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Über die Würdigung des Qur’an

Zweiter Teil einer losen Artikelserie mit Essays über das Buch Allahs

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Foto: ho visto nina volare |Lizenz: CC BY-SA 2.0

(iz). Der Qur’an; seine Worte, Sätze, seine kurzen Phrasen und seine gesegneten Seiten – sie alle sind, seit der erstmaligen Offenbarung des Qur’an  auf der Erde, seit dem Beginn seiner Niedersendung aus der Ewigkeit hinab zu den Menschen, Teil des islamischen Ritus. Er hat seine eigene Zeremonie, seine Rezitation ist ein Gottesdienst (Ibadat) der höchsten Form. Allein durch die Wiedergabe der Suren und Auszüge des Qur’an in der arabischen Sprache wirkt das Pflichtgebet (Salat) in seiner vollen Kapazität und wird angenommen.

Das selbe gilt für die freiwilligen Gebete (Nawafil), die kein strenges Gebot darstellen, doch als solche schöne Handlungen und Allah lieb sind.

Der Qur’an hat eine herausragende ­rituelle Bedeutung. Die Worte „wa qur’ana l-fadschr“ bedeuten „den Qur’an am Morgen lesen“, was dahingehend interpretiert wurde, das morgendliche Gebet zu verrichten. Dies ist eine gewichtige Stelle in der Offenbarung, an welcher der Qur’an – seine Rezitation – mit der Verrichtung des Gebetes verbunden wird. Das Buch selbst ist daher das Fundament und das Gebilde der täglichen fünf Gebete. Es ist die Voraussetzung, ohne welche es keine Struktur in den reichen islamischen Traditionen geben könnte beziehungsweise ohne welche sie nicht aufrechterhalten werden könnten.

Nicht nur im Gebet, sondern als grundlegende Bedingung und in der ganzheitlichen Struktur der islamischen Anbetung, und in allen Sphären des Islam, spielt der Qur’an eine zentrale, ja eine wesentliche Rolle.

Mit der Anbetung Allahs durch die intensive Verwendung der Offenbarung als fortwährendes gesprochenes Wort sakralisieren Muslime auf abstrakte und unsichtbare Art ihre Umgebung. In den traditionellen, lebendigen muslimischen Kulturen ist vieles aus den Seiten der Herabsendung entnommen worden. Beispielsweise hat der Friedensgruß „As-salaamu ’alaikum!“ nicht nur die Funktion einer Begrüßung, sondern wirkt auch als Ausruf qur’anischer Worte, die Allahs Wohlgefallen erzeugen.

Aus der Schrift haben sich viele ­Ausdrücke und Phrasen in die Praktiken der muslimischen Völker eingenistet. ­„Alhamdulillah!“ (Alles Lob gebührt Allah/Gott sei Dank), „Inscha’Allah (So Allah es will), Mascha’Allah (Allah wollte es so/Ausdruck des Zuspruchs), und viele weitere Bekundungen sind oft wiederholte Auszüge des Buches, die man auf den Straßen hören kann, die in den Medien, der Literatur, usw. verwendet werden.

Verschiedene Völker haben in ihrer Gottesanbetung die Verwendung des Qur’an ihrerseits intensiviert und diese Art der Anbetung sogar so weit vervielfacht und in beliebte Formen gegossen, die über den Umfang des grundlegend Vorgeschriebenen hinausgehen. Wenn wir die pflichtmäßigen und die allseits beliebten Verwendungen des Buches in Betracht ziehen, können wir sagen, dass das qur’anische Wort beispielsweise für die Heilung, Segnung, den Erfolg, Glückwünsche, Trost, das Spenden von Hoffnung und das Hinwegnehmen der Angst oder zum Schutz gesprochen wird.

Allahs Buch ist in der islamischen Tradition der wichtigste Zeuge vieler alltäglicher Geschehnisse: bei Geburten, in der Namensgebung, bei Hochzeiten, während der Reinigung der Wohnstätte sowie des Körpers, beim Anziehen, Schmücken, Essen, Schlafengehen, Aufstehen, usw.

Wir können also abschließend festhalten, dass aus der rituellen Eigenschaft des Qur’an die intensivste, meist verbreitete und am längsten andauernde Beschäftigung – und die damit einhergehenden Handlungen – entstanden ist, welche die Völker der muslimischen Zivilisationen aus den Seiten des Heiligen Buches entwickelt und rezipiert haben.

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Prof. Dr. Enes Karic

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