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Vorbereitung auf den Ramadan

Über eine besondere Zeit des Segens, die in den Fastenmonat mündet

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Foto: Guillaume Paumier, CC-BY

„… Und (Er schuf auch) die Sonne, den Mond und die Sterne, durch Seinen Befehl dienstbar gemacht. Sicherlich, Sein ist die Schöpfung und der Befehl. Segensreich ist Allah, der Herr der Weltenbewohner.“ (Al-A’raf, 54)

(iz). Gerade haben wir den islamischen Monat Radschab. Mit ihm fängt jedes Jahr eine besondere Zeit des islamischen (Mond-)Kalenders an, die in den segens­reichen Fastenmonat Ramadan mündet, der seinerseits mit dem ‘Id Al-Fitr (auch als Zuckerfest bekannt) endet. An jene drei Monate sind verschiedene religiöse Handlungen wie ein freiwilliges Fasten und bestimmte Nächte gebunden, die Muslime in aller Welt mit der Erinnerung an Allah und dem Lobpreis Seines Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, begehen.

Anbindung an die ­kosmische Wirklichkeit
Wenn es irgendeine Religion gibt, die den Menschen zum Beobachten und Verstehen des Himmels einlädt, dann ist dies der Islam. So ist ein gewisses Verständnis der Astronomie sogar Bestandteil der Religionsausübung. Keine ande­re Religion fußt derart auf der Bewegung des Mondes und der Sonne zur Zeitrechnung und Kalenderschreibung wie der Islam.

Allah hat dieses gewaltige Universum geschaffen, damit wir in und mit ihm leben und darüber nachdenken: „Und Er ist es, Der euch die Sterne gemacht hat, damit ihr euch durch sie in den Finsternissen des Festlandes und des Meeres rechtleiten lasst. Wir haben ja die Zeichen ausführlich dargelegt für die Leute, die Bescheid wissen.“ (Al-An’am, 97)

Die Existenz des islamischen Mondkalenders und seiner Monate erzwingt bekanntermaßen eine kontinuierliche, und dem islamischen Recht entsprechende Beobachtung des Himmels, um die Anfänge (beziehungsweise das Ende) eines jeden Monats (und nicht nur der des Ramadans!) genau zu bestimmen. Werden Anfang und Ende der vorherigen Monate nicht korrekt festgelegt, bleibt die Gültigkeit des Ramadanbeginns folgerichtig im Unklaren.

Was die Nachfolge der Sunna des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, bei der Sichtung des Neumondes betrifft, so kann eine Gemeinschaft durch ihren Verantwortlichen zwei der folgenden Möglichkeiten folgen: Sie kann sich nach der Sichtung in einer anderen Region richten, die ihr benachbart ist. Oder sie kann sich nach einer Sichtung richten, die lokal ist.

Über die Monate des islamischen Mondkalenders sagte Allah im Qur’an: „Wahrlich, die Zahl der Monate bei ­Allah beträgt zwölf, so sind sie im Buch Allahs festgelegt worden seit dem Tag, da Er die Himmel und Erde erschuf. Von diesen Monaten sind vier heilig. Das ist der beständige Glaube. (…).“ (At-Tauba, 37)

Radschab
Vom Propheten Muhammad, Allahs Segen und Heil auf ihm, stammte ein Bittgebet über den Anfang dieser gesegneten Zeit: „O Allah, segne uns im Radschab und im Schaben und lass uns den Ramadan erreichen.“ Der Radschab, der siebte Monat des islamischen Kalenders, den wir nun hinter uns gelassen haben, zählt zu den vier heiligen Monaten des Islams.

In einer Überlieferung des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, heißt es: „Wahrlich, die Zeit ist wiedergekehrt wie am Tage, an dem Allah die Himmel und die Erde erschaffen hat: Das Jahr hat zwölf Monate, von den vier geheiligt sind. Drei davon folgen aufeinander, und zwar: Dhu-l-Qa’da, Dhu-l-Hidscha und Al-Muharram; dann Radschab-Mudar, der zwischen Dschumada und Schaban ist“ (Überlieferung von Bukhari).

