IZ News Ticker

Um die Debattenkultur war es in Deutschland auch schon mal besser bestellt. Ein Kommentar von Sulaiman Wilms

Blank ziehen gegen ­Andersdenkende

Werbung

(iz). Angehörige meiner Generation, die sich für mehr als nur „Bravo“ und Fußball interessierten, wissen mit Sicherheit noch, was mit dem „Historikerstreit“ gemeint ist. Mitte der 1980er ­Jahre stritten deutsche Historiker, Denker und Schriftsteller über die Ursprünge des nazistischen Vernichtungswillen. In einer – für heutige Verhältnisse – atemberaubenden Offenheit wurden die Ausgangsthesen des Historikers Ernst Nolte zwar schonungslos diskutiert, niemand wäre aber auf die Idee gekommen, ihn zu kriminalisieren oder seine Aussagen zu unterbinden.

Heute, trotz der Doktrin des permanenten Fortschritts und einer Vielfalt an Kommunikations­kanälen, erleben wir eine Regression der geistigen und medialen Freiheit . Das dämmert immer mehr Menschen. Anstatt mit dem missliebigen Andersdenkenden (mit wem eigent­lich sonst?) zu streiten oder seine – eventuell haarsträubenden – Thesen zu widerlegen, wird denunziert, angegriffen oder Auftritte gestört.

Das kann die verschiedensten Geister treffen, die die Grenzen unserer intellektuellen Wahrnehmung und Wahrheiten ausloten. Und wenn das Bellen der moralinsauren Schäferhunde im Feuilleton oder im Blog nicht hilft, müssen die Vertreter des privatisierten Verfassungsschutz oder aber „Dialogbeauftragte“ und „Extremismusbeauftragte“ ran. Der Blockwart feiert fröhliche Auferstehung, aber voll nachhaltig.

Und – obwohl wir im Zeitalter einer „Diktatur der Meinungen“ leben – gilt „Freiheit“ nur, wenn sie aus der satten Sicherheit der Mitte, des Guten und ihrer akzeptierten Werte kommt. Alle anderen – ob Sahra Wagenknecht, Bernd Lucke und der eine oder andere Muslim ­– werden konsequent aus dem Forum der Debatte, eigentlich doch das Lebensblut einer pluralen Gesellschaft, weggebissen.

Immer wieder trifft es auch Muslime. Ironischerweise besonders jene, die sich um eine öffent­liche Begegnung und den Austausch mit anderen bemühen. Den Radikalen ist es sowieso egal. ­Ihnen ist nicht an einem Austausch der besseren Argumente gelegen.

Am 20.03. wurde die Berliner Islam­woche 2014 von einer Gruppe leichtbekleideter Mitgliederinnen des internationalen Demonstrationskollektives FEMEN rüde unterbrochen. Anstatt mit den Muslimen, denen sie ihre abstrusen Slogans entgegenhielten beziehungsweise -brüllten, zu sprechen, um sie vielleicht von ihrem Standpunkt zu überzeugen, brachten sie nur wieder ihr altbekanntes Mittel der barbusigen Randale an. Wie Berichte und Videomaterial beweisen, waren es die Berliner MuslimInnen sowie die Organisation, und nicht die selbsterklärten „Sextremistinnen“, die noch unschönere Szenen verhinderten.

The following two tabs change content below.
Sulaiman Wilms

Sulaiman Wilms

Sulaiman Wilms

Neueste Artikel von Sulaiman Wilms (alle ansehen)

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen