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Überblick: Muslime und Nichtmuslime haben beidseitige, vorgefasste Meinungen voneinander. Von Javed Syed

Zehn Vorurteile

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(iz). Vorurteilen ist jeder Mensch schon einmal begegnet. Sowohl von sich gegen andere, als auch von anderen gegen sich, negativ wie positiv. Es ist ein natürlicher Prozess, Menschen in Schubladen zu stecken, denn nur so kann das Gehirn die Informationsflut eindämmen und andere anhand bestimmter Merkmale zuordnen. Jedoch hat dies aber in der Realität auch seine Nachteile. Um die Kluft durch die Stigmatisierung nicht all zu groß werden zu lassen, hier eine Gegenüberstellung der fünf häufigsten Vorurteilen mit einer kurzen Erläuterung.

Vorurteile bezüglich von Muslimen
1. Das erste Vorurteil ist zugleich auch das Grundlegendste. Allah sei eine andere Gottheit, als Gott.
Sowohl die Christen, die Juden und die Muslime beten alle zu dem selben Gott (29:45). Allah ist lediglich die Übersetzung. Man käme ja auch nicht auf die Idee, dass wenn der Amerikaner oder der Brite von God spricht, er einen anderen anbetet, als der Spanier, der zu Dios betet. Es ist also auch bis auch die Konfession kein Unterschied, ob der Araber oder der Türke zu Allah betet. Des Weiteren beten sowohl die Malteser, als auch die indonesischen Christen unter der Übersetzung Allah. Vielmehr kommt es wahrscheinlich unter Anderem daher, dass das islamische Bekenntnis mit „es gibt keinen Gott außer Allah und Muhammed ist sein Gesandter“ übersetzt wird, was den Sinn durch die Sprachbarire ein wenig verändert. Das Vorurteil, Allah ist ein anderer als Gott ist somit falsch.

2. Das zweite Vorurteil ist der Terrorismus. Dem Islam wird nachgesagt, er fördere und befehle den Terrorismus. Der Qu'ran zeigt uns jedoch an einigen Stellen, das sowohl das Töten von Unschuldigen verboten ist (5:32, 42:42), als auch das Selbsttöten (4:29), dass von einigen zur Durchführung des Anschlags praktiziert wird. So sieht man hier anschaulich, wie stark der Qu'ran Terrorismus ablehnt. Das zweite Vorurteil ist somit auch falsch.

3. Das dritte Vorurteil, dass sich hartnäckig in vielen Köpfen festgesetzt hat ist die angebliche Islamisierung Europas. Fakt ist – so die Bundeszentrale für politische Bildung in dem 2. Europalexikon –, dass die Zahl der Muslime in Europa steigt. Durch Geburten, durch den Zuzug von Muslimen und durch Konvertiten. Da durch den demographischen Wandel gleichzeitig immer weniger „Europäer“ geboren werden und es immer mehr Kirchenaustritte gibt, wiegt die steigende Zahl an Muslimen doppelt, so eine weitere Studie der bpb. Dies fördert natürlich die Angst von Nichtmuslimen in Deutschland bzw. Europa, dass der Islam Europa langsam und schleichend übernimmt. Jedoch vergessen sie dabei, dass das Christentum in seiner Entstehungszeit die gleichen Probleme hatte. Ihnen wurde zur Zeit des Kaisers Nero nachgesagt, sie würden Kinder fressen oder brächten Unheil über das römische Reich, so der römische Historiker Tazitus. Die Angst vor etwas, was man nicht kennt und was von außen kommt ist also in einem gewissen Maße auch legitim. Der Schlüssel dazu ist Kommunikation. Redet mit denen, von denen ihr denkt, dass sie zwar Angst haben aber das man mit ihnen gescheit sprechen kann.

4. Etwas, was den Muslimen insbesondere seit Thilo Sarazzins Buch immer wieder vorgehalten wird, ist, dass sie Parallelgesellschaften gründen würden. Dieses Vorurteil ist eine Weiterentwicklung der Angst vor der Islamisierung. Dies wurde auch den Juden in der Zeit der Nationalsozialisten vorgeworfen.

Parallelgesellschaften sind aber, so die Göttinger Demokratieforscher in einer 2012 veröffentlichten, etwas ganz normales, was in jeder Gesellschaft vorkommt. Die Oberschicht einer jeden Gesellschaft lebe in einer ganz anderen Sphäre, als die Unterschicht. Die Mittelschicht bleibt auch meist unter gleichgesinnten, genau wie die Ausländer, die bevorzugt bei ihren Landsleuten bleiben und die Religiösen, die meist auch unter ihresgleichen sind. Weiter sagen die Göttinger Forscher, dass Parallelgesellschaften durchaus auch positiv zu sehen sind, da sich Migranten in ihnen einleben können, um ihre „Identität zu wahren und zu stärken“, was ihrer Ansicht nach eine der Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration sei. Man sieht also, es gibt überall Parallelgesellschaften, jedoch wird es meist nur den Muslimen als Vorwurf gemacht.