Schaban
Auf den Radschab folgt der Schaban, der ebenfalls ein besonderer Monat ist und dem Schaban folgt der ­Fastenmonat Ramadan. Im Schaban ist es Sunna, möglichst viel zu fasten. In gewisser ­Weise kann man sagen, dass der ­Schaban – wie auch schon der Radschab – eine Vorberei­tung auf den Ramadan ist. Auch im Raschab sollte man besonders viel fasten.

Er ist der achte Monat des islamischen Kalenders. ‘Aischa, die Frau des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, berichtete, „Nie sah ich den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, einen ganzen Monat hindurch fasten, außer im Ramadan; und nie habe ich ihn in irgendeinem Monat mehr fasten gesehen als im Schaban.“ (Muwatta, Imam Malik)

Nach einem anderen Bericht – ebenfalls von stammenden ‘Aischa – der von Imam Muslim überliefert wurde, hat der Prophet fast den gesamten Schaban hindurch gefastet – mit Ausnahme weniger Tage. Während des Übergangs von Schaban zu Ramadan sollte man, wenn Zweifel bestehen, ob dieser Tag zum ­Ramadan gehört (weil der Neumond noch nicht gesehen werden kann), diesen nicht mit der Absicht zum Fasten im Ramadan fasten. Ein freiwilliges Fasten an diesem Tag ist zwar zulässig, sicherer ist es aber, an diesem Tag nicht zu fasten.

Im Schaban sollte man besonders viel Qur’an lesen und das Bittgebet für den Propheten rezitieren, sowie die guten Taten erhöhen. Oft haben die Wohlhaben­den insbesondere im Schaban viel Sada­qa an die Armen gegeben, damit diese für den Ramadan gestärkt sind. Auch zieht man sich in die Moscheen zurück (I’tikaf), um den Beginn des Ramadans zu erwarten und in Abgeschiedenheit zu reflektieren.

Besondere Nächte
Alle drei Monate – Radschab, Schaban und Ramadan – haben gemein, dass es in ihnen besondere Nächte gibt. Im Schaban ist dies die Lailat Al-Bara’a; in der Mitte des Monats.

Nach einer prophetischen Überlieferung ist die Nacht des ersten Freitags im Radschab die Lailat Ar-Ragha’ib, die Nacht der Wünsche. In dieser Nacht ­bitten die Engel Allah um Vergebung als Lohn für alle, die im Radschab ­fasten. Auch soll man in dieser Nacht, wie in allen besonders gesegneten Nächten, zu­sätz­liche ­Gebete verrichten und Bittgebete ­sprechen. In Deutschland wird vor allem in den türkischen Moscheen in dieser Nacht die so genannte ­“Regaib Kandili“ begangen.

Das Wort „Kandil“, das auch für andere, besondere Nächte gebräuchlich ist, hat eigentlich mit Lampen zu tun. Es kommt wohl daher, dass die Moscheen in diesen Nächten mit zahlreichen ­Lampen und Lichtern kunstvoll beleuch­tet wurden. Man trifft sich nach dem Abendgebet, wenn der erste Radschab an­fängt, in der Moschee und es wird Qur’an rezitiert; häufig auch das osmani­sche „Mev­lüt“, ein berühmtes Lobgedicht über die Geburt des Propheten ­gelesen, und im Anschluss hält der Imam eine Ansprache über die Bedeutung ­dieses Monats. Im Radschab liegt auch auch die ­Lailat Al-Miradsch, die 27. Nacht des ­Monats, die Nacht, in der der Prophet Muhammad, Friede auf ihm, in die ­Himmel aufgestiegen ist, wo Allah ihm vieles ­gezeigt hat und der Prophet so nah an Allah gekommen ist, wie es keinem Menschen sonst gewährt wird. Allah sagt im Qur’an: „Gepriesen sei Der, Der bei Nacht Seinen Diener von der heiligen ­Moschee zu der fernen Moschee, deren ­Umgebung Wir ­gesegnet haben, ­hinführte, auf dass Wir einige Unserer Zeichen zeigten. Wahrlich, Er ist der Allhörende, der Allsehende.“ (Al-Isra, 1)

