuldigt, etwas dergleichen getan zu haben.“ Frauen waren immer aufrichtig in der Weitergabe religiösen Wissens. Amrah bint ‘Abdurahman zählte zu den größten der weiblichen Nachfolgerinnen (des Propheten). Sie war eine Rechtsgelehrte, gab Fatwas und war eine Spezialistin für prophetische Überlieferungen. Der große Khalif ‘Umar ibn ‘Abd Al-’Aziz sagte: „Wenn ihr Hadithe lernen wollt, geht zu Amrah.“ Imam Zuhri, dem die erste systematische Zusammenstellung von Hadithen zugeschrieben wird, sagte: „Geht zu Amrah, sie ist ein großes Gefäß der Ahadith.“

Zu den bekannten gelehrten Frauen der Nachfolgegeneration zählte Umm Darda, die sowohl in Damaskus, in der großen ‘Umaijaden-Moschee, als auch in Jerusalem unterrichtete. An ihrem Unterricht nahmen Imame, Rechtsgelehrte und Hadith-Spezialisten teil. Der große Khalif dieser Zeit, ‘Abdulmalik ibn Marwan, der ein Gebiet von Spanien bis Indien beherrschte, hatte eine Lehrerlaubnis von ‘Abdullah ibn ‘Umar aus Medina, der als der größte Gelehrte seiner Zeit galt. Als ‘Abdullah ein hohes Alter erreichte, fragten ihn die Leute: „Von wem sollen wir nach dir religiöse Urteile erbeten?“ Er antwortete: „Marwan hat einen Sohn, ‘Abdulmalik, der ebenfalls ein Rechtsgelehrter ist. Also fragt ihn.“ Und selbst ‘Abdulmalik nahm an Klassen teil, die von Umm Darda unterrichtet wurden und war sich nicht zu schade, von ihr zu lernen. Vielmehr diente er ihr demütig. Es wird berichtet, dass Umm Darda sich wegen ihres hohen Alters während des Unterrichts an die Schulter von ‘Abdulmalik ibn Malik anlehnte, um in die Moschee zum Gebet zu gehen. Er half ihr dann, nach dem Gebet wieder zum Ort der Lehre zurückzukehren. Die Tatsache, dass diese Frauen Männer ausbildeten, die selbst große Gelehrten waren, zeigt den Respekt und Status, den sie erreicht hatten.

Die Moschee des Propheten ist zweifelsohne einer der wichtigsten Orte des Islam und sein Grab ist noch viel mehr gesegnet. Um den Anfang des achten Jahrhunderts des islamischen Kalenders gab es Fatima bint Ibrahim, unter der die Imame Adh-Dhahabi und As-Subki das komplette Sahih Al-Bukhari studierten. Als sie zur Hadsch kam, verbreitete sich ihr Ruhm so schnell, dass sie gebeten wurde, in der Moschee des Propheten zu lehren. As-Subki, der aus Marrakesch kam, beschrieb eine ihrer Klassen wie folgt: „Sie saß an der Seite des gesegneten Kopfes des Propheten, möge Allah ihm Frieden geben und ihn segnen, und wegen ihres fortgeschrittenen Alters lehnte sie an seinem Grab. Sie unterschrieb die Lehrerlaubnis zur Überlieferung ihrer Hadithe persönlich.“

Diese und ähnliche Berichte machten deutlich, dass Frauen in der besten aller Moscheen unterrichten können. Und doch gibt es heute erschüttenderweise Streit darüber, ob sie in dieser Moschee beten dürfen! Wenn wir die wichtige Rolle von Frauen wie Hafsa in der Bewahrung des Qur’ans und die von ‘Aischa bint ’Abdulhadi in der korrekten Überlieferung von Hadithen betrachten, dann wird deutlich, dass die beiden fundamentalen Quellen unserer Religion mit der Hilfe und dem Segen von Frauen bewahrt wurden.

Hischam ibn Urwah ibn Zubair, möge Allah mit ihm zufrieden sein, war der Lehrer von Imam Malik, Abu Hanifa und Sufjan Ath-Thauri und galt als wichtiger Hadith-Gelehrter seiner Zeit. Die verlässlichsten Überlieferungen von ihm, die sich bei Bukhari und Muslim finden, sind jene, die er von seiner Frau, Fatima bint Mundhir, überlieferte. Traurigerweise würden viele Männer heute keine Frau mehr heiraten, die mehr Wissen hat als sie.

Eine der besten Zusammenstellungen des hanafitischen Fiqhs ist das Meisterwerk „Badaja’ As-Sanaja’“ von Imam Kasani, dessen Frau Fatima As-Samarqandija, die Tochter von Ala’addin As-Samarqandi, war. Sie war Expertin in den Ahadith und anderen religiösen Wissenschaften. Einer der Schüler von Imam Kasani berichtete folgende Begebenheit: „Wir sahen manchmal, dass unser Lehrer den Klassenraum verließ, wenn er eine bestimmte, schwierige Frage nicht beantworten konnte. Nach einer Zeit kam er zurück, um die Frage in großen Einzelheiten zu erleuchten. Wir fanden später heraus, dass er in solch einem Fall nach Hause ging und die gleiche Frage seiner Frau stellte, um eine Erklärung zu hören.“

Die oben angeführten Beispiele sind nur ein Hinweis auf den enorm wichtigen Beitrag von Frauen in der Welt der islamischen Gelehrsamkeit. Wir heutige müssen uns ans ihren Status und ihre Würde erinnern, die von unseren gottesfürchtigeren Vorläufern anerkannt wurde. Diese basierten auf der Inspiration, die sie vom Meister aller Propheten, unserem Meister Muhammad, erhalten haben.

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