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Über die Schahadatain – das doppelte Glaubensbekenntnis der Muslime. Von Schaikh Habib Bewley

Geheimnis der Existenz

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(iz). Die Schahadatain, das doppelte Glaubensbekenntnis des ­Islams [„Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah und dass Muhammad Sein Gesandter ist“], unterscheidet uns von jenen, die die Wahrheit leugnen. Der erste Teil trennt Muslime von Atheisten und Götzenanbetern und der zweite von Juden und Christen. Dieser einfache Satz ist es, der uns vereint und die Muslime in aller Welt brüderlich zusammenführt. Dieser simple Satz ist der erste Pfeiler des Dins von Allah und auf ihm ist die gesamte Sache errichtet.

Aus einer prophetischen Aussage ­wissen wir, dass eine Person durch das hörbare Aussprechen dieses Satzes von der Dunkelheit in das Licht tritt. Die Tore zu Allahs Wohlgefallen, Gnade und Vergebung, die ihr vorher verschlossen blieben, sind nun weit aufgerissen. Ihre guten Taten nutzen ihr von nun an und werden Früchte tragen.

Das Glaubensbekenntnis ist der Schlüssel, der den Rest der ‘Ibadat – die Handlungen der Anbetung – öffnet. Die Schahadatain ermöglichen es dieser Person, ihr Potenzial als menschliches Wesen zu erfüllen. Denn Allah sagt: „Ich habe die Menschen und die Dschinn nur erschaffen, damit sie Mich anbeten.“ Sie reinigt die Tafel des Menschen vollkommen. All ihre falschen Handlungen vor der Zeit des Islam sind hinweggefegt, als hätten sie niemals existiert. Dies galt beispielsweise für Hind bint Utbah, die Ehefrau von Abu Sufjan – welche Hamza, den Onkel des Propheten, nach der Schlacht von Uhud verstümmelte und seine Leber aß -, als diese zum Propheten kam. Bei ihm nahm sie den Islam an. Dieser vergab ihr, akzeptierte sie augenblicklich und erwähnte ihre früheren Grausamkeiten nicht. In den Augen Allahs und angesichts ihrer Rechenschaft [am Tag des Jüngsten Gerichts] sind diese niemals geschehen. Das gleiche gilt für jeden, der die Schahada [vor zwei erwachsenen Zeugen] spricht.

Aber die Schahada bringt auch Verant­wortung mit sich – sowohl für den, der sie ausspricht, als auch für die Gemeinschaft als Ganzheit. Denn sie besteht nicht nur aus Worten, sondern ist ein Vertrag zwischen uns und unserem Herren. Ein Vertrag, der darin besteht, Ihm darin darin zu gehorchen, was Er uns wie auch Seinem Gesandten befiehlt. Das Minimum, zu dem wir angehalten sind, ist die Befolgung der Säulen des Dins – das Gebet, die Zakat, das Fasten im Ramadan und die Hadsch.

Indem man die Schahada spricht, gibt man ein Versprechen ab, diese Dinge nicht auf die leichte Schulter zu ­nehmen. Man muss die Grundlagen des Islams erlernen. Und die weitere muslimische Gemeinschaft hat die Pflicht, die neuen Muslime darin zu unterstützen.

Niemand darf denken, dass es ausreicht, die Schahada einer Person zu ­bezeugen – in Wahrheit ist dies nur der Anfang. Sie braucht unsere Gesellschaft und Rechtleitung. Denn sie hat ihre ­bekannte Welt hinter sich gelassen und hat ein un­bekanntes Territorium betreten. Die Muslime sollten sich ganz besonders bemühen, die neuen Muslime mit offenen Armen zu empfangen, ihnen Gesellschaft zu leisten und bereit zu ­stehen, ihnen beizubringen, was sie wissen müssen.

Auch wenn das bloße Aussprechen der beiden Schahadas (arab. Schahadatain) ausreicht, einen Menschen zum Muslim zu machen, wird man nur durch ihre Bestätigung im Herzen zum Mumin – zum Gläubigen. Und so wie die Schaha­da jede Handlung der Anbetung in sich enthält, enthält sie jeden Aspekt der Glaubenslehre. Ein genaues Studium von „La ilaha illa Allah (Es gibt keinen Gott außer Allah)“ ergibt, dass sie jede der Göttlichen Eigenschaften Allahs enthält: Seine Existenz, die ohne Anfang ist und für immer andauert; Seine absolute Unabhängigkeit; Seine vollkommene Trennung von allem, was in-der-Zeit ist; Seine Einheit in Seiner Essenz, Seinen Eigenschaften und Seinen Handlungen, und dass Er Leben, Macht, Wissen, Willen, Hören, Sehen und Sprache besitzt.

Dies wurde verständlich gemacht von Schaikh Muhammad ibn Al-Habib im Gedicht „Aqa’id At-Tauhid (Die Lehren der Einheit)“ aus seinem Diwan [arab. Gedichtsammlung], in dem er sagt: „Die Bedeutung des Wortes ‘Ilah’ ist Der, der nichts braucht als Sich selbst und Den jedes andere Ding, das anders als Er ist, benötigt.“

Nach einem Augenblick des Nachdenkens erkennen wir, welch ein enormer Segen und Gnade Allahs die Schahada ist. Die Rettung eines Menschen aus dem Feuer besteht in ihrem kompletten Glauben an Allah und Seinen Gesandten im Augenblick des Todes. Mit anderen Worten: Dies verpflichtet den Menschen, all die Glaubenslehren in dem Augenblick zu bestätigen, wenn er diese Welt verlässt. Wir wissen aber, dass Menschen in ihren letzten Augenblicken sehr ­geschwächt sind und nicht mehr in der Lage, sich an all jene Einzelheiten zu ­erinnern. Und so gab Allah uns einen kurzen Satz, dessen Erinnerung leicht fällt und dessen Aussprechen noch einfacher ist. Durch diesen – die Schahada – wird jede einzelne der Glaubenslehren bestätigt.

Aus diesem Grund sagte der Prophet: „Jeder, dessen letzten Worte ‘La ilaha illa Allah’ sind, tritt in den Garten ein.“ Dies weist auf das Urteil für jene ihn, die noch sprechen können. Und „jeder, der stirbt und weiß, dass es keinen Gott außer Allah gibt, kehrt in den Garten ein“ ist ein Hinweis auf jene, die nicht mehr sprechen können.

Der zweite Teil der Schahada ist „Muhammad Rasulullah (Muhammad ist der Gesandter Allahs)“. Die Schahada eines Menschen und auch sein Din sind ohne diesen Teil unvollständig. Er ist derjenige, den Allah entsandte, um uns zu zeigen, wie wir unser Leben führen und Ihn anbeten. Nur durch ihn haben wir Zugang zu den Worten Allahs und nur durch ihn bekommen wir Wissen von unserem Herrn [Ma’rifa]. Dies wird aus der Sura Al-Ikhlas nachvollziehbar, in der Allah sagt: „Sprich: ‘Er ist Allah, ein Einziger.’“

Die Tatsache, dass die ultimative Formulierung des Tauhids [der Einheitslehre des Islam] durch ein kleines Wort „Sprich“, das an den Propheten gerichtet ist, eingeleitet wird, zeigt uns, dass nur durch ihn solches Wissen erlangt werden kann. Nur durch die Befolgung seiner Lehren und seines Vorbildes kann jeder von uns hoffen, unseren Herrn zufrieden zu stellen.

Und Allah sagt in Seinem Qur’an: „Sprich: ‘Wenn ihr Allah liebt, dann folgt mir, und Allah wird euch lieben und eure falschen Taten vergeben. Allah ist der All-Vergebende, der All-Erbarmer.’“ Es ist ­diese Anweisung, die den Islam zu einem Din – einer Lebensweise – macht und nicht zu einer Religion. Denn der Prophet lebte ein ganzheitliches Leben – ­engagiert in Heirat, Handel und Regierung, aber auch in Handlungen der Anbetung. Indem wir Muhammad als den Gesandten Allahs bestätigen, stimmen wir einem Vertrag zur Nachfolge seiner Sunna in allen Aspekten unseres Lebens zu. Allah sagt in Seinem Edlen Qur’an: „Allah bezeugt, dass es keinen Gott außer Ihm gibt. Genauso wie dies die Engel und die Leute des Wissens, welche die Gerechtigkeit aufrechterhalten, tun.“

Es gibt unzählige Hadithe, die den unvergleichlichen Wert und Nutzen der Schahada deutlich machen. Abu Sa’id Al-Khudri überlieferte ein Hadith des Propheten: „Musa sagt: ‘Mein Herr, lehre mich etwas, durch das ich mich an Dich erinnern kann und mit dem ich Dich anrufen kann.’ Allah entgegnete: ‘Musa, sprich La ilaha illa Allah.’ Und so entgegnete ihm Musa: ‘La ilaha illa anta – es gibt keinen Gott außer Dir. Alles, was ich will, ist, dass Du mir einen Dhikr gibst, der nur für mich ist.’ Allah antwortete ihm: ‘Musa, würden die sieben Himmel auf eine Seite einer Waage gestellt und La ilaha illa Allah auf die andere, dann wiegt La ilaha illa Allah schwerer als sie.’“

In einem weiteren Hadith des Prophe­ten findet sich: „Ein Mann wird gebracht werden, auf dessen Waage sich 99 Schriftstellen mit seinen Verbrechen und falschen Handlungen befinden. Jede von ihnen ist so groß wie das Auge reicht. Dann wird ein schmaler Fetzen Papier, so klein wie eine Fingerspitze, mit La ilaha illa Allah gebracht und auf die andere Seite der Waage gelegt werden. Und dieses kleine Papierstück wird all seine Verbrechen und falschen Handlungen überwiegen.“

Es heißt in einem Hadith Qudsi, das von ‘Ali ibn Abi Talib überliefert wurde: „Allah sagt: ‘La ilaha illa Allah ist meine Festung. Wer sie betritt, wird vor Meiner Strafe sicher sein.’“ Es gibt hunderte von Hadithen, in denen die unzähligen Segnungen der Schahada erwähnt werden. Auch wenn die persönliche Verpflichtung dadurch erfüllt wird, dass ihre einmalige Aussprache – mit der richtigen Absicht – den ersten Pfeiler des Dins abdeckt, so sind ihre Schätze für diejenigen reserviert, die ihre Zunge damit befeuchten. Aus diesem Grund raten uns die ‘Ulama und Schujukh, sie so regelmäßig wie möglich zu rezitieren und jeden Augenblick mit ihr zu füllen. Ibn ‘Aschir, der bekannte malikitische Gelehrte aus Fes, sagte: „Sie ist die beste Form des Dhikr. Also beschäftigt die Augenblicke eures Lebens mit ihr und ihr werdet den Schatz erlangen.“

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