Im Schaban gibt es ebenfalls eine besondere Nacht – Lailat Al-Baraa, die Nacht des 15. Schaban. Sie ist die Nacht der Befreiung, eine der gesegnetsten Nächte des Jahres; Segen, Gnade und Vergebung kommen in dieser Nacht auf die Erde herab. Es wird überliefert, dass in dieser Nacht Fehler – mit Ausnahme der schwerwiegenden – vergeben werden. In der Nacht der Vergebung wird demnach auch die Versorgung der Menschen und ihre Lebenszeit bestimmt, sowie diejenigen, die die Pilgerfahrt (Hadsch) zum Haus Allahs unternehmen werden. Sich in dieser Nacht in den Moscheen zu ­versammeln, gehört zu den Besonderheiten der hanafitischen Rechtsschule, der in Deutschland insbesondere die türkisch-, albanisch- und bosnisch-stämmigen Mus­lime angehören. Es wird berichtet, dass in dieser Nacht Schaikh Hassan Al-Basri – einer der großen Gelehrten der muslimischen Frühzeit im irakischen Basra – sein Haus verließ und ganz bleich aussah, so als ob er aus seinem Grab gestiegen wäre. Er ­wurde gefragt, was so viel Furcht verursacht habe. Er antwor­tete: „Ich schwöre, dass ich in einem Zustand bin, der schlim­mer ist als der eines Mannes, dessen Schiff gesunken ist, denn ich bin mir meiner begangenen Fehler bewusst, aber ich habe keine Gewissheit darüber, ob meine guten Taten angenommen werden. Deshalb sorge ich mich so viel.“

Das freiwillige Fasten
Vom Gesandten Allahs sind bestimmte Tage und Monate überliefert, an denen er zu fasten pflegte. Sie sind abgestuft im Grad ihres empfehlenswerten Charakters, wobei es hier in den Rechtsschulen zum Teil unterschiedliche Einstufungen gibt. Der Prophet pflegte auch, jeden Montag und Donnerstag – dem ­zweiten und fünften Tag der islamischen Woche – zu fasten.

Weitere Überlieferungen ­be­zie­hen sich auf Fasten an drei Tagen ­jedes Monats (wo bei vom 13., 14. und 15. des Monats die Rede ist) sowie das häufige, freiwillge Fasten in den Monaten Muharram, Radschab, Dhu’l-Qada und Dhu’l-Hidscha – beim letzten (dem Monat der Hadsch) besonders an den ­ersten neun Tagen.

Vom Propheten Muhammad gibt es Überlieferungen, wonach der Radschab ein Monat ist, in dem es empfohlen ist, an möglichst vielen Tagen zu fasten. So überliefern Ibn Madschah und Ahmad eine Aussage, in der der Prophet einem Mann, der ihm mitteilte, dass er noch mehr freiwilliges Fasten auf sich nehmen möchte, sagte: „Faste während der heili­gen Monate.”

Nach anderen Überlieferungen werden auch besondere, zusätzliche Gebete im Radschab empfohlen. Schaikh Abdulqadir Al-Dschilani hat sich in seinem bekannten, umfassenden Werk „Ghunya At-Talibin“ (das in Aufbau und Inhalt dem „Ihya Ulum Ad-Din“ von Imam Al-Ghazali vergleichbar ist) in entsprechenden Kapiteln ausführlich den Besonderheiten der Monate Radschab und Schaban gewidmet.

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Ali Kocaman

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