5. Das letzte herrschende Vorurteil ist, dass das Kopftuch ein Symbol der unterdrückten Frau ist. Der Qu'ran gibt bezüglich der Bedeckung der Haare klare Anweisungen (24:31). Diese Anweisungen finden sich aber auch in der Bibel (1. Korinther, 11:5-6), und auch in der Thora (Genesis 24:65). Sollte die Kopfbedeckung also ein Symbol der unterdrückten Frau sein, wie zum Beispiel Alice Schwarzer behauptet, müssten nicht nur muslimische, sondern auch christliche und jüdische Frauen unterdrückte sein. Natürlich muss man hier hinzufügen, dass es durchaus Frauen und gerade junge Mädchen gibt, die ihr Kopftuch wegen väterlichem Druck tragen, was aber in den Medien zur Regel gemacht wird. Vielmehr tragen die meisten Frauen alle Konfessionen das Tuch mit einem gewissen Stolz, mit einer gewissen Würde, sodass auch das letzte Vorurteil nicht taugt. Dies bestätigt auch eine Studie die von der Konrad-Adenauer-Stiftung 2006 in Auftrag gegeben wurde. Demnach tragen 97 Prozent der Muslima das Kopftuch aus religiöser Überzeugung. Des Weiteren gaben diese Frauen an, dass die Mutter mit 40 Prozent den meisten Einfluss darauf genommen hat, ob die Frauen ein Kopftuch tragen oder nicht. Vater (26 Prozent), Bruder (4 Prozent) und Ehemann (10 Prozent) liegen hier deutlich zurück.

Was Muslime meinen
1. Einer der häufigsten Vorurteile von Muslimen gegen deutsche Nichtmuslime ist, dass sie Ungläubige sind. Die Deutschen sind oft katholische oder evangelische Christen. Das Christentum ist das Wort Gottes, welches durch den Propheten Issa (Jesus) zu uns gebracht wurde. Es ist der selbe Gott, der davor durch Moses die Thora und danach durch Muhammed den Qu'ran herab sendete (29:46). Weiter werden die Christen und Juden im Islam als „Schriftbesitzer“ bezeichnet, was sie von den „Ungläubigen (Götzenanbeter)“ abheben soll. Außerdem bedeutet das Wort Muslim nicht nur die Zugehörigkeit zu der islamischen Konfession, sondern ist in seiner Bedeutung viel offener. Christen sind also keineswegs Ungläubige aus islamischer Sicht.

2. Ein zweites Vorurteil von Muslimen gegen deutsche Nichtmuslime ist, dass die Gesellschaft fordere, dass sie ihre Kultur ablegen müssen. Das ist aber nicht ganz richtig. Die Deutschen fordern vor allem zwei Dinge: Akzeptanz und Erhaltung ihrer Kultur. Hier spielt auch wieder die Angst vor Überfremdung eine Rolle. Es hilft hilft vor allem das oben genannte Mittel: Kommunikation; ein gewisses Interesse an der deutschen Kultur und gleichzeitig die eigene für Interessierte nach außen tragen.

3. Außerdem denken viele Muslime, der Staat fordere eine Entscheidung zwischen Demokratie und Islam. Auch das stimmt nicht. Der Staat erlaubt jedem durch die Grundrechte jegliche Religiosität Art. 4 Abs. I GG). Die Entscheidung, ob man sehr, mittelmäßig, wenig oder gar nicht religiös ist, trägt man einzig und allein selber. Da das System der Grundrechte grundsätzlich die Basis für alles ist, kommt es natürlich vor, dass es in manchen Fragen hinsichtlich einer Religion oder einer Weltanschauung im Detail zu Kollisionen mit dem Grundrecht kommt. Grundsätzlich spricht aber nichts dagegen, sich für das eine entscheiden, ohne das andere damit gleichzeitig auszuschließen.

4. Ein weiteres Vorurteil ist, dass es in Deutschland keine Chancengleichheit gibt. Auch die Chancengleichheit ist im Grundgesetz (Art. 3 GG) verankert und ist somit erst einmal gegeben. Natürlich bestreitet kaum jemand, dass es Ausländer in jedem Land der Welt etwas schwieriger haben, als Einheimische, was u.a. von einer Studie der Bertelsmannstiftung bestätigt wurde – aber dadurch von einer Chancenungleichheit zu sprechen, wäre zu streng. Vielmehr muss man als Ausländer, egal in welchem Land, automatisch immer ein bisschen mehr tun, als die, die aus diesem Land kommen. Grade in Europa haben Menschen – egal aus welchem Land oder von welcher Religion – rechtlich durch die europäische Grundrechtscharta aber nahezu die besten Voraussetzungen auf der Welt.

5. Das letzte Vorurteil ist, dass alle Deutschen Rassisten seien. Was nicht von der Hand zu weisen ist, dass es Rassisten gibt. Das Neue daran, laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung über Rassismus ist, dass vor allem der Rassismus „aus der Mitte der Gesellschaft“ zugenommen hat. Deutschland ist hier natürlich auch aufgrund der Historie sehr stark vorbelastet.

Die meisten Deutschen sind – laut der diesbezüglichen Studie der Uni Münster – aber keine Rassisten, sondern Personen, die einfach Angst vor dem Unbekannten haben,. Demnach haben knapp 50 Prozent der Deutschen Angst vor dem Islam. Abbauen, so der Leiter der Studie, lassen sich die Ängste durch Begegnungen von Deutschen und Muslimen. Denn desto mehr ein Nichtmuslim Kontakt mit Muslimen habe, desto weniger Angst habe er auch vor dem Islam.

Man sieht: Die meisten Vorurteile von beiden Seiten sind bei genauer Betrachtung unbegründet. Kommunikation und ein gewisses Interesse an der anderen Seite kann die größtes Ressentiments egalisieren.

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